Samhain – Jahreszeitenfest mit Gruselfaktor

Zu Samhain wurden auch Laternen geschnitzt, zwar nicht aus Kürbis, aber aus Rüben. (Rannphairti anaithnid, via Wikimedia Commons, Lizenz CC-BY-SA 2.0)

Laterne – nicht Kürbis, sondern Rübe.

Der Urahn des heutigen Halloween-Festes war bei weitem nicht so kinderfreundlich und süßigkeitenlastig. Vielmehr markierte Samhain den Beginn der kalten Jahreszeit, die für die Kelten, welche von Landwirtschaft und Viehzucht lebten, die gefährlichste zeit des Jahres bedeutete, die nur mit guter Vorbereitung überstanden werden konnte. Entsprechend kommt dem Fest im keltischen Kalender besondere Bedeutung zu.

Auch im Kalender von Coligny wird Samhain erwähnt. (Quelle: Wikimedia Commons, Public Domain)

Auch im Kalender von Coligny wird Samhain erwähnt.

Samhain gehört zu einem von vier Jahreszeitenfesten: Imbolc am 01.02., Beltane (01.05.) und Lughnasadh am 01.08. Besonders wichtig waren Beltane und Samhain. Ersteres läutete die Zeit des Säens und Wachsens ein, wenn das Vieh wieder auf die Weiden getrieben wurde und die Tage wieder länger wurden. Samain am 01. November hingegen bildet den Abschluss des agrarischen Jahres; die Ernte ist eingebracht, das Vieh wurde von den Weiden geholt und ein Teil davon geschlachtet. Insofern kann man Beltane als Fest des Lebens verstehen, im Gegensatz zu Samhain als Fest der Toten. Besonders verbreitete waren Samhain-Feste im Stammland der Kelten; in Irland und Schottland. Aber auch in keltisch beeinflussten Gebieten haben sich ähnliche Feste erhalten, z. B. in Wales Brythonic Calan Gaeaf, in Cornwall Kalan Gwav und in der Bretagne Kalan Goañv.

Wie weit die Wurzeln Samhains in die Geschichte zurückreichen, lässt sich nicht bestimmen, weil die Kelten ihre Traditionen mündlich weitergaben. Allerdings wird das Fest bereits in der frühesten irischen Literatur des 10. Jahrhunderts erwähnt. Es beginnt bereits am 31. Oktober (“Samhainnacht”) und zieht sich bis in den 01. November (“Samhaintag”). Samhain – ebenso wie Beltane – ist durch den Glauben gekennzeichnet, dass in diesen Nächten die Grenzen zwischen der Menschen- und der Anderswelt durchlässiger sind als zu jedem anderen Zeitpunkt des Jahres. Es war also für Geisterwesen, Elfen und Feen (Aos Sí oder Síde) einfacher, in unsere Welt zu gelanden. Nach keltischer Tradition müssen diese Wesen besänftigt werden, damit Menschen und Vieh den Winter überstehen können. Daher wurden für sie Lebensmittel und Getränke draußen zurückgelassen. Auch Opfergaben in Form von Vieh waren denkbar.

Ein sogenannter Feenhügel, Wohnort der Side. (Quelle: Patrick Mackie, via Wikimedia Commons, Lizenz CC-BY-SA 2.0)

Ein sogenannter Feenhügel, Wohnort der Side.

Hartnäckig hält sich auch die Vorstellung von Menschenopfern zu Samhain. Grundlage dafür sind jedoch meist römische Quellen, in deren Interesse eine besonders furchterregende Darstellung der Kelten lag. Zu Samhain vermied man es, vor die Tür zu gehen, da nicht nur die Síde, sondern angeblich auch die Seelen der Toten umherwandeln konnten. Daher wurde den Toten an der abendlichen Tafel auch ein Platz frei gehalten, um ihnen Respekt zu erweisen.

Wer in dieser Nacht hinausging, konnte sich für die Geistwesen unkenntlich machen indem er seine Kleidung umgekrempelt anzog oder sich kostümierte. Daraus entwickelte sich der Brauch in Kostümen von Tor zu Tor zu gehen und für das Aufsagen von Versen Lebensmittel zu tauschen. Auch der Brauch, Streiche zu spielen – als deren Urheber Elfen und Feen bezichtigt wurden – verbreitete sich. Weshalb die Nacht bis heute in Teilen Großbritanniens als “mischief night” bekannt ist.

Die hohe Bedeutung Samhains lässt sich daran erkennne, dass viele irische Mythen sich in dieser Nacht ereignen oder zumindest beginnen. Zudem muss Alkohol eine wichtige Rolle gespielt haben, denn jede Geschichte, in der es um Trunkenheit geht, findet an Samhain statt. Diese Aspekte überlebten auch die Verschriftlichung durch christliche Mönche. Viele der Riten jedoch, die es zu Samhain gegeben haben muss, haben diese fleißigen Schreiber leider nicht überliefert. Daher bauen viele heutige Samhain-Feiern auf dem spärlichen vorhandenen Wissen auf oder erfinden neue Traditionen. Trotzdem sind nach Jahrhunderten noch immer Elemente wie die Kostümierung und die Streiche vorhanden und so ist Samhain nie ganz in Vergessenheit geraten.

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