Wochenrückblick 10:2016

Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag. (Quelle: Vincent van Zeijst via Wikimedia Commons unter Lizenz CC-BY-SA 3.0)

Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag.

Banlgadesch: Abschaffung der Staatsreligion Islam? * Selbstverbrennungen von Tibetern anlässlich des Jahrestages der chinesischen Besatzung * China erwägt Kennzeichnung der Ausweise religiöser Führer * Nonnen im Kreuzfeuer des jemenitischen Bürgerkrieges * Punjab verabschiedet historisches Gesetz zum Schutz von Frauen * Den Haag: Erstmals Anklage wegen Zerstörung kultureller Artefakte

  • 28 Jahre nachdem sie eingereicht wurde, entscheidet der Oberste Gerichtshof in Bangladesch über eine Petition, welche die Staatsreligion ins Wanken bringen könnte. Seit 1988 ist der Islam als Staatsreligion in Bangladesch festgeschrieben. Doch aufgrund der anhaltenden Gewalt gegenüber religiösen Minderheiten, wird die Petition nun vom Gericht aufgegriffen. Unterstützung findet sie von Seiten der religiösen Experten von Christen, Schiiten und Hindus. Die bangladesische Regierung verweist darauf, dass auch der Säkularismus als Grundsatz des Staates im Zusatzartikel 15 der Verfassung festgeschrieben wurde.
  • Der Exiltibeter Dorjee Tsering, gerade einmal 16 Jahre alt, hat sich am Montag vergangener Woche im indischen Dehradun selbst verbrannt. Er erlag am Freitag seinen Brandwunden in einem Krankenhaus in Delhi. Auf gleiche Weise starb in Tibet der 18-jährige buddhistische Mönch Kalsang Wangdu, welcher sich ebenfals am Montag (29. Januar) verbrannte. Anlass ist der 57. Jahrestag des Tibetischen Aufstandes von 1959 gegen die chinesische Okkupation am 10. März. Damit erhöht sich die Zahl derer, die sich seit dem Jahr 2009 im Protest gegen die Besatzung selbst verbrannt haben, auf 144 Menschen.
  • Schon bald könnte es in China für religiöse Führer verpflichtend werden, die religiöse Zugehörigkeit in ihren Ausweisen eintragen zu lassen. Dies zielt insbesondere auf eine Erfassung buddhisitischer Mönche und christlicher Pastoren.  Buddhistische Mönche spielen insbesondere im anhaltenden Widerstand Tibets gegen die chinesische Regierung eine Rolle, wohingegen nicht erfasste Christen inzwischen durchaus einen größeren Anteil an der Bevölkerung ausmachen könnten als Parteimitglieder. Nähere Informationen, wie diese Ausweisänderung umgesetzt werden soll und wie mit Konversionen umgegangen wird, sind bisher noch  nicht bekannt.
  • Wie immer leidet die Bevölkerung am meisten unter dem Bürgerkrieg, der im Jemen wütet. Besonders religiöse Minderheiten geraten immer wieder ins Kreuzfeuer. Dieses Mal traf es ein christliches Heim in Aden für alte und kranke Menschen. Die Bewohner wurden gefesselt und dann mit einem Kopfschuss getötet. Es ist nicht klar, wer genau für den Überfall auf das Heim verantwortlich ist, es hat sich bisher niemand dazu bekannt. Unter den Toten waren auch vier katholische Nonnen, die sich um die Bewohner kümmerten. Papst Franziskus bezeichnete sie als “today’s martyrs”.
  • In der pakistanischen Provinz Punjab wurde am 24. Februar ein Gesetz zum Schutz von Frauenrechten verabschiedet. Von Befürwortern wird es als historischer Durchbruch gefeiert. Erstmals sind Frauen vom Gesetz vor “häuslicher, emotionaler, psychologischer, verbaler und ökonomischer Gewalt” geschützt, berichtet der Religion News Service. Es sollen nun u. a. Zentren und Telefonhotlines für schutzsuchende Frauen eingerichtet werden; zudem soll es harte Strafen für Verstöße geben. Kritiker des Gesetzes, die sich insbesondere unter Taliban nahen Politikern und Klerikern finden, prangern das Gesetz als Verstoß gegen die Scharia an, es würde die Familienstrukturen zerstören und blind westlichen Vorstellungen folgen.

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.