Das islamische Gebet – Fünfmal am Tag oder doch nur dreimal?

Betende Muslime in der Ummaiyaden-Moschee in Damaskus. (Quellle: Antonio Melina/Agência Brasil via Wikimedia Commons unter Lizenz CC-BY-SA 3.0 BR)
Betende Muslime in der Ummaiyaden-Moschee in Damaskus.

Die fünf Pfeiler des Islams sind DIE Grundlagen, von denen in jeder Einführung zum Thema die Rede ist: Die Pilgerfahrt nach Mekka (Haddsch), die Almosensteuer (Zakat), das Fasten (Saum), das Glaubensbekenntnis (Schahada) und das fünfmalige Beten in Richtung Mekka (Salat). Nur, dass nicht alle Muslime fünfmal am Tag beten. Unter Schiiten ist es weit verbreitet, dreimal täglich zu beten. Begründungen – sowohl für drei- als auch für fünfmal – finden sich im Koran und in den Hadithen.

Der Koran nennt drei Gebetszeiten mit Namen: Salat al-fadschr (24:58), salat al-Isha‘ (24:58) und Salat al-Wusta (2:238). Diese gelten Schiiten als Pflichtzeiten des Gebets. Darüber hinaus wird keine verpflichtende Anzahl an Gebeten angegeben. Daraus schließt die Mehrzahl der Schiiten, dass es diese drei Gebete sind, die jeder Muslim täglich verrichten sollte. Um diese Argumentation zu untermauern, werden weitere Koranstellen angeführt. Da der Koran detailliert und ausführlich ist (6:114),  fehlen also nicht weitere Angaben über Gebetszeiten, sondern diese werden als vollständig angesehen. Schließlich kann Allah nichts ‚vergessen‘ haben (20:52).

Doch warum beten dann 90% der Muslime fünfmal am Tag und nicht nur dreimal? Die Mehrheit der Muslime verrichtet Gebete zur Mordgendämmerung (Fadschr), zum Mittag (Zuhr), am Nachmittag (Asr), zum Sonnenuntergang (Maghrib) und am Abend (Ischa‘). Dem Argument, dass der Koran nur drei Gebetszeiten benennt, wird entgegengehalten, dass das Leben Muhammads Vorbild für jeden Muslim sein sollte. Als Anleitung für dieses Vorhaben gelten die Hadithe, welche Ereignisse aus dem Leben des Propheten überliefern. Sie wurden gesammelt und von verschiedenen Autoren gemäß ihrer Glaubwürdigkeit zusammengestellt. Laut dem Hadith von Muhammads Himmelsreise (in der Sammlungg Sahih al-Bukharis ist dies 5.227, Buch 60 Hadith 67 oder Vol. 4 Buch 55 Hadith 606) wurde ihm aufgetragen fünfmal am Tag zu beten. Dies befolgt Muhammad – und seine Anhänger, die sich am Leben ihres Propheten orientieren, ebenso. Zudem soll in der sunnitischen Tradition das Argument, im Koran seien nur drei Gebete benannt, entkräftet werden. Es werden an mehreren Stellen (11:114, 2:238, 17:78) Gebete zu unterschiedlichen Tageszeiten angesprochen. Doch auch wenn nicht alle als verpflichtende Gebete bezeichnet werden, wird in sunnitischer Tradition in Zusammenhang mit dem oben genannten Hadith das fünfmalige Beten am Tag für jeden Muslim als verpflichtend angesehen.

Das dreimalige oder fünfmalige Beten am Tag ist nur ein Beispiel dafür, wie verschieden die Aussagen des Korans und der Hadtihe ausgelegt und interpretiert werden können. Darüber hinaus zeigt es, dass es nicht den EINEN Islam gibt sondern ganz unterschiedliche Ausprägungen. Eine Tradition, die für Außenstehende eine feste Größe darstellt, kann nichtsdestotrotz innerhalb der Gemeinschaft umstritten sein.

Hat euch der Artikel gefallen? Dann freue ich mich über Likes, Retweets oder Flattr-Zuwendungen.

2 thoughts on “Das islamische Gebet – Fünfmal am Tag oder doch nur dreimal?

  1. Warum gibt es dann 6 Gebetszeiten, zB auf „Prayers Times“ als App?
    In Saudi-Arabien ruft der Muezzin auch 6x zum Gebet
    Gruß
    Erich Schmid

    1. Eine super Frage! Diese sechste Gebetszeit wird in der Nacht verrichtet, zwischen dem Abend- und Morgengebet. Man schläft also ein paar Stunden und steht dann nochmal auf, um zu beten. Es ist ein freiwilliges Gebet und viele Gläubige beten zu dieser Zeit insbesondere während des Ramadan.
      LG

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.