Muslime und Islam – Populäre Irrtümer in der Diskussion

„Our Lady of the Rosary“ Kirche in Qatar.

In der Diskussion über Geflüchtete sind Muslime in den Mittelpunkt gerückt. Dabei gibt es wiederkehrende Argumente, die vorgebracht werden. Viele davon beruhen auf Vorurteilen und Fehlannahmen. Einige besonders prominente seien hier kurz behandelt.

Irrtum Nr. 1 – In der islamischen Welt werden keine Kirchen gebaut.

In der islamischen Welt haben schon immer auch Christen gelebt und sind ihrem Glauben nachgegangen. Das beinhaltete die Ausübung des christlichen Glaubens nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern auch in eigenen Gotteshäusern. Ist der Bedarf vorhanden, werden heute Kirchen gebaut, wie z. B. in Qatar. Dort wurde 2008 die Kirche „Our Lady of the Rosary” in der Stadt Doha eröffnet. Sie bietet Platz für über 2000 Gläubige und richtet sich an verschiedenste christliche Konfessionen, angefangen bei Katholiken, über Christlich-Orthodoxe bis hin zu Kopten. Zudem gibt es inter-konfessionell nutzbare Räumlichkeiten. Der Grund und Boden, auf dem die Kirche gebaut wurde, wurde im Übrigen vom Emir von Qatar zur Verfügung gestellt.
Es gibt auch Länder wie Marokko, in denen keine neuen Kirchen gebaut werden. Dies liegt jedoch daran, dass der Anteil der Christen an der Bevölkerung zurückgegangen ist und es bereits zahlreiche Kirchen gibt, die nicht mehr genutzt werden. Viele deutsche Gemeinden haben ja durchaus ein ähnliches Problem. Es sind zwar Kirchen vorhanden, doch keine Menschen, die sie nutzen.

Irrtum Nr. 2 – Islamistische Gewalt richtet sich ausschließlich gegen Nicht-Muslime.

Besonders eindrückliches Beispiel hierfür ist natürlich die prekäre Lage der Jesiden im Irak. Im vergangenen Jahr waren sie vom Islamischen Staat (IS) eingekesselt worden und konnten nur schwer aus der Luft versorgt werden. Viele Jesiden starben. Von daher: Ja, islamistische Gewalt richtet sich gegen Nicht-Muslime. Doch lässt diese Pauschalisierung außer Acht, dass sie sich auch gegen die eigenen Glaubensgenossen richtet – gegen Muslime. Unter der Gewalt leiden nicht nur Andersgläubige sondern auch die Muslime, die sich nicht den Überzeugungen des IS oder der Taliban anschließen, oder Muslime, die religiösen Minderheiten innerhalb des Islams angehören.

Jesiden in einem Flüchtlingscamp 2014. (Quelle: Flickr via Wikimedia Commons unter Lizenz CC-BY-SA 2.0)

Jesiden in einem Flüchtlingscamp 2014.

Irrtum Nr. 3 – Der Islam ist nicht tolerant.

In jeder Religion liegt das Potential zur Toleranz ebenso wie zur Intoleranz. Selbst der von vielen als die friedliche Religion schlechthin gesehene Buddhismus kennt religiöse Gewalt, wofür der Bürgerkrieg in Sri Lanka ein grausiges Beispiel ist. Doch auch der Islam ist nicht nur zur Gewalt fähig, sondern besitzt ebenso ein großes Potential für Toleranz. Entfalten konnte sich dies bereits mehrfach in der Geschichte dieser Religion. Ein Beispiel ist hier das islamische Spanien, in dem Muslime mit Christen und Juden friedlich lebten. Erst unter der Rückeroberung durch christliche Herrscher kam es zu Massenvertreibungen und Zwangskonversionen, die es in dieser Form vorher nicht gegeben hatte.

Irrtum Nr. 4 – Der Islam hat nichts geleistet.

Der Islam kann gar nichts leisten, denn er ist eine Religion. Aber muslimischen Gelehrten, Erfindern und Denkern haben wir viel zu verdanken. Sie haben das Erbe der antiken Welt bewahrt, die Schriften von Griechen und Römern, die nach ihrem Niedergang in Europa ignoriert wurden, ins Arabische übersetzt und rezipiert. Daraus gewonnene neue Kenntnisse nutzen wir noch heute, z. B. Verdanken wir der Arbeit des Ibn Sina (Avicenna) die Grundlagen der heutigen Medizin.
Dazu kommt die Bereicherung der deutschen Sprache durch arabische Lehnwörter. Dazu gehören beispielsweise Zucker, Alkohol, Ziffer, Algebra, Giraffe, Rabatt oder das Getränk, ohne welches viele Deutsche morgens nicht aus dem Bett kämen: Kaffee.

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