Wochenrückblick 32:2014

Katastrophale Lage der Jesiden im Irak * Muslimische Ministerin tritt zurück * italienischer Imam entlassen * US-Botschafter für Religionsfreiheit ernannt * Anerkennung der Baha’i in Indonesien? * Jüdisches Film Festival in London * Hijab-Bann in Nigeria? * Anit-Gay-Gesetz in Uganda gekippt * Kein Muslim als Schützenkönig!

Lage des Sinjar Höhenzugs im Irak
Lage des Sinjar Höhenzugs im Irak, auf dem Tausende Jesiden von der Außenwelt abgeschnitten sind (Quelle: NordNordWest via Wikimedia Commons, veröffentlicht unter CC-BY-SA 3.0 Lizenz)

  • Im Irak haben die Kämpfer des Islamischen Staat (IS) durch die Eroberung christlicher Städte Hunderttausende Christen zur Flucht gezwungen. Besonders betroffen ist die Gemeinschaft der Jesiden, eine religiöse Minderheit innerhalb der Kurden, die zu Tausenden Zuflucht suchen im Gebirge von Sinjar. Dort harren sie aus, 50.000 Menschen (nach UN-Schätzungen) eingekesselt von IS-Milizen, bei 40°C am Tag abgeschnitten von Wasser und Nahrung. Nach Angaben der UN sollen bereits 56 Kinder verdurstet sein. Erst seit vergangenem Freitag werfen US-Transporthubschrauber Lebensmittel und Wasserkanister über den Bergen ab, britische Beteiligte lieferten Zelte und Solarlampen.

 

  • Die erste muslimische Ministerin Großbritanniens, Baronin Sayeeda Warsi, ist von ihrem Amt als senior Foreign Office minister for faith and communities zurückgetreten. In ihrer Rücktrittserklärung schreibt sie, dass sie aufgrund der Haltung Großbritanniens in der Gaza-Krise die britische Regierung nicht länger in diesem Kurs unterstützen könne. In den letzten Wochen wurde Premierminister David Cameron und seiner Regierung wiederholt von Opposition und Menschenrechtsorganisationen vorgeworfen, dass sie sich nicht zweifelsfrei gegen das Vorgehen Israels ausgesprochen haben.
  • Der italienische Innenminister Angelino Alfano hat den für die Region Veneto zuständigen Imam, Raoudi Aldelbar, wegen antisemitischer Aussagen aus seinem Amt entlassen. Während des Freitagsgebetes in der vergangenen Woche hatte der Imam explizit zum Töten von Juden „einer nach dem anderen“ aufgerufen. Die Ansprache wurde auf Video aufgezeichnet und verbreitete sich im Internet.  Auch wenn sich muslimische Organisationen bereits explizit von den Aussagen Aldelbars distanzierten, rufen rechte Politiker schon nach strengeren Kontrollen in Moscheen, da sie eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit seien.
  • Nach neun Monaten Vakanz wurde die Position des US-Botschafters für Religionsfreiheit wieder besetzt. Präsident Barack Obama berief erstmals einen  Nicht-Christen in dieses Amt. Die Ernennung des 67-jährigen David Saperstein wird einerseits begrüßt, weil er der erste Jude in diesem Amt ist. Andererseits ist auch seine positive Haltung gegenüber Israel und dessen Politik bekannt. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Haltung in seiner Arbeit, die er im Herbst aufnehmen wird, widerspiegelt.
  • Der im Juni frisch ernannte Minister für religiöse Angelegenheiten in Indonesien, Lukman Saifuddin, hat die Baha’i als Religion bezeichnet und damit den Weg zu einer offiziellen Anerkennung dieser Gemeinschaft in Indonesien eröffnet. Saifuddin reagierte damit auch auf eine Anfrage des Innenministeriums, das eine Abklärung des Status der Baha’i gewünscht hatte. Bisher sind in Indonesien sechs Religionen staatlich anerkannt: Islam, Buddhismus, Katholizismus, Protestantismus, Konfuzianismus und Hinduismus.
  • Das UK Jewish Film Festival (UKJFF) gibt es in London schon seit 18 Jahren und acht davon war das Tricycle Theatre fester Bestandteil der Spielorte. In diesem Jahr hat der Vorstand des Theaters seine Teilnahme unter den Bedingungen der vergangenen Jahre jedoch verweigert, da das Film Festival von der israelischen Botschaft gesponsert wird. Im Hinblick auf den Konflikt in Israel und Gaza sei es dem Theater nicht möglich, finanzielle Zuwendungen einer staatlichen Stelle zu akzeptieren und bot dem UKJFF alternative Finanzunterstützung an. Die Organisatoren des Festivals lehnten es jedoch ab auf die Förderung der israelischen Botschaft zu verzichten.
  • Aus Sicherheitsgründen haben Intellektuelle und Kirchenvertreter in Nigeria eine zeitweilige Verbannung des muslimischen Hijabs vorgeschlagen. Hintergrund sind die Selbstmordanschläge der vergangenen Wochen, bei denen Frauen die zu detonierenden Bomben unter ihrem weiten Schleier, der auch die Oberkörper der Frauen bedeckte, versteckt hatten. Zwei Mädchen im Alter von 10 und 18 konnten festgenommen werden bevor die Bomben gezündet wurden, eine weiter Frau riss in Kano, einer Stadt im Norden Nigerias, vier Menschen mit sich in den Tod und verletzte 70 weitere. Von muslimischer Seite trifft der Vorschlag eines Hijab-Bannes auf wenig Befürworter: Es sorge nicht für mehr Sicherheit und beschränke die Rechte der Frauen, die sich mit einem Schleier bedecken möchten.
  • Das im Februar in Uganda verabschiedete Anti-Homosexualität-Gesetz wurde Anfang August aufgrund einer Formalität vom „Court of Public Opinion“ gekippt. Die Richter stellten fest, dass das Parlament zum Zeitpunkt der Verabschiedung nicht beschlussfäig war. Der Anglikanische Erzbischof Stanley Ntagali forderte ein erneutes Verabschieden des Gesetzes, welches Homosexualität mit lebenslangem Freiheitsentzug bestraft.
  • Die St. Georg-Schützenbruderschaft hat bei seinem übergeordneten katholischen Dachverband, dem Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) für deutliche Verstimmung gesorgt. Der Schützenverein aus dem nordrhein-westfälischen Werl-Sönnern hatte stolz seinen neuen Schützenkönig verkündet: der 33-jährige Mithat Gedik. Problem an der Sache: Gedik ist Muslim. Laut Satzung des Vereins dürfen keine Nicht-Christen aufgenommen, geschweige denn zum Schützenkönig gekrönt werden. Nach dem Einschalten des Integrationsministers Guntram Schneider und des Zentralrats der Muslime in Deutschland, hat sich der BHDS dem Druck gebeugt und Gedik als Schützenkönig anerkannt, ihm jedoch verboten an Wettkämpfen, für die er sich aufgrund seiner „Königswürde“ qualifiziert hat, teilzunehmen.

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.