Jahresrückblick 2013: Januar – Furore um katholische Krankenhäuser

Im Januar war der Fall eines Vergewaltigungsopfers bekannt geworden, welchem an zwei katholischen Krankenhäusern in Köln die Behandlung versagt worden war.

Die 25-jährige Frau war nach dem Feiern in der Kölner Innenstadt am nächsten Nachmittag auf einer Parkbank zu sich gekommen. Für den ärztlichen Notdienst, an den die junge Frau sich wandte, war der Fall klar: Sie war mit K.o.-Tropfen betäubt und vergewaltigt worden. Daraufhin wurde die Polizei verständigt und die Ärztin fragte für die gynäkologische Untersuchung und Spurensicherung bei zwei katholischen Krankenhäusern nach.

Beide Krankenhäuser erteilten der Ärztin eine Absage, da sie im Patientengespräch nach einer Vergewaltigung auch auf die ‚Pille danach‘ hinweisen müssten. Dies lehnten sie ab. Üblicherweise wurden solche Fälle so gehandhabt, dass die Patientin vom Arzt im Gespräch auf die Pille danach hingewiesen wurde, aber zum Verschreiben musste sie sich an einen anderen Arzt wenden. Doch im Fall der jungen Frau aus Köln funktionierten die üblichen Mechanismen nicht. Der Grund hierfür war ein – eigentlich als Hilfe für die Ärzte gedachter – Leitfaden „Ethische Stellungnahme zur Notfallkontrazeption bei Patientinnen, die vermutlich Opfer eines Sexualdelikts geworden sind“. Dieses Regelwerk hatte für Verwirrung gesorgt und hat seinen Teil zu den Ereignissen beigetragen. Einerseits spricht es davon, dass eine mögliche Schwangerschaft auch nach einer Vergewaltigung nicht verhütet werden darf, da es sittlich nicht vertretbar sei. Andererseits fordert es auf, einer Patientin alle erforderlichen medizinischen Maßnahmen zukommen zu lassen.

Nach Bekanntwerden der Geschehnisse in der Öffentlichkeit, brach dies eine Diskussion über die Pille danach los, auch in der katholischen Kirche. Der Berufsverband der Frauenärzte stellte klar, dass die in Deutschland als ‚Pille danach‘ erhältlichen Präparate eine Schwangerschaft lediglich verhinderten, eine bereits erfolgte Befruchtung jedoch nicht beeinflussten. Und so entschieden die deutschen Bischöfe auf ihrer Vollversammlung im Frühjahr in Trier, dass der Einsatz der Pille danach in katholischen Krankenhäusern akzeptabel sei, da kein Leben vernichtet werde.

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