Geflüchtete und „besorgte Bürger“ – ein Kommentar

Als ich bei den Recherchen für einen der letzten religioholic-Wochenrückblicke darauf gestoßen bin, dass es sowohl in Deutschland als auch Österreich Fälle gab, in denen Flüchtlinge oder „Menschen mit Migrationshintergrund“ der Zutritt zu Schwimmhallen und Clubs verweigert wurden, war ich erst einmal sprachlos. Wie kann es sein, dass ich in einer Zeit lebe, in denen eine bestimmte Menschengruppe diskriminiert wird, wenn mir meine Großeltern noch furchtbar eindrücklich davon berichten können, wohin so etwas führen kann?

Mehrere Betreiber von Clubs haben beschlossen, keine „Asylanten“ mehr in ihre Clubs zu lassen. In Österreich hat ein Schwimmbad allen Ernstes einen Aushang gemacht, dass Menschen mit „Migrationshintergründen“ nicht mehr ohne Begleitpersonal das Stadtbad betreten dürfen. Wie kann es sein, dass solches Handeln kaum Empörung verursacht? Warum empören sich die „besorgten Bürger“ mehr über – übrigens teilweise völlig aus der Luft gegriffene – Übergriffe von Flüchtlingen als über Angriffe auf Flüchtlinge?

Ich wohne nicht allzu weit entfernt von einer der Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge in Baden-Württemberg und begegne immer wieder Geflüchteten, die sich auf dem Weg dorthin mehr oder weniger verlaufen haben. Es beschämt mich immer wieder, wie dankbar diese Menschen dafür sind, dass man ihnen den Fahrkartenautomaten erklärt, den Weg weist oder die Haltestelle zeigt an der sie aussteigen müssen. Es kostet mich ja doch nur ein bisschen Zeit. Zeit, die andere Leute investieren, um gegen Geflüchtete, noch lieber gegen geflüchtete Muslime, zu demonstrieren. Oder sogar Handgranaten auf Flüchtlingsunterkünfte zu werfen.

Es ist ja nachvollziehbar, Angst vor den Veränderungen zu haben, die mit der Aufnahme von einer Million Flüchtlingen einhergeht. Wenn dazu Nachbarländer die Grenzen schließen und deutsche Politiker über Obergrenzen und Verschärfungen der Asylpolitik diskutieren, macht man sich schon Gedanken. Aber sollte es nicht zu denken geben, wenn man mit Rechtsradikalen auf der Straße steht? Wenn man Geflüchtete und Asylsuchende ausschließen will aus der Gesellschaft? Um ihnen damit das schwerer zu machen, was doch angeblich alle wollen: Integration.

Sicher, die Aufnahme von einer Million Geflüchteten ist kein Zuckerschlecken. Aber das war es für die geflüchteten Menschen auch nicht, hierher zu kommen. Wie viele berechtigte Bedenken man hinsichtlich der Flüchtlingsaufnahme auch haben mag, rechtlich gesehen äußert sich das Grundgesetz sehr eindeutig über die Aufnahme von Flüchtlingen, die auf der Suche nach Asyl nach Deutschland kommen:

„Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.“ (Art. 16a)

Ziemlich eindeutig. Das darüber hinaus die Zuwanderung durchaus von der Politik begrenzt werden kann, hat der Präsident des Bundesverfassungsgericht, Andreas Voßkuhle, im Deutschlandfunk deutlich gemacht.

In der Berichterstattung über Flüchtlinge kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass sich eine Panikmache breit macht. Insbesondere seit den sexuellen Übergriffen auf Frauen in Köln haben Berichte über straffällig gewordene Flüchtlinge zugenommen. Vernachlässigt werden jedoch die positiven Meldungen, die es über Geflüchtete zu vermelden gibt und ausführliche Hintergrundinformationen sind spärlich gesät. Aus diesem Grund will ich euch in den nächsten Monaten über Projekte mit Flüchtlingen informieren und Hintergründe von Asyl und Flucht in Deutschland liefern.

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Eine Antwort zu “Geflüchtete und „besorgte Bürger“ – ein Kommentar

  1. Guter Beitrag. Leider vergessen viele das wir alle nur Menschen sind.

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