Sun Myung Moon – ein wechselvolles Leben

Sun Myung Moon mit seiner zweiten Frau Hak Ja Han (Quelle: von unbekannt; original uploader at en.wikipedia was Steve Dufour at en.wikipedia. [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons)

Anfang letzter Woche ist der Gründer der aus Korea stammenden Vereinigungskirche im Alter von 92 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung verstorben. Er führte das Leben eines selbsternannten Messiahs, der die Nähe der Reichen und Mächtigen suchte und dessen Weg gezeichnet war mit Verehrung, aber auch mit kritischen Auseinandersetzungen.

Erste Visionen

Sun Myung Moon wurde am 6. Januar 1920 im heutigen Nordkorea geboren, welches damals von Japan besetzt war. Er hatte sieben Geschwister und seine Eltern waren Bauern. Als Sun Myung Moon 10 Jahre alt war, konvertierte die Familie zum Christentum. Er ging zunächst auf eine koranischsprachige Schule, wechselte später jedoch auf eine japanischsprachige, die es ihm ermöglichte, ein Elektrotechnikstudium in Japan aufzunehmen, dass er jedoch nicht abschloss. Bereits 1935 erschien ihm Jesus Christus in einer Vision und übertrug Sun Myung Moon die Aufgabe, Jesus‘ Mission fortzusetzen. Hätte Jesus Kinder gehabt, wären diese ohne den Makel der Sünde gewesen, doch da er kinderlos starb, habe Jesus Sun Myung Moon die Aufgabe übertragen, die Menschheit in einer sündenfreien Familie zu vereinen.

Gründung der Vereinigungskirche

Nachdem Sun Myung Moon aus Japan zurückkehrte, war er Mitglied in verschiedenen religiösen Strömungen in Korea und heiratete 1944. Nach dem Ende des Koreakrieges, währenddessen Sun Myung Moon eine Zeit lang in Gefangenschaft gewesen war, gründete er 1954 die Vereinigungskirche.  Meist ist sie unter dem Namen Moon-‚Sekte‘ bekannt, ihre Anhänger werden häufig als ‚Moonies‘ bezeichnet. Die Lehre setzt sich aus christlichen, daoistischen und koreanisch-schamanistischen Elementen zusammen: Es gibt einen allmächtigen, ewigen Gott, der die Gegensätze des Yin und Yang verkörpert. Dieser Gott schuf die Menschen als sein Ebenbild und aufgrund ihrer beseelten Körper sind sie die Mittler zwischen der geistigen und der physischen Welt. Die Quelle der Lehren waren Moons Reden und das „Göttliche Prinzip“.

Massenhochzeiten

Besondere Bekanntheit hat die Vereinigungskirche erlangt durch die u. A. in Stadien durchgeführten Massenhochzeiten. Hierbei werden Tausende – von Moon gestiftete – Ehen geschlossen, bei der sich das Paar – wenn überhaupt – nur kurz kennt. Nach Aussage der Vereinigungskirche seien 70% der 1971 verheirateten Paare noch immer zusammen und lobte das Gespür des Gründers für die Auswahl der Paare. Bei der Wahl seiner eigenen Ehefrau hatte Sun Myung Moon nicht so ein gutes Händchen: Die Scheidung erfolgte 1959, bereits 1960 heiratete er erneut. Immer wieder gab es aber auch Skandale um seinen promiskuitiven Lebensstil, denn neben seiner Ehefrau gab es bis zu 10 Nebenfrauen sowie Affären, die ihm auch die ein oder andere Anklage einbrachten.

Viele Anhänger und viele Kritiker

Sun Myung Moon bei einer Zeremonie 1982 (Quelle: von unbekannt (rev la semana nro 298) [Public domain], via Wikimedia Commons)

In den 1970er Jahren, als Sun Myung Moon in den USA lebte, hatte die Bewegung einen hohen Zuwachs an Mitgliedern zu verzeichnen. Sie erreichte eine Größe von 30.000 Anhängern. Mit dem Erfolg kamen jedoch auch die Kritiker, die sich immer lauter äußerten und der Kirche sowie Sun Myung Moon Täuschung und Gehirnwäsche vorwarfen. Die Verurteilung Moons zu 13 Monaten Gefängnis wegen Steuerhinterziehung und Behinderung der Justiz hat dem Ansehen der Vereinigungskirche geschadet und führte zu einem Mitgliederschwund in den 1980er Jahren.

Auch wenn Sun Myung Moon mehrmals im Gefängnis saß und seine Vereinigungskirche sich manche Kritik gefallen lassen muss, war er in einer Hinsicht sehr erfolgreich: nämlich in geschäftlicher. Über die Jahre baute er in den USA und Korea Geschäfte in unterschiedlichsten Zweigen auf. Diese reichen von Waffen- und Chemieproduktion, über Pharmazie bis hin zu Hotels und Zeitungen. Diese Geschäfte haben ihn und die Vereinigungskirche reich gemacht. Diesen Reichtum hat er jetzt seinen Kindern hinterlassen, die in den letzten Jahren bereits an die Führung der Kirche und Geschäfte herangeführt wurden. Allerdings hatte es dabei auch familieninterne Auseinandersetzungen gegeben – es bleibt also abzuwarten, wie sich die Zukunft der Vereinigungskirche gestalten wird.

Quelle: Dong-Joo Lee: Koreanischer Synkretismus und die Vereinigungskirche. Lahr-Dinglingen 1991, S. 158-229; zur Biographie Sun Myung Moons S. 169-176.

Religion News Service 02.09.12, Daniel Burke

CNN 03.09.12, Greene/Kuon/Botelho

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