Der Tempel des Salomos: Reichtum und Macht einer brasilianischen Pfingstbewegung

Modell des Salomonischen Tempels in Jerusalem

Modell des Salomonischen Tempels in Jerusalem (Quelle: Peter Weis via Wikimedia Commons unter CC-0.1 Lizenz)

Die Fassade ist dem Salomonischen Tempel in Jerusalem nachempfunden, welcher von den Babyloniern zerstört wurde. Doch der „Tempel Salomos“ wie er nun von der Igreja Universal do Reino de Deus (IURD) in São Paulo eröffnet wurde, übertrifft sein Vorbild mit ungeahnten Ausmaßen: auf 70.000 m2 – das sind umgerechnet ungefähr 6,5 Fußballfelder – präsentiert sich die 1977 gegründete Pfingstbewegung mit all ihrem Reichtum.

Und an Reichtum mangelt es der „Universalkirche vom Reich Gottes“ nun wahrlich nicht. Die IURD ähnelt einem multinationalen Unternehmen, denn neben 76 Radio- und 20 TV-Stationen sowie zahlreichen Senderbeteiligungen, gehören zur Kirche auch Verlage, Tourismusbüros; produziert Musik und ihre Beziehungen reichen bis in die brasilianische Politik – die Republikanische Partei PRB wurde von einem Mitglied der Igreja begründet.

Die IURD steht offen zu ihrem Reichtum. Einer der Gründer der Bewegung und heutige Bischof, der 69-jährige Edir Macedo bezeichnete Geld als ebenso wichtig für die Kirche wie es das Blut für den Körper ist. In den Lehren der IURD trifft man auf die Überzeugung, dass materieller Reichtum in direktem Zusammenhang mit der Liebe Gottes stehe. Was auch verdeutlicht, warum die Mitglieder gern ihren Anteil das Zehnten an die Kirche abführen und daneben auch sehr spendenfreudig sind. Mit Einnahmen, die sich dank der knapp 2 Millionen Anhänger in Brasilien und weiteren 4 Millionen weltweit, auf 1,4 Milliarden Dollar im Jahr belaufen, verwundert es nicht, dass beim neuen Tempel keine Kosten gescheut wurden.

Doch nicht immer war die Igreja Universal do Reino de Deus wohlhabend. Zu ihrer Gründung 1977 waren die Initiatoren, der ehemalige Lotterieangestellte Edir Macedo und sein Schwager Romildo Ribeiro Soares, selbst arm. Und bis in die 90er Jahre fühlten sich auch meist nur arme Menschen vom charismatischen Macedo angesprochen. Denn bevor Macedo das Wohlstandsevangelium verkündete, war IURD anderen evangelikalen Kirchen und Pfingstbewegungen sehr ähnlich: der Glaube an den Heiligen Geist, Taufe und Abendmahl sowie Wundermittel und -heilungen sind weit verbreitet. Die meisten Pfingstkirchen sprechen sich auch gegen Homosexualität, Sex vor der Ehe, Alkohol und Drogen aus. Da bildet IURD keine Ausnahme. Jedoch gibt es keine strengen Kleidungsvorschriften, Frauen ist es erlaubt, Make-up zu tragen und – eine Seltenheit – Empfängnisverhütung und Schwangerschaftsabbruch sind nicht geächtet.

Vermittelt werden diese Lehren in mitreißenden Gottesdiensten, die mehrmals am Tag stattfinden können und mit Musik, Tanz, Gesang untermalt, aber auch mit Exorzismen und Wunderheilungen gewürzt werden. Exorzismen sind notwendig, weil Menschen immer wieder von Teufeln oder Dämonen besessen sein können. Eine Besessenheit kann sich in Form von persönlichen, Alkohol- oder Drogenproblemen bemerkbar machen, kann sich aber auch in fehlendem finanziellen Erfolg niederschlagen, wenn sich trotz harter Arbeit und fleißigem Spenden der Geldsegen nicht einstellen will.

In den letzten Jahren geriet die Igreja Universal do Reino de Deus wiederholt in Kritik in Bezug auf ihr Finanzgebaren. 2009 sah sich die Kirche in Brasilien Vorwürfen von Geldwäsche gegenüber, die zwar 2010 fallengelassen, 2011 jedoch wieder aufgenommen wurden. In Uruguay wurde 2013 eine Untersuchung angestoßen, die sich mit den Finanzen der evangelikalen Bewegungen IURD und Dios es Amor beschäftigt.

In Deutschland ist die IURD als Hilfszentrum UKRG e.V. aktiv, hat seinen Hauptsitz in Berlin, betreibt jedoch in vielen Großstädten – z.B. München, Stuttgart und Köln – Nebensitze.

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