Wochenrückblick 2013: Woche 18 und 19

Wochenrückblick 2013: Woche 17

  • Nachdem Gilles Bernheim, oberster Rabbi Frankreichs, die Plagiatsvorwürfe, die gegen ihn erhoben wurden, bestätigt hatte, ist er von seinem Amt zurückgetreten. Nun steht die größte jüdische Gemeinde Europas vor der Aufgabe, einen neuen Rabbi zu wählen oder Bernheim sogar auf seinen Posten zurückzuberufen.
  • In Aleppo, Syrien, wurden in der vergangenen Woche zwei christliche Würdenträger verschleppt. Zum einen betraf dies Johanna Ibrahim, das Oberhaupt der syrisch-orthodoxen Kirche, und Bulos Jasidschi, das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche.
  • Die Kombination von Gebet,  Musik und Tanz hat Schülern in Indonesien den Verweis von der Schule eingebracht sowie eine Anklage. Sie hätten mit dem Vermischen koranischer Verse und Gebetshaltungen mit Popmusik von Maroon 5 und Tanzschritten gegen den Blasphemie-Artikel 156 der indonesischen Verfassung verstoßen.
  • Hier kommt gerade noch ein Hinweis: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, setzt sich dafür ein, dass in Zukunft auch Frauen als Diakone tätig sein können. Da Diakone nicht die Priesterweihe empfangen, müsste dafür nur das katholische Arbeitsrecht geändert werden. Diese Änderung könnte es Frauen ermöglichen, Trauungen, Begräbnisfeiern und Taufen durchzuführen.

Wochenrückblick 2013: Woche 16

  • Der türkische Pianist Fazil Say wurde am Montag von einem türkischen Gericht zu 40 Tagen Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Er hatte über Twitter islamkritische Kommentare gesendet, die vom Gericht als Beleidigung der Religion gewertet wurden.
  • In Mogadischu, der Hauptstadt Somalias, sind bei der Stürmung eines Gerichts und der Zündung einer Autobombe mindestens 40 Menschen getötet wurden. Zu den Attentaten bekannte sich die Al-Shabaab-Miliz, die gegen die Übergangsregierung Somalias und für eine strenge, wahhabitisch beeinflusste, Auslegung des Islams kämpft.
  • In Burma (Myanmar) hat sich der ehemalige General und derzeitige Staatspräsident Thein Sein anlässlich des Neujahrfestes optimistisch über die Entwicklung seines Landes geäußert. “Schwarze Flecken” auf der Demokratisierung des Landes seien jedoch die religiös motivierten Kämpfe, die zwischen muslimischen Rohingya und Buddhisten immer wieder aufbrechen.
  • Um der Diskriminierung von Seiten offizieller Stellen entgegenzuwirken, haben Aktivisten in Ägypten die Religionsangabe in ihrem Pass überklebt, mit Sprüchen wie “Geht euch nichts an” oder einfach nur mit “Mensch”.
  • Bis zum 1. September läuft im Jüdischen Museum Berlin eine Ausstellung mit dem Titel “Die ganze Wahrheit über das Judentum”. Darin geht es nicht um eine ‘richtige Antwort’ auf die Frage nach jüdischer Identität, sondern um individuelle Perspektiven auf das Judentum. Besonderer Blickfang dürften vor allem die “Juden in Vitrinen” sein.

Wochenrückblick 2013: Woche 15

  • Angefangen hatte alles mit der Aktion der Tunesierin Amina Tyler. Sie hatte Fotos von sich – oberkörperfrei, mit dem Slogan “fuck your morals” beschrieben – online gestellt, um für die Befreiung der Frau zu demonstrieren. Zur Folge hatte dies die Inhaftierung Amina Tylers, die Protestaktion “Topless Jihad Day” am 4. April durch Femen (eine ursprünglich ukrainische, feministische Gruppierung) und Proteste gegen die Aktion von Seiten muslimischer Frauen, die sich durch die Aktion bevormundet fühlen.

