Wochenrückblick 11/12:2015

Keine Sonnenfinsternis für Londoner Schüler * Urteil im Fall des entführten Nasser El-Ahmad * Bundesverfassungsgericht kippt pauschales Verbot von Kopftüchern bei Lehrerinnen * Französischer Komiker verurteilt * Verurteilung wegen religiöser Beleidigung in Myanmar

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. (Quelle: Wikimedia Commons, unter gemeinfreier Lizenz)

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.

 

  •  Aus “religiösen und kulturellen Gründen” hat eine Schule im Londoner Stadtteil Southall seinen Schülern das direkte Betrachten der Sonnenfinsternis untersagt. Southall hat einen hohen hinduistischen Bevölkerungsanteil und da das Betrachten einer Sonnenfinsternis in einigen Schriften eine Verunreinigung des Körpers nach sich zieht, entschloss sich der Schulleiter kurzfristig zu einem allgemeinen Verbot. Die Schüler konnten das Schauspiel über Bildschirme betrachten.

 

  • Der 18-jährige Deutsch-Libanese Nasser El-Ahmad hat vor dem Berliner Kriminalgericht Recht bekommen. Er hatte seinen Vater und zwei seiner Onkel angezeigt, ihn vor zwei Jahren gegen seinen Willen zunächst verheiraten, später sogar töten zu wollen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass seine Eltern von der Homosexualität ihres Sohnes erfuhren und versuchten ihn mit einer Frau zwangszuverheiraten. Als er sich widersetzte, entführten ihn männliche Familienmitglieder mit dem Ziel Libanon. An der Grenze zu Bulgarien flog die Entführung auf. Der Vater und die Onkel wurden der Freiheitsberaubung für schuldig befunden und zu jeweils 1350 € Strafe verurteilt.

 

  • War es seit 2003 für die deutschen Bundesländer möglich, ein explizites Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen mit dem Hinweis auf Neutralität und Schulfrieden in ihre Schulgesetzgebung einzubinden, ist dies nicht mehr ohne weiteres möglich. Nach dem Urteil des Karlsruher Bundesverfassungsgerichts ist dies ab jetzt nur noch möglich, wenn eine konkrete Gefahr gegeben ist. Der Deutsche Lehrerverband sieht bereits potentielle Beeinträchtigungen des Schulbetriebs vor sich, wenn Eltern sich weigern sollten ihre Kinder von Lehrern mit Kopftuch unterrichten zu lassen.

 

 

  • Ein Neuseeländer und zwei burmesische Männer wurden in Myanmar (Burma) zu je zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, weil sie den Buddhismus beleidigt haben sollen. Stein des Anstoßes war ein Poster in der Bar, in welcher alle drei Männer arbeiten. Dieses zeigt Buddha mit Kopfhörern, umgeben von psychedelisch anmutenden Farben. Auch wenn die Angeklagten mehrfach beteuerten niemanden beleidigt haben zu wollen, sah der Richter eine absichtsvolle Handlung in der Veröffentlichung des Posters auf Facebook.

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