Die Ausweisung der Juden aus England 1290

Die Ausweisung der Juden aus Spanien ist wohl die bekannteste Vertreibung dieser religiösen Gemeinschaft, doch es ist bei weitem nicht die einzige in der europäischen Geschichte. Zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert haben mindestens 18 Länder wiederholt dafür gesorgt, dass die jüdische Bevölkerung auswandern musste. Eines dieser Länder war England, welches 1290 ein Ausweisungsedikt erließ und erst 360 Jahre später – wenn auch nicht aufhob so doch zumindest nicht mehr durchsetzte.

Ausweisung von Juden in Europa zwischen 1100 und 1600. (Quelle: Ecelan via Wikimedia Commons, Lizenz CC-BY-SA 3.0)

Ausweisung von Juden in Europa zwischen 1100 und 1600.

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Schwetzingen: Eine Moschee im Schlossgarten

Moschee Schwetzingen - Westansicht. (Quelle: Andree Stephan via Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0)

Moschee Schwetzingen – Westansicht.

Gartenmoscheen waren zur Zeit der „Türkenmode” im 18. Jahrhundert bei fleißig bauenden Herrschenden der letzte Schrei. Gebetet wurde in den wenigsten dieser Moscheen. Die letzte ihrer Art kann man heute noch im malerischen Schwetzingen

 

Die Moschee in Schwetzingen ist Teil des aufwendig gestalteten Gartens, der sich hinter dem Schwetzinger Schloss erstreckt. Im 14. Jahrhundert noch eine mittelalterliche Wasserburg, wurde der Bau nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg und im Pfälzischen Erbfolgekrieg wieder aufgebaut und erhielt im 18. Jahrhundert sein heutiges Antlitz. Besonderen Verdienst hatte der Kurfürst Karl Theodor (1724-1799), der das Schloss zur Sommerresidenz ausbaute und den barocken Schlossgarten anlegte.

In der Barockanlage gibt es neben einem Badhaus und einem Naturtheater auch eine Gartenmoschee, die heute die letzte erhaltene ihrer Art in Europa ist. Errichtet wurde sie zwischen 1779 und 1795 nach dem Vorbild der Gartenmoschee von William Chambers in Kew Gardens sowie Entwürfen von Johann Fischer von Erlach. Die Architektur der Moschee verbindet bauliche Elemente des Barock mit orientalischer Architektur. Es finden sich sowohl barocke Kuppeln, spitzbogige Fenster, Rundbogenarkaden, Minarette, Pavillons und Halbmondverzierungen.

Moschee Innenansicht Kuppel. (Quelle: Berthold Werner via Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0)

Moschee Innenansicht Kuppel.

Der Innenraum der Moschee gliedert sich in einen runden Zentralraum mit jeweils einem Anbau auf jeder Seite. Der Grundriss ähnelt stark jenem der Kew-Gardens-Moschee. Die Innengestaltung ist farbenfroh und wird von der Kuppel im Zentralraum beherrscht. Inschriften sind golden ausgelegt und sowohl in arabischer als auch deutscher Sprache angebracht. Es handelt sich um Sinnsprüche, die nicht speziell islamisch sind, sondern allgemeine Tugenden wie Weisheit und Fleiß preisen.

Die Moschee wird umgeben von Wandelgängen und erinnert darin an orientalische Moscheen. Es fehlen jedoch jedwede liturgische Einrichtungen wie sie in jeder Moschee der islamischen Welt zu finden ist. Es gibt keine Möglichkeit der rituellen Reinigung vor dem Gebet, im Innenraum gibt es keine Gebetsnische, welche die Gebetsrichtung nach Mekka ausweist und auch keine Kanzel, von der freitags üblicherweise eine Rede gehalten wird.

Moschee mit Wandelgängen. (Quelle Andree Stephan via Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0)

Moschee mit Wandelgängen.

Zur Verrichtung von Gebeten durch Muslime wurde das Gebäude bisher nur zu zwei Zeitpunkten seiner Geschichte. Nach dem Deutsch-Französischen-Krieg 1870/71 und in den 1980er-Jahren.

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Rezension: „Islamische Kultur und Geschichte“ von Peter Ortag

Die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung hat die zweite Auflage ihres Islambuches „Islamische Kultur und Geschichte. Ein Überblick” herausgebracht. Bereits im Vorwort verspricht der Autor Peter Ortag Informationen „jenseits von mehr oder weniger begründeten Ängsten, aber auch von verklärender Orient- und Multikulti-Romantik” (S. 9). Die Lektüre des Buches verfehlt jedoch sein Ziel „durch Wissen mehr Gelassenheit im Umgang mit dem Islam zu erreichen” (S. 9), vielmehr gibt es vorhandenen Ängsten Nahrung und weist zudem deutliche Schwächen in Form und Inhalt auf.
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Hassan al-Banna und die Muslimbruderschaft

Hassan al-Banna. (Quelle: Wikimedia Commons)

Hassan al-Banna.

Die Reformer des Islam Jamal ad-Din al-Afghani, Muhammad Abduh und ihre Schüler haben viele Denker in der islamischen Welt beeinflusst. Dabei hat sich die Reformidee in sehr unterschiedliche Richtungen entwickelt. Besonders Rashid Rida legte mit seiner Ablehnung der Trennung von Staat und Religion sowie seiner Annäherung an den Wahhabismus die Grundlage für salafistisches und islamistisches Gedankengut heute. Einer der bedeutendsten Vertreter einer von Rashid Rida beeinflussten antikolonialen und streng islamischen Denkweise ist Hassan al-Banna (1906-46), welcher die Muslimbruderschaft begründete.

