Debatte über Evolution und Kreationismus – Bill Nye vs. Ken Ham

In der Diskussion über das Für und Wider die Evolution wurde eine neue Schlacht geschlagen. Die Helden dieses Epos’: einerseits Bill Nye, “the science guy”, der wissenschaftliche Erklärbär Amerikas – nicht ganz unähnlich Ranga Yogeshwars in Deutschland. Andererseits Ken Ham, der Begründer des Creation Museums und leidenschaftlicher Vertreter des Kreationismus.

Der Saal des Creation Museums in Petersburg, Kentucky, war voll und die Show auf der Bühne hat sich nicht nur für die Anwesenden gelohnt, sondern auch für alle, die über den Live-stream den Argumenten lauschten. Die Frage, um die sich der ganze Abend drehte: Ist Kreationismus ein praktikables Modell der Entstehungsgeschichte in der heutigen modernen Wissenschaft?

Ken Ham hat die Debatte eingeleitet mit der Vorstellung seiner Ideen. Er geht davon aus, dass es nicht DIE Wissenschaft gibt, sondern es die messbare, nachprüfbare Wissenschaft auf der einen Seite gibt und auf der anderen Seite finden wir, was Ham natural science oder science of origins nennt. Da sich letztere Form der Wissenschaft als philosophisches Weltverständnis darstellt, ist der Kreationismus das einzige Modell mit dem sich die Herkunft der Erde und des Menschen nachweisbar erklären lasse.

Bill Nye hat bereits in seiner Anfangsrede eine klare Antwort auf die zentrale Frage des Abends gegeben, nämlich: Nein. Er hat dargelegt, dass es diese Unterscheidung der Wissenschaft nicht gibt und dass Hams Modell aus seiner Religion stamme und somit für Anhänger anderer Religionen nicht anwendbar ist.

Während Ken Ham in seiner Stellungnahme zunächst argumentativ stark begann, indem er die Annahme einer immerwährenden Gesetzmäßigkeit hinterfragte und einen Unterschied zwischen der Wahrnehmung der Fakten und deren Interpretation aufmachte, wurden seine Argumente im Verlauf der Debatte verbissener. Betonte er anfangs noch, dass Kreationisten in ihren Forschungsfeldern eben auch Akademiker sind (was in der Berichterstattung, dass muss man zugestehen, oftmals undifferenziert dargestellt wird), wiederholt er später immer wieder die gleichen Argumente oder zieht sich auf eine ausnahmslos religiöse Argumentation zurück, wie dieses Meme sehr treffend zusammenfasst.

Bill Nye hingegen bringt ein Beispiel nach dem anderen vor, dass die Erde älter ist als die von Kreationisten angegebenen 6.000 Jahre: Schneeisschichten an den Polen, die sich 680.000 Jahre zurückverfolgen lassen; Bäume, die bis zu 9.550 Jahre alt sind; den Grand Canyon und seine deutlich sichtbaren Gesteinsschichten, die aber immer nur bestimmte Fossilien in bestimmten Schichten beobachten lassen; die Vielfalt der Arten, die über ein Fassungsvermögen einer Arche weit hinausgehen; die zahlreichen Sterne, die deutlich älter als die Erde sind und noch viele weitere. Er nutzt auch immer wieder die Möglichkeit, um Studenten anzusprechen und für die Naturwissenschaften zu werben und betont den Wettbewerbsvorteil (auch in ökonomischer Hinsicht) der sich durch einen Vorsprung auf wissenschaftlichem Gebiet ergibt.

Der Moderator, Thomas Foreman von CNN, achtete bei beiden Debattanten genau auf die vorgegebenen Zeitrahmen, wobei Bill Nye dies häufiger ausreizte als Ken Ham. Abschließend stellte er ebenfalls Fragen aus dem Publikum und hob sich ein Schmankerl bis zum Ende auf. Die letze Frage: Wenn überhaupt, was könnte Sie dazu bringen, Ihre derzeite Einstellung zu ändern? Die Antworten der beiden fielen deutlich aus und zeigen die Flexibilität der jeweiligen Ansichten. Ken Ham antwortete, dass ihn prinzipiell nichts von seiner Überzeugung abbringen könne. Bill Nye hingegen räumte ein, wenn entsprechende Beweise vorhanden sind, würde er seine Überzeugung anpassen.

Oben befindet sich der Link zum vollständigen Video der Debatte. Ich kann nur empfehlen, sich das mal anzuschauen. Und wenn ihr das getan habt, bin ich neugierig auf eure Meinung: Was haltet ihr von der Debatte?

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