Kategorie-Archiv: Wochenrückblick 2012

Wochenrückblick Woche 41

  • Die philippinische Regierung und die Führer der größten muslimischen Rebellengruppe (Moro Islamische Befreiungsfront, MLIF) haben sich am 07.10. auf ein vorläufiges Friedensabkommen geeinigt, welches die Schaffung halbautonomer muslimischer Regionen vorsieht. Bereits seit den 70er Jahren gab es Auseinandersetzungen um einen unabhängigen muslimischen Staat auf den mehrheitlich katholischen Philippinen. Im Laufe des Konflikts starben mehr als 120.000 Menschen.
  • Nachdem es bereits im Frühjahr zu einem tödlichen Angriff an einer jüdischen Schule gekommen ist, haben anti-semitische Handlungen in Frankreich zugenommen. Letzte Woche detonierte eine Granate vor einem jüdischen Lebensmittelladen und am vergangenen Wochenende waren Schüsse vor einer Synagoge gefallen. Die Polizei vermutet hinter allen Anschlägen muslimische Extremisten.
  • In Frankreich soll eine Kirche eventuell in eine Moschee umgewandelt werden. Die Pläne verursachen zwiespältige Reaktionen, auch wenn das Umfunktionieren von Gotteshäusern schon oft vorgekommen ist.
  • Der Berliner Schwulenverlag Bruno Gmünder hat eine Aktion gegen die Internetseite kreuz.net ins Leben gerufen. kreuz.net reizt mit antisemitischen und schwulenfeindlichen Artikeln. Ihre Betreiber sollen nun mit einer Belohnung von 15.000 € (der Betrag wächst ständig durch Spenden) ausfindig gemacht werden. Bereits zwei Tage nach Start der Aktion waren über 100 Hinweise eingegangen.

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Wochenrückblick Woche 40

  • Am Montag hat es in Bangladesch Ausschreitungen zwschen Buddhisten und Muslimen gegeben. Anlass war ein auf Facebook veröffentlichtes Foto eines Mannes, der auf einen Koran tritt. Mindestens 20 Menschen wurden verletzt und mehrere buddhistische Tempel und Wohnhäuser wurden in Brand gesteckt. Bangladesch beschuldigt muslimische Rohingya-Flüchtlinge aus Birma der Angriffe.
  • Ebenfalls am Montag hat Salman Rushdie in Berlin seine Autobiographie Joseph Anton vorgestellt. Unter diesem Namen lebte der Schriftsteller von 1989 bis 1998, nachdem Ayatollah Khomeini 1988 in einer fatwa zur Tötung Rushdies aufgerufen hat. Grund war Rushdies satirische Sichtweise auf das Leben Muhammads in seinem Buch Die satanischen Verse.
  • Vom 01. bis 07. Oktober (15. bis 21. Tischri) wurde das jüdische Laubhüttenfest (Sukkot) begangen. Sukkot ist einerseits ein Feiertag zum Dank für gute Ernten, andererseits gedenkt es der Wanderung durch die Wüste nach dem Auszug aus Ägypten.
  • Eine kleine Skaterfirma aus Neuseeland versucht das Rebellische zurück in die Skaterszene zu holen. Für diesen Anlass gibt es jetzt Religion is Garbage-Aufkleber, die u. A. den hinduistischen Gott Ganesha als Kiffer und Moses als Zombie darstellen. Viel Rücksicht wird damit auf religiöse Gefühle nicht genommen, aber bisher gibt es meist nur positive Rückmeldungen.
  • Im Vatileaks-Skandal wurde der Kammerdiener des Papstes am 6. 10.  zu 18 Monaten Haft verurteilt. Er war angeklagt, Papiere des Pontifex entwendet und an Außenstehende weitergeleitet zu haben.

