Halloween – Von Geistern und Toten zu Kürbissen und Süßigkeiten

Die Blätter fallen, die Temperaturen auch und spätestens die gestapelten Kürbisse zeigen, dass der Herbst Einzug gehalten hat. Das nahende Oktoberende steht vor der Tür und damit auch wieder Kinder mit der Frage: „Süßes oder Saures?“ Und Hand aufs Herz: Hat nicht der größte Halloween-Kritiker doch eine Schale Süßigkeiten in der Nähe der Haustür stehen? Nur für den Fall…

Die Kinder, die in Kostümen von Haus zu Haus ziehen sind es auch, die in Deutschland das Bild von Halloween prägen. Vielleicht auch noch eine Halloween-Party oder das Schnitzen von Kürbisgesichtern. Da erschöpft sich meist der Formenreichtum Halloweens hierzulande. So begeistert manche Eltern das Töchterchen oder den Sohnemann in phantasievolle Kostüme kleiden, doch wie weit ist es her mit dem Wissen um Herkunft und Hintergrund von Halloween?

Kelten und Christen

Die Wurzeln von Halloween reichen zurück bis zu den Kelten auf den britischen Inseln. Dort feierten sie um diese Zeit des Jahres Samhain, ein Fest, welches nach aktuellem Kenntnisstand (und je nach Theorie) viele Funktionen erfüllte: Erntedankfest, Neujahr und Gedenken an die Toten. Denn Samhain ist die Nacht, in der die Grenze zwischen den Lebenden und den Toten am durchlässigsten ist. Festivitäten begannen denn auch am Abend und dauerten bis tief in die Nacht. Bei der Christianisierung der Kelten, insbesondere in Irland, war es ein Anliegen der Päpste, die bestehenden religiösen Stätten zu nutzen, um die christlichen Gebräuche als akzeptable Alternative zu etablieren. An Samhain wurde weiterhin den Toten gedacht, nur waren es nun christliche Tote und Heilige und der Tag erhielt den Namen All Hallows‘ Eve – Aller Heiligen Abend. Im 2. Jahrhundert u. Z. wurde das Datum von Allerheiligen auf den 1. November festgelegt.

Nun würde man gern eine Kontinuität verfolgen, die uns aufzeigt, dass Halloween ein jahrhundertealter Brauch ist. Leider tauchen Halloween und damit verbundene Bräuche vermehrt erst wieder in Berichten und Gedichten im 18. Jahrhundert auf. Daraus lässt sich schwerlich eine über Jahrhunderte erhaltene Tradition ableiten, vielmehr ist es ein Indiz für die Romantisierung  der wiederentdeckten keltischen Vergangenheit.

Freudenfeuer und Wahrsagerei

Ob nun erfundene Tradition oder nicht, im 18. Jahrhundert wird Halloween am Vorabend des Allerheiligentages mit Freudenfeuern, Streichen und allerlei Sorten von Wahrsagerei begangen. Bei Letzterem spielten die frisch geernteten Früchte und Nüsse eine wichtige Rolle. Zum Beispiel zogen junge Menschen Kohl aus der Erde und sagten aufgrund der Form des Strunks voraus, wie der zukünftige Ehemann bzw. die Ehefrau aussehen würde: War der Strunk kurz und buschig, versprach dies einen kleinen, runden Partner. Gerne wurden auch Nüsse ins Feuer geworfen, mit dem Namen des oder der Verehrer. Je nachdem, wie stark die Nüsse loderten, wurde dies als Anzeichen gewertet wie stark sie für ihre Liebste ‚brannten‘. Oder jede Nuss stand für einen Partner. Würden sie voneinander wegspringen oder harmonisch nebeneinander zu Asche verbrennen? Dies ließ dann auf den weiteren Verlauf der Beziehung schließen. In Europa spielten Äpfel zu Halloween eine wichtige Rolle. Die Anzahl der Kerne stand für bestimmte zukünftige Lebensereignisse. Aß ein Mädchen einen Apfel oder schnitt ihn vor dem Spiegel, so sollte der ihr das Bild ihres Zukünftigen zeigen. In einer Schüssel mit Wasser nach Äpfeln zu tauchen, entwickelte sich zu einem beliebten Spiel. Eine schmerzhaftere Variante gab es auch: Hier wurde an einem Stock an einer Seite ein Apfel angebracht, an der anderen Seite eine brennende Kerze. Der Stock wurde gedreht und der Spieler hatte die Aufgabe, nach dem Apfel zu schnappen ohne sich vom Wachs verbrennen zu lassen.

Auf nach Amerika!

All diese Gebräuche und Spiele hatten die vielen Iren und Schotten im Gepäck, die im 19. Jahrhundert nach Amerika auswanderten. Eine feste Größe, welche die Einwanderer von den britischen Inseln mitbrachten, war die Tradition, an Halloween Streiche zu spielen. Dies reichte vom Austausch von Geschäftsschildern und das Schlagen von mit Mehl gefüllten Socken gegen die schwarzen Mäntel feiner Herren, über das Aushängen von Haustüren (in einer Steigerung werden diese alle auf dem Marktplatz gestapelt) bis hin zu Streichen mit vandalistischen Zügen: auf den Kopf gedrehte Autos, abgesägte Telefonmasten und geöffnete Feuerhydranten, die ganze Straßenzüge unter Wasser setzten.

Zu den übergesiedelten Bräuchen gesellen sich neue: Die ausgedienten Vogelscheuchen werden als Dekoration für Halloween genutzt. Oft  wird ihnen ein Kürbis als Kopf aufgesetzt. Diese Jack O’Lanterns – ausgehöhlte Kürbisse mit eingeritzen Gesichtern, die von innen mit einer Kerze beleuchtet werden – waren schon lange bekannt, doch erst im 19. Jahrhundert wurden sie ein fester Bestandteil Halloweens und auch so manchen Streichs an diesem Tag. Ein anderer Teil von Halloween, der heutzutage nicht mehr wegzudenken ist, stammt erst aus dem 20. Jahrhundert. Viele Familien organisierten für die Kinder überaus beliebte Halloweenfeiern. Während der Depression in den 1930er Jahren war es jedoch schlicht zu teuer eine solche Party auszurichten. Aus der Not machten einige Familien eine Tugend, schlossen sich zusammen und organisierten gemeinsam eine Feier, bei der die Kinder zwischen den Häusern der Familien umherzogen. Jede Familie bereitete etwas für die Feier vor und die Kosten verteilten sich auf viele Schultern. Mit der Zeit entwickelte sich daraus das allseits beliebte ‚trick or treat‚ – Streich oder Vergnügen. Natürlich gibt es neben dieser Theorie auch noch viele weitere, wie sich das Kostümieren und von Haus zu Haus ziehen der Kinder erklären ließe. Etwa einen Brauch aus Kanada und dem Osten der USA, zu Weihnachten kostümiert von Haus zu Haus zu ziehen. Wer in seinem Kostüm nicht erkannt wurde, bekam eine Süßigkeit. Doch auch wenn der Ursprung wieder einmal im Dunkeln liegt, so ist es eine Tatsache, dass Halloween und damit auch Trick & Treat ihren Siegeszug zunächst in Amerika begonnen haben und mit jedem Jahr neue Länder erobern. Und so plündert wohl jeder seinen Süßigkeitenvorrat, wenn es klingelt und Kinderstimmen plärren: „Süßes oder Saures!“

Quellen:

Morton, Lisa: Trick or Treat. A History of Halloween. Reaktion Books, London 2013

Rogers, Nicholas: Halloween. From Pagan Ritual to Party Night. Oxford University Press, Oxford 2002.

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