Ist 2014 das Jahr des Bibel-Films?

Der Religion News Service spricht vom “Jahr der Bibel”, US News von einer “Flut religionsbezogener Filme” und die Washington Times vom “Jahr der Glaubensfilme”. Ist also in Hollywood das Religionsfieber ausgebrochen? Und wenn ja, warum?

Es ist schon erstaunlich, wie lang die Liste der in diesem Jahr anlaufenden Filme ist, die ein religiöses – oder genauer: biblisches – Thema behandeln. Da gab es im Februar Son of God (lief nicht in deutschen Kinos) beruhend auf der erfolgreichen US-Miniserie The Bible, im März folgte bereits Noah und im Dezember laufen Exodus und Mary, Mother of Christ in den US-amerikanischen Kinos an. Darüber hinaus befinden sich noch zahlreiche Filme in dieser Richtung in Planung: ein Film über Pontius Pilatus, Gods and Kings (der ebenso wie Exodus die Moses-Geschichte behandelt), Resurrection (welcher die Geschichte nach Jesus’ Auferstehung weiterführt) und Redemption of Cain, die sich der Geschichte von Kain und Abel annimmt.

Dazu kommen Filme wie Heaven is for real, God is not dead und The good lie, die zwar kein biblisches Thema behandeln, aber mit christlichen Stoffen arbeiten. Allen gemein ist auch, dass sie von namhaften Firmen wie Regency Enterprises, 20th Century Fox und Lionsgate Films produziert werden. Und darin liegt wohl auch der Grund, warum ein “Bibeljahr” ausgerufen wird, denn seit langem interessieren sich die großen Namen Hollywoods mal wieder für den Bibelstoff.

Den meisten sind die Monumentalfilme der 50er Jahre vermutlich ein Begriff, unter ihnen auch Die zehn Gebote mit Charleton Heston in der Rolle des Moses, der auch heute noch als einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten gilt. Solche Erfolge konnten jedoch selten wiederholt werden. Martin Scorseses Film Die letzte Versuchung Christi (1988) zum Beispiel entpuppte sich als Flop. Den nächsten Meilenstein setzte Mel Gibson mit seiner Verfilmung der Passion Christi, für die er zwar auch viel Kritik erntete, aber an den Kinokassen ein voller Erfolg war. Doch soll es in den Zeiträumen dazwischen keine bibelbezogenen Filme gegeben haben? Aber natürlich gab es sie. Kaum ein Jahr vergeht ohne dass ein Film mit christlichem oder biblischem Inhalt anläuft. Doch meistens werden diese von Unabhängigen produziert und können selten Stars und Sternchen aufbieten.

Hollywoods Interesse holt den Bibelstoff heraus aus seinem Nischendasein und passt sie dem Mainstream an. Warum? Zum einen hat Hollywood immer gern auf Bewährtes zurückgegriffen, denn schließlich waren Die zehn Gebote von 1956 auch ein Remake des Filmes von 1923. Zum anderen kann man nur begrenzt zweite und dritte Teile liefern oder am laufenden Band Comics verfilmen, wenn man sein Publikum nicht irgendwann langweilen will. Die Bibel bietet ein mannigfaltiges Angebot an Geschichten, die dramatisch, spannend, aber auch romantisch und fantastisch sein können. Folglich viel Platz für Regisseure und Schauspieler um sich Auszutoben. Zudem schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: nicht nur Christen fühlen sich von diesem Stoff angesprochen, die Effekte und hochkarätigen Schauspieler locken auch Nicht-Gläubige in die Kinosäle.

Man muss sich also keine Sorgen machen: kein Religionsfieber, dafür massentaugliche Blockbuster mit aufmerksamkeitsheischenden Effekten und gut bezahlten Schauspielern für klingelnde Kinokassen. In Hollywood bleibt also alles beim Alten.

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