ISIS – die neue Macht im Irak und Syrien?

Laut UN-Angaben wurden allein im Juni mindestens 1.000 Menschen durch ISIS getötet, davon sollen 75% Zivilisten gewesen sein. Hunderttausende sind auf der Flucht und seit dem 09. Juni hat ISIS alle größeren Städte im Norden in seiner Gewalt, darunter auch Mosul, die zweitgrößte Stadt im Irak. Eine der größten Raffinerien des Landes in Baidschi, etwa 200 km entfernt von Bagdad, konnte zwar inzwischen von irakischen Truppen zurückerobert werden, doch die irakische Zentralregierung hat die Kontrolle über ihre nördlichen Gebiete verloren.

Damit spiegelt sich die Zerrissenheit der Bevölkerung nun auch deutlich in der Zersplitterung des Landes: der Norden und Westen wird von den sunnitischen ISIS-Kämpfern besetzt, im Norden wird ebenfalls ein Teil des Landes von Kurden kontrolliert, welche die Gunst der Stunde genutzt haben und von ISIS toleriert werden. Der Süden und Bagdad werden (noch?) von der irakischen Armee gehalten für eine Regierung, deren Politik immer die Schiiten unterstützte. Die ZEIT spekuliert bereits über die neuen Nationalstaaten „Isistan“, „Sunnitistan“ und „Schiitistan“.

Der schiitische Ministerpräsident Nūrī al-Mālikī lehnt es weiterhin ab, durch seinen Rücktritt die Regierungsverhältnisse im Irak neu zu ordnen und setzt auf die Unterstützung der US-Amerikaner, die deren Präsident angekündigt hat. Bis zu 300 US-Militärberater und Soldaten sollen untersuchen, welche Waffen und Strategien ISIS nutzt. Bereits über 100 US-Militärangehörige sind vor Ort, wobei man sich nach dem letzten US-Einsatz im Irak hinsichtlich der aktuellen Lage fragen muss, ob die US-Truppen zu früh abgezogen wurden. Oder aber, ob der Einsatz und die Unterstützung eines schiitischen Regimes den Aufstieg von Gruppierungen wie ISIS, denen ein islamischer Staat ohne „Abweichler“ wie Schiiten oder Alawiten vorschwebt, nicht erst ermöglicht haben.

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2 Antworten zu “ISIS – die neue Macht im Irak und Syrien?

  1. Gereon Vogel-Sedlmayr

    Interessante Informationen.

    Teilweise auch schwer vorstellbar: 8000 Kämpfer sollen im Irak ein so riesiges Gebiet kontrollieren?

    Für den Religionswissenschaftler kurios, dass sich der Name der altägyptischen Isis mit der hierzulande geläufigen Abkürzung „I.S.I.S.“ (warum so häufig ohne Punkte?) doppelt. Als ob wir es mit einer kämpfenden Göttin zu tun hätten. Läd ein zu Wortspielen mit „Isis unveiled“.

  2. Danke.

    Ja, 8.000 Kämpfer kann ich mir selbst auch schwer vorstellen. Aber es war die einzige Zahl, die dazu zu finden war. Mit etwas mehr zeitlichen Abstand zu den Ereignissen wird es dann hoffentlich auch sicherere Angaben geben.

    Na, ich will doch hoffen, dass wir es hier nicht mit einer kämpfenden Göttin zu tun haben. Auch wenn das für uns Religionswissenschaftler äußerst spannend wäre. Für weniger Verwirrung würde sicherlich sorgen, wenn sich ISIL durchgesetzt hätte. (Ohne Punkte, weil es inzwischen bei vielen Abkürzungen für Organisationen sehr geläufig ist, wie mir bei EU, UNESCO und DRK spontan einfällt.)

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