Wochenrückblick 30:2014

Archäologische Ausgrabungen, im Hintergrund die Moschee mit dem Schrein Jonas

Archäologische Ausgrabungen, im Hintergrund die Moschee mit dem Schrein Jonas (Quelle: Fredarch, via Wikimedia Commons unter CC BY-SA 3.0 Lizenz)

 Entführungen der Boko Haram in Kamerun * Sonderregelung zum Fest des Fastenbrechens in Niedersachsen * Zerstörung des Schrein des Jona in Mossul * TV-Sender für American Atheists * Friedensgebet in Berlin * 70.000 Euro Entschädigung für irischen Evangelikalen * Bauverbot für Kirchen im Sudan

  • Anhänger des im Irak ausgerufenen Islamischen Kalifats haben in Mossul den Schrein des Propheten Jona in die Luft gesprengt. Jona, dessen mutmaßliches Grab sich im Schrein befand, wird sowohl im Judentum, im Christentum als auch im Islam verehrt. Die Moschee, in der sich der Schrein befand, galt als Symbol der Koexistenz insbesondere der islamischen und christlichen Traditionen. Video der Explosion im Bericht von BBC News via YouTube. Welche weiteren religiösen Gebäude zerstört wurden, erfahrt ihr hier.
  • Kämpfer der in Nigeria agierenden Boko Haram haben im Nachbarland Kamerun die Frau des dortigen Vize-Ministerpräsidenten Amadou Ali entführt. Auch die religiöse Persönlichkeit Seini Boukar Lamine wurde im gleichen Ort, Kolofata im Norden Kameruns, entführt. Bereits seit vergangenem Freitag hatte es immer wieder gewaltsame Übergriffe zwischen nigerianischen Boko Haram Kämpfern und kamerunischem Militär gegeben. Kamerun unterstützt den Kampf der nigerianischen Armee gegen die Boko Haram mit über 1.000 Soldaten, die an der gemeinsamen Grenze beider Länder eingesetzt werden.
  • In Niedersachsen gibt es erstmals in Deutschland für dieses Jahr eine Sonderregelung für das muslimische Fest des Fastenbrechens, ʿĪd al-Fitr (Beitrag im Deutschlandfunk, 28.07.2014). Nach entsprechendem Antrag bei der Schule ist es möglich, die Kinder bereits drei Tage vor dem offiziellen Sommerferienbeginn aus der Schule zu nehmen, wenn die Familie z. B. ins Herkunftsland reisen wird, um im großen Kreis der Familie das Fastenbrechen zu feiern. Die Sonderregelung lag nahe, da ʿĪd al-Fitr in diesem Jahr so kurz vor den Sommerferien liegt. Von muslimischer Seite wurde diese Regelung begrüßt, der humanistische Verband äußerte sich kritisch zu der Ausnahme und verwies auf die vielen weiteren religiösen Feiertage für die solche Ausnahmeregelungen denkbar wären.
  • Auf dem Petriplatz in Berlin-Mitte soll das „House of One“ entstehen, ein Bet- und Lehrhaus für die drei großen Religionen Christentum, Islam und Judentum. Bereits vor dem eigentlichen Bau des Gebäudes dient der Platz nun friedlichen Zwecken über religiöse Grenzen hinaus: Die evangelische und katholische Kirche hatten dazu aufgerufen, sich zu einem Friedensgebet auf dem Petriplatz zu versammeln. Etwa 200 Menschen beteten gemeinsam für Frieden zwischen Israelis und Palästinensern.
  • Dem irischen, evangelikalen Christen John McAteer wurde vom County Council (ein gewählter Grafschaftsrat mit 26 Mitgliedern) des irischen County South Tipperary ausgeschlossen aufgrund seiner anhaltenden Werbung für seine Religion, die er auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht einstellte. Das Equality Tribunal, eine quasi-juristische Institution in Irland, die sich mit Diskriminierungsfällen auseinandersetzt, sprach McAteer eine Ausgleichszahlung von 70.000 Euro zu, da er aufgrund seiner Religion diskriminiert wurde. Diese gebot ihm über seine Überzeugungen zu sprechen und für seine Religion zu werben. Seine Supendierung habe daher gegen McAteers Religionsfreiheit verstoßen.
  • Die sudanesische Regierung ist in ihrer Diskriminierung der Christen im eigenen Land einen Schritt weitergegangen. Nun müssen sudanesische Christen nicht nur damit rechnen, jederzeit befragt, verhaftet oder ausgeschlossen zu werden. Seit vergangener Woche dürfen im Sudan keine christlichen Kirchen mehr erbaut werden. Zwar ist ein Großteil der Christen nach der Gründung des Süd-Sudans dorthin ausgewandert, doch ein Teil blieb im Sudan und die Zahlen neuer Anhänger nehmen zu. Trotzdem argumentiert der mit Religionsangelegenheiten betraute Minister, Shalil Abdullah, dass die vorhandenen Kirchen ausreichten und Neubauten nicht notwendig wären.

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