Islamfeindlichkeit Serie Teil 2 – PEGIDA

Am kommenden Montag findet bereits der 16. sogenannte Spaziergang Pegidas durch die Dresdner Innenstadt statt. Begonnen im Oktober 2014 konnte die Bewegung bis zu 18.000 (nach anderen Zählungen 25.000) Menschen mobilisieren. Die Frage, wer an diesen Demonstrationen teilnimmt und vor allem, was sie dazu bewegt, sind spannende Aspekte, derer sich inzwischen auch die Wissenschaft angenommen hat.

Die ersten Aussagen einer Untersuchung unter Federführung des Politikwissenschaftlers Hans Vorländer der TU Dresden bezüglich der Demonstranten war, dass die Mehrheit über 40-jährige, berufstätige Männer sind. Wobei man einschränken muss, dass dies die Mehrheit derer ist, die überhaupt an der Studie teilgenommen haben. Immerhin 65% der Angesprochenen lehnten jegliche Auskünfte ab. Und auch wenn Pegida sich bereits im Namen gegen eine Islamisierung ausspricht und somit nahelegt, dass die Teilnahme an der Demonstration ähnlich motiviert ist, liegt der Hauptantrieb in der Politikverdrossenheit und Enttäuschung über Medien und Öffentlickeit. Erst danach folgen Ressentiments gegenüber Zuwanderern und Asylbewerbern.

Eine zweite Studie, durchgeführt vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialwissenschaften (WZB) hat ähnliche Ergebnisse vorzuweisen. An der Umfrage hätten hauptsächlich Männer aus der Region Dresden teilgenommen, die gebildet, berufstätig und über 40 Jahre alt sind. Auch diese Untersuchung hat mit einer geringen Rücklaufquote von gerade mal 18,4% zu kämpfen. Von 1.800 Angesprochenen und 670 verteilten Handzetteln haben im Endeffekt nur 123 Personen an der Befragung teilgenommen.

Diese Zahlen zeigen, dass sich nur ein Bruchteil der Teilnehmer an den Protestmärschen bereit erklärt, mit Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten, was auch mit dem Misstrauen vieler Demonstranten nicht nur gegenüber der Presse sondern auch gegenüber der Wissenschaft zusammenhängt. Daher zeigen die beiden vorgestellten Untersuchungen weniger einen Querschnitt aller Pegida-„Spaziergänger“, als vielmehr einen Überblick über Auskunftswillige unter ihnen.

Äußern sich Pegida-Demonstranten zu ihrer Motivation vor der Kamera, dann betonen sie dieser Tage häufig, dass sie nichts gegen Zuwanderer und Asylbewerber oder auch Muslime haben, so lange sich diese an deutsche Gesetze halten. Trotzdem ist in Dresden zu beobachten, dass die Zahlen der fremdenfeindlichen Angriffe deutlich zugenommen haben. Vor Beginn der Demonstrationen Pegidas lagen diese bei 33 Fällen, inzwischen stiegen sie auf 76 Fälle. In den Zahlen der vergangenen Jahre 2013 und 2012 findet sich keine vergleichbare Zunahme. Viele Migranten, aber auch Dresdner mit „ausländischem Aussehen“ fühlen sich in der Elbestadt nicht mehr sicher. Und auch wenn Pegida selbst proklamiert nicht gegen Flüchtlinge, Asylbewerber und Andersdenkende zu sein, so fördern sie doch, wie der Politikwissenschaftler Hans Joachim Funke im SWR sagte, „ein Klima […] das Gewalt will“.

Nach der Abspaltung eines Teils des Organisationsteams Pegidas um Kathrin Oertel und deren Zusammenschluss in der Bewegung „Direkte Demokratie für Europa“ hat zwar die Teilnehmerzahl der Pegida-„Spaziergänge“ erheblich abgenommen (letzte Woche waren es ca. 2.000 Personen) und vielen Beobachtern gilt dies als Abgesang der Bewegung. Doch zwei Faktoren sollten meines Erachtens nicht aus dem Blick geraten: Zum einen wird die verbliebene Pegida-Bewegung unter Rednern wie Lutz Bachmann, der seine ausländerfeindlichen Facebook-Posts nach wie vor verteidigt, in ihrer Rhetorik einen Rechtsruck erleben. Zum anderen mag vielleicht der Einfluss von Pegida gebrochen sein, doch kann man nicht davon ausgehen, dass die zugrundeliegenden Motivationen – seien es nun Politikverdrossenheit oder doch Ausländer- und Islamfeindlichkeit – verschwinden. Die Anhänger und Sympathisanten von Pegida gehen vielleicht nicht mehr auf die Straße, doch die Überzeugungen, die oftmals auch rechtspopulistischen sowie fremdenfeindlichen Inhalten gegenüber aufgeschlossen sind und sich einer sachlichen Debate verschließen, bleiben.

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