Jalsa Salana: das größte Ahmadiyya-Treffen Deutschlands

Über 30.000 Anhänger der Ahmadiyya Muslim Jamaat sind am vergangenen Samstag aus ganz Deutschland nach Karlsruhe gepilgert um die jährlich dort stattfindende Versammlung, die Jalsa Salana, zu besuchen. Anwesend war nicht nur der Vorsitzende der Ahmadiyya Deutschland, sondern auch das weltweite Oberhaupt der Gemeinschaft, Kalif Mirza Masrur Ahmad. Und religioholic war für euch auch dabei.

Den ersten Hinweis auf eine Großveranstaltung auf dem Messegelände in Karlsruhe liefert mir meine Nase, die schon von Ferne von den würzigen Aromen asiatischen Essens gekitzelt wird. Je näher ich dem Messegelände komme, desto mehr fallen die Menschenmassen auf, die sich über das Gelände bewegen. Die Frage, warum die Versammlung einer religiösen Gemeinschaft in Messehallen stattfindet, erklärt sich somit von selbst: nirgends sonst finden so viele Menschen Platz.

Gastkarte für den Eintritt zur Jalsa Salana

Gastkarte für den Eintritt zur Jalsa Salana

Der Einlass zur Jahresversammlung der Ahmadiyya ist geradezu klischeehaft deutsch durchorganisiert. Zuerst anmelden, dann bekommt man eine Gästekarte, die am Eingang eingescannt wird (so können die Teilnehmerzahlen genau ermittelt werden). Es gibt separate Eingänge für Männer und Frauen, da dort jeder noch eine Taschenkontrolle und einen Metalldetektor durchläuft.

Danach gelange ich in die große Vorhalle und kurz überkommt mich Unsicherheit: Gibt es auch drinnen eine Geschlechtertrennung und ich bin falsch abgebogen? Doch nein, in dem Meer aus Männern tauchen vereinzelt auch Frauenhäupter auf. Puh!

Die größte Familienfeier Deutschlands?

Um mir einen Überblick zu verschaffen, lasse ich mich mit der Masse durch die Gänge treiben und habe das Gefühl auf einer großen Familienfeier zu sein. Überall wird sich begrüßt, umarmt und geküsst. Manche stehen in Grüppchen beisammen und unterhalten sich, mancher versucht im Gedränge die eigenen Kinder im Blick zu behalten und andere bewegen sich zielgerichtet durch die Gänge; vorbei an drei Hallen, deren Zwecke auf den ersten Blick erkennbar sind: eine Halle, die für die Reden, Rezitationen und Gebete reserviert ist, eine für das Gepäck und eine zum Übernachten. An dem der Eingangshalle gegenüberliegenden Ende des Gebäudes ergießt sich eine Menschenmenge auf einen großen Platz, der mit Dutzenden von Zelten übersät ist, um die der schon bekannte Duft würzigen Essens weht. Hier gibt es alles, was der Magen begehrt, von Gewürzen, über Kochzutaten bis zu fertig gebratenen Hähnchenschenkeln und Reisbällchen.

Der Rückweg zu den Messehallen gegen den Menschenstrom gestaltet sich da schon schwieriger, bietet aber ausreichend Möglichkeit, der deutschen Abteilung des Ahmadiyya Fernsehens bei der Arbeit zuzusehen, die von einem kleinen Innenhof Diskussionsrunden überträgt und die Messeveranstaltungen dokumentiert.

Persönliche Betreuung und Harmonie überall

Zurück in der Vorhalle entdecke ich eine kleine Ausstellung zum Islam und den Ursprüngen der Ahmadiyya. Bereits an der ersten Tafel werde ich von einem freundlich lächelnden Mann begrüßt, der mich durch die Ausstellung begleitet und sich all meiner Fragen annimmt  – wobei er den kritischeren mit diplomatischem Geschick ausweicht. Er malt seine Religion in den schönsten Farben, denn wie er sagt, sei es in der Werbung doch das gleiche: Für ein gutes Produkt muss man auch werben.

Der 5. Kalif der Ahmadiyya, Mirza Masrur Ahmad

Der 5. Kalif der Ahmadiyya, Mirza Masrur Ahmad (Quelle: Aab123 via Wikipedia unter Lizenz CC-BY-2.0 veröffentlicht)

Denn das ist ja der Zweck neben dem großen Familientreffen: sich zu präsentieren und für diese friedliebende Spielart des Islams zu werben. Dies wird besonders deutlich während der Rede des obersten Kalifen der Ahmadiyya, an die mich mein Führer pünktlich erinnert, mich zur Halle begleitet und mir ein Übersetzungsgerät besorgt. Bevor jedoch der Kalif Mirza Masrur Ahmad zu Wort kommt, spricht der deutsche Vorsitzende der Ahmadiyya, Abdullah Uwe Wagishauser. Danach gibt es einen kurzen Film über die Ahmadiyya (obiges Video) und Grußworte von Vertretern der CDU, SPD, der Grünen sowie eines Karlsruher Pfarrers und eines Professors der islamischen Theologie aus Tübingen. Keiner von ihnen wird müde, die Ahmadiyya für ihre friedliche Haltung und ihr vorbildhaftes Verhalten zu preisen. Und auch der Kalif selbst, der unter beachtlichem Sicherheitsaufgebot in den Saal geschleust wurde, betont den friedfertigen Aspekt seiner Religion, der sich im Motto der Gemeinschaft widerspiegelt: Liebe für alle, Hass für keinen.

Viel Liebe, wenig Zeit

Soviel Liebe der Kalif vergeben mag, seine Zeit ist offenbar begrenzt, denn nach seiner Rede verlässt er zügig die Halle, begleitet von einer drängelnden Menschenmenge, die ihrem Kalifen so nah kommen wollen, wie es die Sicherheitskräfte zulassen. Die meisten Neugierigen kehren danach in die Messehalle zurück, um der anschließenden Koranrezitation zu lauschen. Als ich das Messegelände verlasse, weht mir zum Abschied noch einmal der unwiderstehliche Essensduft um die Nase.

Wer sich einen bildlichen Eindruck der Jalsa Salana verschaffen möchte, kann hier auf die Bildergalerien, welche die Ahmadiyya Muslim Jamaat online gestellt hat.

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Eine Antwort zu “Jalsa Salana: das größte Ahmadiyya-Treffen Deutschlands

  1. Danke für diesen tollen Beitrag! Sehr interessant, die Meinung von Gästen zu hören, wie sie diese Versammlung empfunden haben.

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