Wochenrückblick 50:2014

Kein Alkoholverbot für Muslime? * Kein Treffen zwischen Papst und Dalai Lama * Demonstrationen gegen indische Verfassung * Proteste im indischen Parlament nach Massenkonversion * Gewalttaten der Shabab-Milizen zunehmend anti-christlich *  Tod palästinensischen Ministers: Unfall oder Mord? * Angriff auf Student in Synagoge * Todesurteile gegen uigurische Extremisten in China

  • Der Imam einer Moschee in Sydney, Mostafa Rashed, muss sich mit der Kritik seiner Imamskollegen auseinandersetzen, weil er argumentierte, dass der Genuss von Alkohol im Islam erlaubt sein sollte. In einem Fernsehbeitrag für den Sender Al-Tahrir hat Rashed dargelegt, dass der Koran Trunkenheit verurteile. Dies bedeute jedoch nicht, dass ein geringer Konsum von Alkohol für Muslime inakzeptabel sei. Rashed vertritt damit die liberale Auslegung einer Mehrheit der australischen Muslime – im Gegensatz zu seinen Kritikern, allen voran Keysar Trad. Der Gründer der Islamic Friendship Association of Australia sagte, dass das Alkoholverbot bereits seit 1400 Jahren bestehe und nur gebrochen werden dürfe, wenn es um Leben und Tod ginge. Trad kündigte an, Rasheds Hintergrund überprüfen zu wollen.
  • Die Dialogbereitschaft von Papst Franziskus hat doch ihre Grenzen. Die Möglichkeit eines Treffens mit dem Oberhaupt der buddhistischen Gelugpa-Schule Tibets, dem Dalai Lama, welcher derzeit Rom besucht, sagte das Oberhaupt der Katholiken überraschend ab. Als Grund gab der Sprecher des Vatikan, die heikle Situation mit China an. Auch wenn Papst Franziskus den Dalai Lama sehr schätze, könne er ihn aus offensichtlichen Gründen nicht treffen. Diese offensichtlichen Gründe sind rund 30 Millionen Christen in China, um die sich der Papst sorgt und deren Situation er nicht durch eine Tibet freundliche Politik gefährden will.
  • Anlässlich des internationalen Tages der Menschenrechte am 10. Dezember haben in Indien Anhänger des Sikhismus gegen Artikel 25 (b) der indischen Verfassung demonstriert. Denn die zu diesem Artikel gehörenden Erklärung II fasst Sikhs, Jains und Buddhisten mit unter den Begriff ‚Hindus‘. Eine Anerkennung als eigenständige Religionsgemeinschaft außerhalb der Kategorie ‚Hindu‘ ist daher bislang nicht möglich.
  • Im indischen Parlament sorgt außerdem eine angebliche Massenkonversion für Proteste: Im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh sollen 200 Muslime zum Hinduismus konvertiert sein. Die parlamentarische Opposition fordert die Aufnahme des Schutzes von Minderheiten in die indische Verfassung, da die Muslime nach eigener Aussage ausgetrickst wurden und sich aus Angst vor Gewalt nach der Zwangskonversion nicht äußerten.
  • Auf einer Pressekonferenz in der kenianischen Hauptstadt Nairobi äußerten sich führende Christen des Landes besorgt über den zunehmenden anti-christlichen Tenor, den die Gewalttaten der Shabab-Milizen annehmen. In den vergangenen drei Wochen wurden insgesamt 64 Christen in der Stadt Mandera oder deren Umgebung exekutiert. 36 Arbeiter in einem Steinbruch wurden ermordert, weil sie sich als Christen weigerten das islamische Glaubensbekenntnis zu rezitieren, 28 Mitfahrer in einem Bus (21 davon waren Lehrer) wurden getötet, nachdem Muslime von Nicht-Muslimen getrennt worden waren.
  • Am vergangenen Mittwoch (10.12.) starb der palästinensiche Minister Siad Abu Ain während eines Protestmarsches gegen israelische Landenteignungen. In einem Dorf nördlich von Ramallah sollten Olivenbäume gepflanzt werden, dabei war es zu einem Gerangel mit israelischen Soldaten gekommen und Abu Ain sei zusammengebrochen. Er starb wenig später im Krankenhaus. Über die genauen Todesumstände gibt es derzeit mehrere Szenarien: Augenzeugenberichten zufolge sei Abu Ain von den Soldaten gestoßen und geschlagen worden, aber soll auch an Bluthochdruck und Diabetes gelitten haben. Die Klinikleitung bestätigte nach unterschiedlichen Quellen einen Herzinfarkt infolge eines Erstickungsanfalls, aber auch heftige Schläge auf die Brust als Todesursache. Zu den Folgen des Todes von Siad Abu Ain für den Nahostkonflikt: Interview mit Margret Johannsen vom IFSH.
  • In einer New Yorker Synagoge wurde ein Rabbinatsstudent von einem noch Unbekannten niedergestochen. Der Angreifer hatte laut Zeugenaussagen mehrfach „Tötet die Juden“ gerufen bevor er den 22-Jährigen attackiert hatte. Einer der Zeugen rief einen Streifenpolizisten herbei, der nach mehrmaliger Aufforderung den Angreifer erschoss. Sowohl Angreifer als auch dessen Opfer wurden ins Krankenhaus eingeliefert, wo der Tod des Ersteren festgestellt wurde. Der Zustand des Studenten ist stabil.

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