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Kakure Kirishitan – Die „versteckten“ Christen von Japan

Marienfigur getarnt als Bodhisattva Kannon. (Quelle: PHGCOM via Wikimedia Commons unter Lizenz CC-BY-SA 3.0)

Marienfigur getarnt als Bodhisattva Kannon.

Mit dem katholischen Missionar und Mitbegründer des Jesuitenordens Francisco de Xavier (im Deutschen oft Franz Xaver) beginnt 1549 die Geschichte des Christentums in Japan. Er legte das Fundament für eine außergewöhnliche Verbreitung des christlichen Glaubens auf den japanischen Inseln. Die nachfolgenden Missionare konnten erstaunliche Erfolge verzeichnen – nicht einmal hundert Jahre später waren fast 10% der Bevölkerung zum Christentum konvertiert. Was hätte einer der größten Siegeszüge einer Religion werden können, endete abrupt mit dem Verbot des Christentums und der Unterdrückung, Verfolgung und dem Tod von Tausenden Konvertiten. Es führte gleichzeitig zu der Entstehung einer der faszinierendsten religiösen Gemeinschaften, den kakure kirishitan, den „versteckten” Christen von Japan.

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Mutter Teresa – eine Heilige und ihre Kritiker

Mutter Teresa 1986. (Quelle: Túrelio via Wikimedia Commons, unter Lizenz CC-BY-SA 2.0)

Mutter Teresa 1986.

Seit dem 04. September ist Mutter Teresa als heilige Teresa von Kalkutta von Papst Franziskus in einer feierlichen Zeremonie auf dem Petersplatz im Vatikan heiliggesprochen worden. Ihr Leben hatte Mutter Teresa schon früh der Religion gewidmet, doch Kritik an ihrer Missionsarbeit ist bis heute nicht verstummt. Was ist dran am Mythos Mutter Teresa?
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Schon gewusst…? Religious othering

Ursprünglich stammt der Begriff „othering” aus der Philosophie, findet inzwischen jedoch in vielen Gebieten Anwendung, z. B. in der Ethnologie, Pädagogik und Soziologie. Man beschreibt damit den Prozess, sich selbst von Menschen mit anderen Merkmalen abzugrenzen. Denn jeder Mensch hat das Bedürfnis seine Umgebung zu kategorisieren und „das Andere” ist notwendig um die eigene Identität abzugrenzen. Es erleichtert die Antworten auf die Fragen „Was bin ich?”, „Was bin ich nicht?”. Die Kategorien, in denen diese Abgrenzungsprozesse stattfinden, können sehr unterschiedlich sein – Rasse, Religion, Ethnie, Nationalität, Kultur, Geschlecht, sexuelle Orientierung.

Othering – auch im Deutschen wird meist das englische Wort benutzt, weil es keine adäquate Übersetzung gibt – kann in der Definition von „Anderen” jedoch auch zu Feindbildern und Fremdenfeindlichkeit führen. Othering hat in seinen extremsten Ausprägungen zu Holocaust und Apartheid geführt.

Doch auch heute sind die negativen Auswirkungen von Othering deutlich sichtbar und das in seiner spezifischen Form des „religious othering”, wenn Menschen also aufgrund ihrer Religion als „anders” klassifiziert werden. Dafür muss man nicht weiter als vor die eigene Haustür schauen. Muslime tragen zurzeit deutlich das Stigma des „Andersseins” und werden als fremd wahrgenommen. Dieses Stigma verschwindet auch dann nicht, wenn Muslime mit denen, die sie ausgrenzen, viele Merkmale – wie Rasse, Ethnie, Nationalität und Kultur – teilen.

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Die Sepharden – das Erbe von al-Andalus

Die Zeit der muslimischen Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel hat nicht nur im christlichen Europa tiefe Spuren hinterlassen. Auch die jüdische Kultur ist bis heute geprägt von „al-Andalus”, wie die sephardische Tradition eindrücklich zeigt.

Migration sephardischer Juden ab dem 15. Jahrhundert. (Quelle: Universal Life via Wikimedia Commons unter Lizenz CC-BY-SA 3.0)

Migration sephardischer Juden ab dem 15. Jahrhundert.

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Burkini-Panik in Frankreich – Kommentar

Ob Burkinis auch mal so selbstverständlich angepriesen werden? (Quelle: Mahesh Shantaram via Wikimedia Commons unter Lizenz CC-BY-SA 2.0)

Ob Burkinis auch mal so selbstverständlich angepriesen werden?

Der Burkini sorgt an Frankreichs Stränden für Aufruhr, bereits mehrere Städte  haben das Tragen dieses speziellen Badeanzugs verboten. Geldstrafen drohen Frauen, die ‚zu viel‘ beim Schwimmen im Meer tragen.  Das erinnert stark an das Schicksal des Bikinis bevor er seinen Siegeszug in der Modewelt angetreten hat. Weiterlesen

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Schon gewusst…? Muslimische Seefahrer in Amerika vor Kolumbus

Christoph Kolumbus, Vasco da Gama, Ferdinand Magellan und Amerigo Vespucci – die Namen der großen Entdecker des 15. und 16. Jahrhunderts sind wohlbekannt. Doch wären ihre Entdeckungsfahrten nicht möglich gewesen ohne das Wissen muslimischer Seefahrer. Nautische Instrumente wie das Astrolabium, der Kompass und der Jakobsstab waren Muslimen schon lange bekannt und wurden genutzt um Navigationstabellen und Karten zu erstellen.

Weltkarte von Juan de la Cosa. (Quelle: via Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Weltkarte von Juan de la Cosa.

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