Wochenrückblick 2013: Woche 14

  • Nach dem Tod des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez ist dem Interimspräsidenten Nicolás Maduro der Verstorbene in Gestalt eines Vogels erschienen. Maduro, der in Umfragen deutlich vor seinem schärfsten Konkurrenten Henrique Capriles liegt, forderte dazu auf, sich nicht über sein Erlebnis lustig zu machen.
  • Saudi-Arabien hat das Fahrverbot für Frauen gelockert. War es ihnen bisher nicht erlaubt, Autos, Motorräder oder Fahrräder zu steuern, so dürfen sie nun in Parks und Erholungsgebieten Motorrad und Fahrrad fahren. Dabei müssen sie jedoch von einem männlichen Verwandten begleitet werden und ihren gesamten Körper mit der Abaya verhüllen.
  • In Sri Lanka wurden drei buddhiste Mönche verhaftet. Sie waren mutmaßlich an der Verwüstung eines muslimisch geführten Ladens beteiligt. Der Zwischenfall erschwert die schon angespannte Situation zwischen Buddhisten, Hindus und Muslimen auf Sri Lanka.
  • Es wurde ja schon viel diskutiert über das Grabtuch von Turin. Nun haben neue Untersuchungen das Tuch nicht ins Mittelalter sondern in die Zeit Jesus’ datiert.

Wochenrückblick 2013: Woche 12 und 13

  • In Dezember hat die WHO eine Resolution verabschiedet, die weibliche Genitalverstümmelung verbannt. Trotzdem werden in vielen Ländern noch Mädchen beschnitten, u. A. in Indonesien. Von öffentlicher Seite bestritten, wird weibliche Beschneidung nach wie vor praktiziert, vor allem in muslimischen Familien, um Frauen vor übermäßiger Sexualität zu bewahren. (Vielen Dank an Herrn Loth für den Hinweis.)
  • In Indien flogen wieder die Farben – es war Holi, das “Fest der Farben”, das alljährlich zum Frühlingsanfang gefeiert wird.
  • In einem Jugendgefägnis in Rom hat Papst Franziskus für Aufsehen gesorgt, als er mehreren weiblichen Insassen die Füße wusch. Die Geste erinnert an Jesus, der in der Nacht vor seinem Tod den Aposteln – 12 Männern – die Füße wusch.
  • In Bhutan werden zukünftig Kondome für jeden zur freien Verfügung stehen – auch buddhistischen Mönchen und Novizen. Damit will das Gesundheitsministerium die Ausbreitung sexuell übertragbarer Geschlechtskrankheiten eindämmen von denen auch buddhistische Mönche betroffen sind.

Wochenrückblick 2013: Woche 10 und 11

  • In Israel wurde im öffentlichen Nahverkehr eine nur für Palästinenser bestimmte Buslinie eingerichtet. Von offizieller Seite wird dieser Schritt mit der Vereinfachung der Fahrmöglichkeiten palästinensischer Arbeiter zwischen der West Bank und Israel begründet. Es ist jedoch anzunehmen, dass dies der Diskriminierung der Palästinenser dient und sie schrittweise auf bestimmte Busse beschränkt werden sollen.

  • Zur Leipziger Buchmesse wird auch die Diskriminierung der Sinti und Roma diskutiert. Den Buchpreis erhielt nämlich unter anderem Klaus-Michael Bogdal für sein Buch „Europa erfindet die Zigeuner“. Darin thematisiert Bogdal die Vorurteile gegenüber Sinti und Roma, die trotz der Betonung freiheitlicher Grundrechte noch immer in Europa vorherrschen. „Die alten Feindbilder ruhen wie Schmutz am Boden unserer Gesellschaft, und der kann jederzeit aufgewirbelt werden.“, sagte Bodal in einem Interview mit der ZEIT.

  • Die sieben Geiseln, welche im Februar im Norden Nigerias von Islamisten entführt wurden, sind tot. Als Begründung gaben Mitglieder „Ansaru“, einer vermutlichen Splittergruppe der Boko Haram, eine gescheiterte Befreiungsaktion von nigerianischer und britischer Seite an.