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Wochenrückblick Woche 39

  • Seit dieser Woche ist der Louvre um eine Attraktion reicher. In einer neuen Abteilung kann man nun die Kunst des Islams bewundern. Damit finden Tausende Objekte, die bisher größtenteils in Magazinen verstaubten, wieder Beachtung und stehen für die “Durchmischung und gegenseitige Beeinflussung”, die auch im offenen Aufbau der Abteilung sichtbar wird.
  • In Japan wurde in der vergangenen Woche die zum Tode verurteilte Sachiko Eto hingerichtet. In den 90er Jahren wurde Eto wegen sechsfachen Ritualmordes verurteilt, das Urteil wurde – wie in Japan üblich – durch Hängen vollstreckt.

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Wochenrückblick Woche 38

  • In der Nacht vom 16. zum 17. 09. hat mit den Feierlichkeiten von Rosch ha-Schanah das neue jüdische Jahr 5773 begonnen.
  • Ein nun übersetztes Papyrus legt den Verdacht nahe, dass Jesus verheiratet war. Das Papyrus ist leider nur ein Fragment, doch wurden die koptischen Schriftzeichen darauf als “Jesus sagte ihnen, meine Frau…” übersetzt.
  • Die deutsche Bischofskonferenz hat in einem Dekret zum einen bekräftigt, dass aus der Kirche Ausgetretenen keine Sakramente gespendet werden, zum anderen wurde beschlossen, dass bei jedem Kirchenaustritt der Betroffene zu einem Gespräch eingeladen wird.

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Wochenrückblick Woche 37

  • Die Gruft des Kapuzinerklosters von Palermo, Italien, beherbergt einen wissenschaftlich fast unerforschten Schatz: Europas größte Mumiensammlung. Denn bereits seit 1599 wurden Menschen in den Katakomben des Klosters bestattet. Ein deutsches Forscherteam um Jörg Scheidt untersucht nun erstmals systematisch die mumifizierten Leichen, um Aufschlüsse über Alter, Lebensumstände und Mumifizierungstechniken zu erhalten.
  • Aufgrund des Videos “Innocent Muslim”, welches aus Sicht vieler Muslime den Propheten Muhammad verunglimpft, hat es seit Dienstag zahlreiche Angriffe auf amerikanische Botschaften und deren Mitarbeiter gegeben. Die Erstürmung der Botschaften – u. A. in Kairo, Benghaszi (Libyen) und Sanaa (Jemen) – hat bereits mehrere Todesopfer gefordert. Ursprünglich hatte ich geplant, euch an dieser Stelle einen direkten Link zum Film bereitzustellen. Allerdings habe ich mich dagegen entschieden, denn er ist derart schlecht, dass er die ihm zuteil gewordene Aufmerksamkeit in keinster Weise verdient.
  • Erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind in Köln wieder Rabbiner ordiniert worden. Nachdem bereits in den vergangenen Jahren in München und Leipzig Rabbi gesegnet wurden, stand bei der diesjährigen Zeremonie jedoch auch die Frage nach der Stellung des Judentums in Deutschland zur Debatte – insbesondere im Zusammenhang mit dem immer noch diskutierten Thema der männlichen Beschneidung.

  • In Berlin gibt es Pläne für ein interreligiöses Bet- und Lehrhaus, welches Juden, Christen und Muslimen zur Verfügung stehen soll. Geplant ist der Bau mit einer großen Halle, die als Begegnungsstätte dienen und von der aus die jeweiligen Sakralräume zugänglich sein sollen.  Seit gestern sind die Pläne für das Gebäude für jeden in der Parochialkirche einsehbar.

