Jesiden – als Teufelsanbeter beschimpft und vom IS verfolgt

Taus-i Melek wird von den Jesiden besonders verehrt.

Taus-i Melek wird von den Jesiden besonders verehrt. Die Religionsgemeinschaft der Jesiden – für die meisten eher unbekannt – hat in den vergangenene Monaten wieder die Bühne des Weltgeschehens betreten. Kaum jemand, der nicht mit den eingeschlossenen Jesiden im irakischen Sindschar-Geibrge sympathisierte. Doch geht das Wissen oftmals nicht darüber hinaus, dass die Jesiden eine religiöse Minderheit sind, die vom Islamischen Staat verfolgt wird und mitunter als Teufelsanbeter beschimpft werden. Woran Jesiden glauben und wieviele Jesiden es wo gibt und was das alles mit Teufelsanbeten zu tun haben soll, erfahrt ihr hier.

Wurzeln im Nahen Osten…

Die Ursprünge des Jesidentums, oder auch des Jesidismus, reichen bis in die Antike zurück und da die jesidischen Traditionen mündlich überliefert werden, gibt es auch keine schriftlichen Zeugnisse, die eine genauere zeitliche Einordnung ermöglichen würden.

Aufgrund des Alters der Gemeinschaft gibt es auch keinen klaren Ursprung des Wortes Jeside oder Yedize oder – wie sie sich selbst bezeichnen – Ezidi. Zur Wortherkunft gibt es verschiedene Theorien.

  • Im Beitrag eines jesidischen Gläubigen auf dem Blog eines lieben Kollegen (Natur des Glaubens, unbedingt mal anschauen!) lässt sich das wort Ezda auf die Bedeutung „Der mich erschaffen hat“ zurückführen oder vom Wort Xweda auf „Der sich selbst erschaffen hat“
  • Im Persischen und Kurdischen bedeuten die Formen Yazad, Yazd, Yazdau „Gott“ und die Verbwurzel yaz bedeutet „verehren“.
  • Ein Zusammenhang ließe sich auch mit der Stadt Yazd im Iran herstellen.

…und weltweite Verzweigungen

Denn im Nahen Osten lag und liegt das Hauptverbreitungsgebiet im „Dreiländereck“ zwischen der Türkei, Syrien und dem Irak. In der irakischen Provinz Sindschar stellen die Jesiden 60% der Bevölkerung (Stand 2010), es handelt sich also um ca. 518.000 Menschen. Daneben gibt es in der Türkei (laut Volkszählung) 423, in Syrien schätzungsweise 15.000 Jesiden (die Zahlen sind recht alt und aufgrund der aktuellen politischen Lage können sich diese durch Fluchtbewegungen natürlich erheblich verändert haben). Eine der größten jesidischen Gemenschaften außerhalb des nahen Ostens findet sich jedoch in Deutschland. Hier leben 25.000 Jesiden, besonders in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Kurden und Jesiden

Die Jesiden sehen sich oft als älteste Religion des Nahen Ostens und einzige Nachkommen Adams. Ihre Religion könnte nach ihrer Überzeugung tatsächlich bereits 5.000 Jahre alt sein. In seiner Geschichte erwies sich das Jesidentum als sehr anpassungsfähig und hat u. a. islamische Symbole und Konzepte aufgenommen, besonders durch den Einfluss Scheich Adis im 12. Jahrhundert. Heute ist dies noch daran sichtbar, dass viele Jesiden kein Schweinefleisch essen. Bis zum 15. Jahrhundert verbreitete sich das Jesidentum unter der kurdischen Bevölkerung, doch sind heutzutage lediglich etwa 2% der Kurden Jesiden. Die muslimischen Autoritäten schlossen den Jesidismus im 15. Jahrhundert offiziell als muslimische Lehre aus und – wohl auch als Polemik gegen religiöse Konkurrenz – bezeichneten sie mitunter als Teufelsanbeter.

Warum Teufelsanbeter?

Der Grund hierfür liegt darin, dass es im Gegensatz zu Islam oder Christentum den Dualismus zwischen Gut und Böse im Jesidentum nicht gibt. Besonders deutlich wird dies in der Person des „Teufels“. Nach muslimischer Tradition trägt er den namen Iblis (oder Azazil) und weigerte sich, der Aufforderung Allahs nachzukommen, vor Adam niederzuknien. Als Strafe für seinen Hochmut wurde er verbannt. In der jesidischen Interpretation dieser Begebenheit zeigt der Engel, der bei den Jesiden, Taus-i melek heißt, die unbedingte Unterwerfung unter Gott, da er sich nur ihm unterwirft und niemand anderen mit dieser Geste ehren will.

Der Engel Pfau

Taus-i Melek (auch Tawusi melek oder Melek Taus) ist neben dem vergebenden und barmherzigen Gott eine der wichtigsten Figuren des Jesidentums. Der Name bedeutet übersetzt Engel Pfau und er ist einer von sieben Engeln. Diese Engel sind heilige Wesen, die Gott unterstützen. Dabei ist Taus-i Melek für die weltlichen Angelegenheiten und die Menschen zuständig. Die Gläubigen beten durch ihn – meist dargestellt durch einen Pfau – zu Gott.

Auch aus jesidischer Sicht gibt es eine Erklärung für die muslimische Bezeichnung „Abadat al-Sheitan“ (Teufelsanbeter). Demnach will sich Muhammad an einem Gespräch zwischen Gott und den Engeln beteiligen und wird von Taus-i Melek darauf hingewiesen, dass er als Sterblicher gar nicht daran teilnehmen sollte. Darauf reagiert Muhammad ungehalten und wird von Taus-i Melek auf die Erde geworfen und Muhammad bezeichnet den Engel daraufhin als Sheitan (Satan, Teufel).

Kastensystem und Konversion

Alle 1.000 Jahre kommt einer der sieben Engel auf die Erde und enthüllt heilige Texte und Regeln. Während dieser Zeit kann er auch menschliche Nachkommen zeugen. Ihnen kommt in der religiösen Hierarchie besondere Bedeutung zu, denn sie gehören der höchsten Kaste an, den Scheichs. Gemeinsam mit den Pirs stellen sie die klerikale Elite. Daneben gibt es noch die Murid, die Laien. Unter Jesiden ist es üblich, nur innerhalb der eigenenen Kaste zu heiraten, wobei auch weitere Unterkasten zu beachten sind. In seine Kaste wird man hineingeboren und ebenso verhält es sich mit der Zugehörigkeit zu den Jesiden. Man wird als Jeside geboren, eine Konversion ist nicht möglich.

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2 Antworten zu “Jesiden – als Teufelsanbeter beschimpft und vom IS verfolgt

  1. Gereon Vogel-Sedlmayr

    Eine Konversion ist nicht möglich? Da habe ich aber etwas anderes gehört.

    • Wirklich? In der Literatur findet man ja nur, dass dies nicht möglich ist und auch der Bericht des Jesiden auf dem Blog von Michael Blume stellt dies so dar, dass eine Konversion nicht möglich ist. Das ist ja äußerst spannend! Hast du da nähere Infos zu?

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