  • Die Auseinandersetzung zweier Betrunkener endete im pakistanischen Lahore in der Verwüstung des christlichen Viertels. Auslöser waren beleidigende Äußerung über den Propheten Muhammad von Seiten eines Christen gegenüber einem Muslim.

Habemus Papam Franciscum!

Um 19:33 Uhr Ortszeit war dies der erste Tweet des neuen Papstes, Franziskus I. Noch gestern betrat der jetztige Papst das Konklave als Kardinal Jorge Mario Bergoglio. Nach fünf Wahlgängen kräuselte sich der weiße Rauch über der Sixtinischen Kapelle, den sowohl Katholiken aus aller Welt als auch die auf dem Petersplatz Versammelten mit Spannung erwartet hatten. Continue reading

Wochenrückblick 2013: Woche 9

  • Im Iran wurde eine junge Frau an der Fortführung ihres Studiums gehindert, nachdem sich herausstellte, dass sie den Baha’i angehört. Die Baha’i gehören nicht zu den im Iran anerkannten Religionsgemeinschaften (dies gilt nur für Islam, Christentum, Judentum und Zoroastrismus) und werden aus diesem Grund immer wieder diskriminiert.
  • Nach seinem Amtsverzicht, hat sich der formalige Papst Benedict XVI. nach Castel Gandolfo zurückgezogen. Damit beginnt die Sedisvakanz, die Zeit, in welcher der Papststuhl unbesetzt bleibt. Nun werden sich alle wahlberechtigten Kardinäle in Rom einfinden, um den genauen Termin für die Wahl festzulegen.

Wochenrückblick 2013: Woche 8

  • Wenn es in der Schule Probleme mit Religion gibt, sind oftmals Christentum oder Islam involviert. Doch diesmal wurde eine Schule verklagt, die einen Yoga-Kurs anbietet. Da die Wurzeln von Yoga religiöser Natur seien, verstoße die anbietende Schule gegen die Religionsfreiheit. Die Schule in Kalifornien hingegen verteidigte sich, Yoga sei lediglich Teil des Fitnessprogramms und nicht religiöser Natur.
  • Auf den Orkney-Inseln wurden bereits 2008 auf einer Landzunge zwischen dem Loch of Stenness und Loch of Harray archäologische Grabungen vorgenommen. Die Funde stammen aus neolithischer Zeit, als Menschen zur Sesshaftigkeit übergingen. Die Landzunge von Brodgar liegt zwischen zwei Steinkreisen und das Finden hunderter Vieh-Skelette legt eine religiöse Nutzung des Geländes nahe.
  • Nach einem Anschlag auf Schiiten im pakistanischen Quetta am 16. Februar weigern sich die Angehörigen, ihre Verstorbenen zu beerdigen. Aus Protest wollen sie darauf verzichten, bis der Vorfall in Gänze aufgeklärt wurde. Bis dahin bleiben die Leichname in der Straße aufgebahrt – dies verleiht dem Protest zusätzliches Gewicht, da die Seele eines Verstorbenen nach muslimischer Auffassung erst mit dem Begräbnis zur Ruhe kommt.
  • In Russland wurde in der vergangenen Woche eine “Partei der Zehn Gebote” begründet. Auch wenn sie von Christen gegründet wurde, soll sie ebenfalls Gläubigen anderer Religionen und Nicht-Gläubigen offen stehen. Allerdings ist sie noch nicht für Wahlen registriert.
  • Die Bischöfe Deutschlands haben auf ihrer Frühjahrstagung beschlossen, die Verabreichung der “Pille danach” in katholischen Krankenhäusern zu erlauben. Dies gilt für Medikamente, welche die Befruchtung der Eizelle verhindern, jedoch nicht für solche, die eine bereits befruchtete Eizelle zerstören (“Abtreibungspille”).
  • Erstmalig in der Geschichte Saudi-Arabiens haben Frauen Sitze in der Beratenden Versammlung (madschlis al-schura) erhalten. Auch wenn den 30 Frauen noch immer 130 Männer gegenüber stehen, ist es ein enormer Durchbruch.