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Wochenrückblick Woche 36

  • Der erkrankte und bereits seit Wochen im Krankenhaus behandelte Sun Myung Moon ist am vergangenen Sonntag verstorben. Moon hatte 1954 in Korea die Vereinigungskirche begründet, die heute besser bekannt ist unter der Bezeichnung “Moon-Sekte”. Die Organisation wird nun von seinen Kindern geleitet.
  • Für kommenden Sonntag ist in Berlin eine Kundgebung unter dem Motto “Auf Messers Schneide” angekündigt, bei dem v. a. jüdische und muslimische Organisationen für die Beschneidung in Deutschland demonstrieren wollen. Im Vorfeld mussten sich die Veranstalter mit Kritik auseinandersetzen, da sich eine Hamas-nahe Gruppierung auf die Unterstützerliste hatte eintragen lassen. Inzwischen wurde sie daraus entfernt.
  • Seit dem Sturz Gaddafis in Libyen hat im südlich gelegenen Mali die Macht der Islamisten deutlich zugenommen. Inzwischen steht der Nordteil des Landes unter ihrer Kontrolle und in den Städten haben sie sich zur Regierungsgewalt erklärt.
  • Die Amish sind eine der am schnellsten wachsenden religiösen Gemeinschaften in den USA, wie eine Studie der Ohio State University feststellte. 60 Prozent aller Amish-Ansiedlungen wurden nach 1990 begründet, das bedeutet alle 3 1/2 Wochen eine.

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Wochenrückblick Woche 35

  • Das schottische Parlament diskutiert die Zulassung gleichgeschlechtlicher Ehen. Widerstand kommt von der katholischen Kirche Schottlands, die sich in einem Brief ausdrücklich dagegen ausspricht. Am Sonntag wurde der Brief in jeder Gemeinde während des Gottesdienstes vorgelesen. Die schottische Regierung will trotzdem an ihren Bemühungen festhalten – unter der Wahrung der Meinungs- und Religionsfreiheit.
  • Am Montag begann in Cleveland, Ohio (USA) die Verhandlungen gegen eine 16-köpfige Splittergruppe der Amish. Diese hatten neun Amish angegriffen und versucht, Bart- und Haupthaar abzuschneiden. Die Amish sind eine protestantische Bewegung, die dem technischen Fortschritt kritisch gegenüberstehen.
  • Nach der Beschädigung und Zerstörung von vier Kreuzen in orthodoxen Kirchen in Russland als Reaktion auf die Einflussnahme von kirchlicher Seite auf politische Entscheidungen (u. A. die Verurteilung der Punkband ‘Pussy Riot’) soll die Schändung von Kirchen härter bestraft werden.

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Wochenrückblick Woche 34

  • Nach dem Ende des Fastenmonats Ramadan am 18. August wird traditionell das Fastenbrechen gefeiert: Das sogenannte Zuckerfest fand vom 19. – 21. August statt.  Mit dem Zuckerfest in Deutschland beschäftigt sich dieser Ramadan-Blogpost vom Religionswissenschaftler Michael Blume (Auch die Diskussion ist lesenswert!) und einige weltweite Impressionen gibt es von der Zeit.
  • Am Donnerstag hat sich der Deutsche Ethikrat mit dem Thema Beschneidung in einer öffentlichen Plenarsitzung beschäftigt und spricht sich für eine Beschneidung unter Betäubung aus. Die Pressemitteilung des Ethikrates und den Link zu den Vorträgen und der Diskussion findet ihr hier.
  • In Nordrhein-Westfalen wurde in dieser Woche Islamunterricht an den Schulen eingeführt. Noch wird der Unterricht nicht flächendeckend angeboten und meist durch Islamkundelehrer durchgeführt – je nach Einschätzung aus Personal- (taz) oder Geldmangel (Zeit).  Auch gibt es noch keinen einheitlichen Lehrplan.
  • Auch zwei Monate nach den ersten Ausschreitungen in Burma hat sich die Lage noch nicht wieder beruhigt. Nun protestieren auch immer mehr muslimische Staaten gegen die Behandlung der Rohingya.
  • In Pakistan wurde ein 11-jähriges Mädchen wegen Blasphemie verhaftet. Sie hatte Seiten mit Koranversen aus einem Lehrbuch gerissen und war daraufhin von einer aufgebrachten Menschenmenge angegriffen worden. Die Blasphemiegesetze in Pakistan sind sehr streng, doch der Übergriff auf ein kleines, noch dazu geistig behindertes, Mädchen hat viele Pakistaner geschockt.

