Islamfeindlichkeit Serie Teil 1 – Begriffsvielfalt

Offen rassistische Positionen werden in Deutschland in angesehenen Verlagen nicht nur gedruckt und von Medien bereitwillig verbreitet, sie stoßen auf eine aufnahmebereite Stimmungslage im Land.“ Bereits 2010 schrieb der Soziologe Achim Bühl dies über den zunehmenden Rassismus gegenüber dem Islam und Muslimen, der in jenem Jahr in der Veröffentlichung von Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ einen traurigen Höhepunkt fand.

Seitdem haben sich islamfeindliche Positionen weiter verbreitet. Der Islamhass wird im Gewande einer vorgeschobenen „Islamkritik“ salonfähig. Doch als was bezeichnet man diese Positionen am besten? Islamophobie? Oder lieber Islamfeindlichkeit? Antimuslimischer Rassismus? Antiislamischer Rassismus? Oder gar Antimohammedanismus?

Antimohammedanismus

Diesen Begriff halte ich für ungeeignet, da es die veraltete Bezeichnung für Muslime beinhaltet. Heutzutage liest man die Bezeichnung Mohammedaner nur noch selten – was gut ist, weil im Islam der Prophet Muhammad zwar eine wichtige Rolle einnimmt, aber von den Gläubigen nicht angebetet wird. Von diesem unglücklichen Terminus weitere abzuleiten, ist geradezu fahrlässig.

Antiislamischer/antimuslimischer Rassismus

Bereits in der Europäischen Menschenrechtskonvention von 1950 wird der Rassismusbegriff erweitert: vom rein biologischen Begriff der Rasse rückt man ab und ordnet dem Rassismusbegriff (im Kontext der Diskriminierung) zusätzliche Merkmale zu, u.a. auch Religion.  Mit antimuslimisch oder antiislamisch lässt sich eine Eingrenzung vornehmen, ob es sich um Rassismus gegen Muslime oder im Allgemeinen gegen den Islam handelt.

Islamophobie

Derzeit ist dies wohl der beliebteste Begriff in den Medien. Im Englischen wird Islamophobia schon seit den 80er-Jahren gebraucht, das französische Islamophobie wohl schon seit den 1920er-Jahren. Allerdings vermittelt der Begriff der Phobie (aus dem griechischen Angst, Furcht) den Eindruck, es handele sich um eine zu behandelnde Krankheit, als wäre der Täter ein therapiebedürftiges Opfer, anstatt eine bewussten Handlung auszuführen.

Islamfeindlichkeit

Dieser Terminus scheint mir am passendsten, da er weder eine Krankheit andeutet, noch ungenau oder veraltet ist. Sehr treffend ist auch die Definition, die Achim Bühl für die Islamfeindlichkeit formulierte:

Unter Islamfeindlichkeit verstehen wir eine intentionale sowie rationale gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, die sich in der Ablehnung des Islams und der Muslime durch die so genannte Mehrheitsgesellschaft äußert.“ (In: Islamfeindlichkeit in Deutschland, S. 292)

Wie sehr die Islamfeindlichkeit bereits in der Mehrheitsgesellschaft verbreitet ist, wird uns durch die Demonstrationen von Pegida zurzeit fast wöchentlich vor Augen geführt. Deshalb geht es nächste Woche genau um diesen Verein, seine Ziele, seine Akteure und seine Wirkung.

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2 Antworten zu “Islamfeindlichkeit Serie Teil 1 – Begriffsvielfalt

  1. Gereon Vogel-Sedlmayr

    Der Begriff „Islamkritik“ fehlt noch. Definitorische Schwierigkeit: Die Grenzlinie zwischen legitimer Kritik und verständnisloser Ablehnung. Habermas hat vor Jahrzehnten in Zusammenhang mit Walter Benjamin von „bewusstmachende(r), rettende(r) Kritik“ gesprochen. Ich finde, der Ausdruck ist immer noch gut.

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