Wochenrückblick 47/48:2015

Zunehmende Gewalt gegen Muslime in Polen * Größte Moschee Japans in Nagoya eröffnet * Massengräber auf ehemaligem IS-Gebiet entdeckt * Zwillingsanschlag der Boko Haram in Kamerun * Präsidentschaftsgarden bei Anschlag in Tunesien getötet * Italien will inoffizielle Moscheen schließen

  • Nach den Anschlägen in Paris auf die Redaktion von Charlie Hebdo haben sich europaweit die Angriffe gegen Muslime deutlich vermehrt. Besonders zu spüren ist dies z. B. in Polen, wo der Regierungswechsel die rechtsgerichtete PiS-Partei (Partei Recht und Gerechtigkeit) an die Macht gebracht hat. Dort vermehren sich nicht nur die Angriffe auf Muslime und Flüchtlinge, sondern es machen sich auch vermehrt antisemitische Tendenzen bemerkbar.
  • In Japan öffnete am 20. November die bisher größte Moschee des Landes in Nagoya ihre Pforten. Die Ahmadiyya-Gemeinde, die den Bau initiierte, will damit die interkulturelle Verständigung vorantreiben und einen Dialog mit Japanern eröffnen. Denn von den geschätzten 70.000 bis 100.000 Muslimen, die in Japan leben, sind nur ungefähr 10% japanischer Herkunft. Bis heute bleibt der Islam in Japan eine Religion der eingewanderten Menschen aus Bangladesch und dem Iran.
  • Am vergangenen Samstag wurde im äußersten Norden Kameruns ein Selbstmordanschlag verübt, der mindestens sieben Opfer forderte und weitere Menschen verletzte. Es handelte sich um einen Zwillingsanschlag in Dabanga, welcher der Terrororganisation Boko Haram zugerechnet wird. Kamerun ist Teil einer Task-Force regionaler Staaten, die seit August gegen die Organisation vorgeht. Bisher jedoch nur mit mäßigem Erfolg, da Boko Haram seine Gewaltakte ebenfalls verstärkt hat.
  • Der IS ist auch in Tunesien für einen Anschlag verantwortlich, der am 22. November geschah. Es war ein Selbstmordanschlag in einem Bus in der tunesischen Hauptstadt Tunis, welcher 12 Menschen in den Tod riss. Alle Opfer waren Präsidentschaftsgarden. Bereits in den vergangenen Monaten hatte es in Tunesien zwei weitere Anschläge gegeben zu denen sich der Islamische Staat bekannte und bei denen 60 Menschen getötet wurden, größtenteils ausländische Touristen.
  • Der italienische Innenminister Angelino Alfano hat am Freitag bekanntgegeben, dass Italien verstärkt gegen heimliche Moscheen vorgehen will. Neben den offiziell angemeldeten Gebetshäusern gebe es zahlreiche inoffizielle Moscheen. Diese Maßnahme soll Teil des Kampfes gegen den Terror sein, vernachlässigt jedoch den Umstand, dass viele illegale Gebetshäuser entstanden sind, weil auf offiziellem Wege – oftmals aufgrund des Widerstands lokaler Politiker – keine Genehmigung für eine Moschee zu erhalten war.

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