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Wochenrückblick Woche 33

  • Nach dem Angriff auf einen Sikh-Tempel in Missouri, USA, mit mehreren Toten gab es noch weitere, insbesondere auf Moscheen. Da anti-islamische Angriffe seit 9/11 zugenommen haben, spricht man inzwischen auch vom ‘war on religion’ und es wird diskutiert, ob sie eine direkte Folge des amerikanischen ‘war on terror’ sind.
  • Sun Myung Moon, der Begründer der Vereinigungskirche (eher bekannt unter dem Namen Moon-Bewegung) wurde mit kritischem Gesundheitszustand ins Krankenhaus eingeliefert. Aufmerksamkeit erregt die Vereinigungskirche insbesondere durch Massenhochzeiten.
  • Vor kurzem habe ich euch im letzten Wochenrückblick von einem Angriff auf eine nigerianische Kirche berichtet, bei der 15 Menschen starben. Die Gruppierung Boko Haram, die als Drahtzieher hinter dem Anschlag vermutet werden, hat der Regierung einen Waffenstillstand angeboten: unter der Bedingung, dass Präsident Jonathan Goodluck zurücktritt.
  • Eine Gruppe von Atheisten verklagt in den USA das ‘National September 11 Memorial and Museum’ wegen eines Kreuzes. Das Kreuz sei eine Verletzung der Trennung von Kirche und Staat, zudem würdige es nicht die Opfer und Helfer anderer Religionen des 11. Septembers.
  • Am Samstag gab es in Berlin eine Pro-Deutschland-Demonstration, bei der Muhammad-Karikaturen vor Moscheen aufgestellt wurden. Sowohl die Demonstranten als auch die anwesenden Gegendemonstranten verhielten sich friedlich.

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Wochenrückblick – Woche 32

  • Nun ist es offiziell: Die Wehrpflicht in Israel wird auch auf orthodoxe Juden ausgeweitet. Sie waren bis jetzt vom Armeedienst befreit gewesen. Dies führt zu einigem Zündstoff: So soll die Einhaltung der strengen religiösen Regeln für die Orthodoxen ermöglicht werden und bald könnte die Armee um 60.000 orthodoxe Juden, die zur Zeit an Religionsschulen eingeschrieben sind, erweitert werden.
  • Am 05.08. ereignete sich der Anschlag auf eine Sikh-Gemeinschaft in Wisconsin. Hierbei wurden sieben Menschen getötet. Nach aktuellem Kenntnisstand hat der Täter einen rechtsextremen Hintergrund und hielt die Sikhs für Taliban.
  • In Nigeria wurde am Montag eine christliche Kirche von einer unbekannten Gruppe angegriffen. Dabei starben vermutlich 15 Menschen. Die Hintergründe sind noch nicht geklärt, es wird aber vermutet, dass es Zusammenhänge zur islamistischen Gruppierung Boko Haram geben könnte, die bereits früher für ähnliche Angriffe verantwortlich war.
  • Der Belfast Telegraph berichtete am Mittwoch über eine weltweit durchgeführte Studie, wonach die Iren sich selbst immer seltener als ‘religiös’ bezeichnen. Der Anteil sank von 69% (Stand 2005) auf heute 48%. Damit ist Irland das Land in dem dieser Rückgang am deutlichsten ist. Allerdings wird auch Kritik laut: So wird in der Irish Times die Art der Fragestellung und die Unklarheit der Terminologie beanstandet.
  • Nach den Ausschreitungen in Birma (von denen ich euch hier berichtet habe) zwischen muslimischen Rohingya und Buddhisten, hat der birmesische Präsident Thein Sein einen Zusammenhang mit Fragen der Rasse oder Religion bestritten.

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