Integration per Gesetz – ein Kommentar zum Anne Will Talk

Zugegeben, ich habe nicht viel Erfahrung mit Talkshows. Ich schaue sie nicht oft, weil ich es entweder nicht mitbekomme oder mich das Thema nicht interessiert . Doch „Integration per Gesetz – Wer soll zu Deutschland gehören?“ empfahl mir eine Freundin und der Titel ist ja auch ein guter Teaser. Leider gehört die Talkrunde vom vergangenen Sonntag zu den schlechtesten, die ich jemals gesehen habe.

Lamya Kaddor ließ besonders frau leider selten ausreden. (Quelle: Raimond Spekking, via Wikimedia Commons, unverändert, laut Lizenz CC-BY-SA 4.0)

Lamya Kaddor ließ besonders ‚frau‘ leider selten ausreden.

Die Runde geladener Gäste versprach an sich einen spannenden und kontroversen Abend: Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Oppositionspolitiker Dietmar Bartsch (Die Linke), AfD-Politikerin Frauke Petry, Migrationsforscher Ruud Koopmans und Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor. Besonders von letzterer hatte ich mir viel versprochen. Ich habe bereits einige Artikel und Interviews von ihr gelesen, aber in dieser Runde hatte sie kaum eine Chance zu Wort zu kommen. Niemand wurde so häufig unterbrochen und am Beenden ihrer Sätze gehindert wie sie.

Klar, Integration ist ein heißes Thema, da kann es schon mal hoch hergehen. Doch dass drei Leute gleichzeitig reden und sich die Moderatorin über den Mund fahren lässt – wenn sie denn mal versucht für einen geordenten Gesprächsverlauf zu sorgen – habe ich noch nie gesehen. Insbesondere Frau Petry hat gegen Ende der Sendezeit das Gespräch regelrecht an sich gerissen.

Wie man bereits merkt, sind mir die Gesprächsumstände eingängiger in Erinnerung als die Inhalte, was schon Bände spricht. Denn leider hat die Talkrunde für mich weder für mehr Information oder neue Blickwinkel noch für Denkanstöße gesorgt.

Die Debatte über das geplante Integrationsgesetz wurde erstaunlich schnell zu einer Diskussion über die Nützlichkeit bestimmter Migrantengruppen. Eine eingehendere Einsicht darin, welche Migranten „nützlich“ sind, hat Bartsch glücklicherweise mit dem Einwand unterbunden, dass das Asylrecht nach wie vor für alle gelte, nicht nur für „Nützliche“.

Einen großen Teil der Diskussionszeit beschäftigte sich die Runde mit Muslimen. Dabei wollte Frau Petry wohl mit ihrem Islamwissen glänzen. Dazu zwei Anmerkungen: Christen und Juden sind ebenso wie Muslime Monotheisten. Bedeutet, sie akzeptieren neben ihrem eigenen Gott keine anderen Götter. Das erste der zehn Gebote ist da ein guter Anhaltspunkt. Im Übrigen ist Allah der arabische Begriff für ‚Gott‘. Dass dieser Gott als der Höchste gepriesen wird, ist daher auch kein Alleinstellungsmerkmal sondern verbindet die drei monotheistischen Religionen (wenn auch nicht exakt in diesem Wortlaut). Die Akzeptanz neben der eigenen Religion andere Religionen zuzulassen, trifft ebenfalls nicht nur auf Judentum und Christentum zu, sondern es finden sich auch im Islam zahlreiche Beispiele dafür. Es zieht sich sogar als ein deutlicher roter Faden durch die islamische Geschichte, was man vom Christentum nicht behaupten kann.

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.