ISIS – die neue Macht im Irak und Syrien?

Die Nachbarn Iraks sind währenddessen damit beschäftigt, ihre Grenzen gegen das Vorrücken von ISIS zu rüsten. Jordanien hat seine Armee in Alarmbereitschaft versetzt und Iran verstärkt seine Grenzen, um ein Übergreifen der Gewalt auf ihre Länder zu verhindern. Dem Iran ist noch in anderer Hinsicht daran gelegen, ISIS’ Vormarsch aufzuahlten, denn ein Wiedererstarken des alten Verbündeten Assad ist im Interesse Irans. Mit der Hilfe der US-Amerikaner hat der Iran zudem einen Irak unter US-Hegemonie zu fürchten.

Gleichzeitig ist auch eine Zusammenarbeit der USA und Iran nicht völlig ausgeschlossen, denn in ISIS gibt es einen gemeinsamen Feind, den es aufzuhalten gilt. Iran kann eine starke und gewalttätige sunnitische Organisation vor der eigenen Haustür kaum gebrauchen, der seinen Einflussbereich Richtung Syrien unterbricht. Die USA wiederum sehen ihren Einfluss in der Region, den sie über ihre irakischen Verbündeten ausüben, gefährdet und wollen zudem einen Vorteil für Assad verhindern.

Denn der syrische Präsident Bashar al-Assad profitiert von der aktuellen Lage. Auch wenn ISIS den Norden von Syrien beherrscht, so haben sie doch die syrische Befreiuungsbewegung untergraben. Nicht nur hat sich ISIS mit Gruppierungen wie der Nusra-Front verstritten, sondern bekämpft sie auch offen. Damit will sie zunächst den kleinen Feind ihrer Ziele ausmerzen, um sich danach dem größeren zuzuwenden. Für den Moment kann es Assad nur recht sein, wenn die syrischen Befreier sich untereinander bekämpfen und die Rebellion von innen zersetzen.

Zudem nimmt ISIS den internationalen Fokus von Syrien und sorgt dafür, dass sich Assad sogar als Retter darstellen kann. Denn in ISIS hat man ja einen gemeinsamen Feind, den es zu bekämpfen gilt, und vielen im Westen – darunter auch dem Journalisten und “Nahost-Experten” Peter Scholl-Latour – erscheint Assad bereits als das kleinere Übel im Vergleich zu dem Terror, den ISIS verbreitet.

Während sich aber die beteiligten Mächte beäugen und über neue oder alte Verbindungen grübeln; die Weltöffentlichkeit und die Nato die Vorgänge mit Sorge beobachten, sterben weiterhin Menschen im Irak durch die Hände von ISIS und werden Videos veröffentlicht, welche die Morde weiterhin dokumentieren.

Ist ISIS jedoch wirklich soviel brutaler als Kämpfer in anderen Kriegen? Geht es in anderen Konflikten etwa friedlicher zu? Wohl kaum. Es ist wohl eher die Präsentation und Zurschaustellung ihrer Gewalttaten, die das schockierende Element im Handeln von ISIS ist und damit die entsetzten Blicke aller auf sich zieht.

UPDATE: Die irakische Armee soll bei der Rückeroberung der von ISIS besetzten Gebiete erste Erfolge verzeichnen. Die ZEIT berichtete, dass eine großangelegte Offensive zur Rückeroberung der Stadt Tikrit durchgeführt werde, die auch erste Erfolge aufweise.

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2 Antworten zu “ISIS – die neue Macht im Irak und Syrien?

  1. Gereon Vogel-Sedlmayr

    Interessante Informationen.

    Teilweise auch schwer vorstellbar: 8000 Kämpfer sollen im Irak ein so riesiges Gebiet kontrollieren?

    Für den Religionswissenschaftler kurios, dass sich der Name der altägyptischen Isis mit der hierzulande geläufigen Abkürzung “I.S.I.S.” (warum so häufig ohne Punkte?) doppelt. Als ob wir es mit einer kämpfenden Göttin zu tun hätten. Läd ein zu Wortspielen mit “Isis unveiled”.

  2. Danke.

    Ja, 8.000 Kämpfer kann ich mir selbst auch schwer vorstellen. Aber es war die einzige Zahl, die dazu zu finden war. Mit etwas mehr zeitlichen Abstand zu den Ereignissen wird es dann hoffentlich auch sicherere Angaben geben.

    Na, ich will doch hoffen, dass wir es hier nicht mit einer kämpfenden Göttin zu tun haben. Auch wenn das für uns Religionswissenschaftler äußerst spannend wäre. Für weniger Verwirrung würde sicherlich sorgen, wenn sich ISIL durchgesetzt hätte. (Ohne Punkte, weil es inzwischen bei vielen Abkürzungen für Organisationen sehr geläufig ist, wie mir bei EU, UNESCO und DRK spontan einfällt.)

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