Wochenrückblick 49:2015

Den Lindthasen geht es noch nicht mit Islamisierungsvorwürfen an den Kragen - den Adventskalendern schon. (Quelle: Tammy Green via Wikimedia Commons unter Lizenz CC-BY-SA 2.0)

Den Lindthasen geht es noch nicht mit Islamisierungsvorwürfen an den Kragen – den Adventskalendern schon.

Islamisierungsvorwürfe für Lindt und Penny * Schwedens Beziehungen zu Israel verschlechtern sich weiter über Palästinafrage * ‘Radikale’ Moscheen fallen Ausnahmezustand in Frankreich zum Opfer * Erdrutschsieg für rechtsradikale Partei in französischen Regionalwahlen * Aserbaidschanischer Präsident billigt Einschränkungen der Religionsfreiheit

  • Wer über die Absurdität um den roten Becher der US-Firma Starbucks nur den Kopf schütteln konnte, muss wohl nun den Kopf gegen die Tischplatte hauen: Sowohl der Schokoladenhersteller Lindt als auch die Supermarktkette Penny müssen sich derzeit mit Islamisierungsvorwürfen auseinandersetzen. Ein Adventskalender von Lindt mit orientalisch anmutenden Motiven, der bereits seit 10 Jahren zur Produktpalette gehört, wird als Vereinnahmung christlicher Traditionen durch den Islam interpretiert. Ebenso das “Zipfelmännchen” von Penny: Er sei der Weihnachtsmann 2.0 und solle das alte Modell ersetzen. Besonders über soziale Medien haben beide Firmen die unfreundlichen Reaktionen erhalten, die von Islamisierungsvorwürfen bis hin zu Boykottandrohungen reichen.
  • Nachdem Schweden im letzten Jahr Palästina als Staat anerkannt hatte, haben sich die Beziehungen zum Staat Israel deutlich verschlechtert. Gegenwärtig haben sie ein neues Tief erreicht, nachdem Israel der schwedischen Außenministerin unterstellte, dass sie Israel die ungesetzliche Tötung von Palästinensern vorwarf. Die schwedische Außenministerin Margot Wallström und der Premierminister Stefan Löfven beeilten sich, diese Äußerung als Missverständnis heraus zu stellen mit dem Hinweis, dass die Situation im Nahen Osten kompliziert genug sei, ohne sie mit Missverständnissen über jemandes Absichten zu belasten.
  • Der nach den Anschlägen in Paris verhängte Ausnahmezustand in Frankreich erlaubt der Regierung weitgehende Eingriffe in die Gesellschaft, so auch in die Religionslandschaft. Bisher wurden bereits drei Moscheen geschlossen, da sie ein “Radikalisierungsmuster” zeigten. Laut Aussagen eines französischen Imams sollen weitere 100 im Gespräch für eine Schließung sein. Während also der französische Präsident den Muslimen versichert, dass sie nicht ausgegrenzt würden, zeigt sich in der Realität, dass Razzien vorwiegend auf Moscheen und muslimische Einzelpersonen abzielen.
  • Erstmals hat bei den Regionalwahlen in Frankreich die rechte Partei Front National (FN) einen signifikanten Sieg davongetragen. In sechs von 14 Regionen konnte sich die Partei unter Marine Le Pen durchsetzen gegen die Parteien des aktuellen Präsidenten Hollande als auch die des ehemaligen Präsidenten Sarkozy. Das Scheitern einer Zusammenarbeit der beiden Parteien hat den Vormarsch der FN noch begünstigt. Doch baut Le Pen vor allem auf die Unzufriedenheit der Franzosen mit der derzeitigen Regierung sowie auf die weit verbreitete Angst vor weiteren Anschlägen.
  • Der Präsident von Aserbaidschan, Ilcham Alijew, hat die Änderung der Religionsgesetzgebung des Landes gebilligt. Dies bedeutet, dass islamische Rituale nur noch von gebürtigen Aserbaidschanern durchgeführt werden dürfen. Des Weiteren dürfen auch im Ausland ausgebildete religiöse Experten keine solcher Rituale mehr ausführen. Verstoßen sie dagegen, drohen Geldstrafen von bis zu 5.000 Manat (ca. 4.400 €) oder bis zu einem Jahr Freiheitsentzug. Religiöse Flaggen und Slogans dürfen nur noch innerhalb religiöser Gebäude angebracht werden. Für Ausländer, die ‘religiöse Propaganda’ in Aserbaidschan betreiben, können Gefängnisstrafen von einem bis zwei Jahre, bei Wiederholung sogar bis fünf Jahre verhängt werden.

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