Wochenrückblick 02/03:2015

Frau mit Albinismus in Benin. (Quelle: Ferdinand Reus via Wikimedia Commons unter CC-BY-SA 2.0 Lizenz)

Frau mit Albinismus in Benin.

Verbot von „Hexendoktoren“ in Tansania * „no-go zones“ für Nicht-Muslime in Europa * Papst Franziskus: Grenzen der Meinungsfreiheit * Pegida-Demonstration wegen Morddrohung abgesagt * Asylbewerber in Dresden tot aufgefunden * Reaktion auf neueste Ausgabe von Charlie Hebdo

  • In den letzten drei Jahren wurden in Tansania mehr als 70 Menschen mit Albinismus getötet, um aus ihren Körperteilen Tränke herzustellen, denen magische Wirkung zugeschrieben wird. Albinos werden in vielen Teilen Afrikas als Inhaber magischer Kräfte betrachtet, aber aufgrund ihrer auffallend hellen Hautfarbe oftmals aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Um Tansanier mit Albinismus besser vor Übergriffen zu schützen, versucht die Polizei alle Betroffenen zu registrieren, Kinder mit Albinismus werden unter Schutz zur Schule begleitet, da sie besonders leicht zum Ziel von „Hexendoktoren“ werden. Die Regierung Tansanias hat nun ein Verbot solcher „Hexendoktoren“ erlassen, um der Jagd auf Albinos ein Ende zu bereiten. Damit besteht jedoch möglicherweise auch die Gefahr, dass der Zugang zu traditionellen Heilern und Kräuterkundlern eingeschränkt wird, da es natürlich keine genaue Abgrenzung zwischen ihnen gibt.

 

  • Der Gouverneur des US-amerikanischen Bundesstaates Louisiana Bobby Jindal hat in Vorbereitung einer Rede in London am 19. Januar einen Entwurf verbreitet, der von „no-go zones“ in Europa spricht, also Regionen in die sich Nicht-Muslime nicht mehr wagen würden und wo die entsprechenden Staaten keine Macht mehr ausüben würden. Der Journalist Steven Emerson trieb diese Behauptungen auf die Spitze als er bei Fox News sagte, dass ganze Städte davon betroffen wären. So sei Birmingham in Großbritannien eine Stadt, die man als Nicht-Muslim einfach nicht betrete. Der britische Premierminister David Cameron antwortete, er habe sich an seinem Porridge verschluckt als er dies hörte und dachte, es müsse ein Aprilscherz sein. Emerson entschuldigte sich inzwischen.

 

 

  • Alle Kundgebungen in Dresden sind für heute (19.01.) aus Sicherheitsgründen abgesagt worden. Darunter fällt sowohl die Demonstration der Pegida (die inzwischen ein eingetragener Verein ist) als auch die angekündigte Gegendemonstration. Auch die Sicherheitsvorkehrungen des Auftritts der Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel bei Günther Jauch wurden entsprechend angepasst.

 

  • Am vergangenen Dienstag (13.01.) wurde in Dresden ein Asylbewerber aus Eritrea erstochen aufgefunden. Auch wenn die Untersuchungen der Umstände des Todes des 20-Jährigen noch nicht abgeschlossen sind, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Tat rassistisch motiviert gewesen ist. In Dresden selbst, aber auch in Mannheim und Lübeck gingen als Reaktion auf diese Tat Tausende Menschen auf die Straße, um für Toleranz und Vielfalt zu demonstrieren.

 

  • Nach der Attacke auf Charlie Hebdo in Paris hat die Redaktion letzten Mittwoch (14.01.) erstmals wieder eine Ausgabe veröffentlicht, die auf sehr unterschiedliches Echo stieß. Während in vielen europäischen Ländern die Ausgabe innerhalb weniger Stunden vergriffen war, kam es z. B. in Tschetschenien zu Demonstrationen gegen die Muhammad-Karikaturen mit ca. 100.000 Teilnehmern (Quelle: DLF). In der Türkei wurde die Sperrung von Internetseiten verhängt, welche das Titelbild veröffentlichten. Die Staatsanwaltschaft hat daher Ermittlungen gegen die Zeitung Cumhuriyet aufgenommen, welche das Titelblatt der französischen Zeitung im Kleinformat abgedruckt hatte. Im Niger kam es als Reaktion auf Muhammad-Karikaturen zu Protesten, die in Gewaltexzessen endeten. Zwei Tage demonstrierten Muslime gegen die Karikaturen in der Zeitung Charlie Hebdo. In deren Verlauf wurden mindestens sieben Kirchen angezündet und zehn Menschen starben. Auch in Jordanien, Pakistan und Mali war es zu teilweise gewalttätigen Protesten gekommen. Die nigerianische Organisation Boko Haram lobt sogar den Anschlag auf Charlie Hebdo und brachte ihre Unterstützung der Täter zum Ausdruck

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