Buddhistische Mumien – von Vergoldungen und giftigen Hungerkuren (Teil 1)

Der Chongfu Tempel liegt in der Stadt Shuozhou in der Provinz Shanxi. (Quelle: Joowwww via Wikimedia Commons, public domain)

Der Chongfu Tempel liegt in der Stadt Shuozhou in der Provinz Shanxi.

Wenn die Rede von Mumien ist, fallen spontan ägyptische Mumien ein, vielleicht noch Ötzi oder die in den peruanischen Anden gefundenen Mumien von Kindern. Aber buddhistische Mumien? Sie gehören zu den Exoten der Mumienwelt. Dafür ist es eine Tradition, die es bis heute im Buddhismus gibt, sodass sich auch aktuelle Beispiele finden.

Man muss nur auf den April 2016 zurückschauen, um ein bemerkenswertes Beispiel für einen mumifizierten buddhistischen Mönch zu finden. Zu diesem Zeitpunkt wurde in China ein kugelförmiges Tongefäß nach drei Jahren erstmals geöffnet. Darin befand sich die hervorragend erhaltene Leiche des buddhistischen Mönches Fu Hou, der 2012 im Alter von 94 Jahren verstorben war. Er saß noch immer in Meditationshaltung und sein Körper befand sich in erstaunlich gutem Zustand.

Zu Lebzeiten galt Fu Hou als vorbildlicher Buddhist und war sehr beliebt. Er wurde bereits mit 13 Jahren Mönch des Chongfu Tempels in Shuozhou im Nordosten Chinas. Vor seinem Tod entschied er sich seinen Körper zu erhalten und der Abt von Chongfu, Li Ren, ordnete die Mumifizierung des Toten an. Dazu wurde der Körper gewaschen und in einem großen zweiteiligen Tongefäß im Lotussitz eingeschlossen.

Dieses Vorgehen erscheint ungewöhnlich, präsentiert der Buddhismus doch den „Mittleren Weg” zwischen einem Leben in strengster Askese und einem in Überfluss. Nichtsdestotrotz haben Formen der Askese in den Buddhismus Eingang gefunden. In China haben sich buddhistische Vorstellungen mit daoistischen Traditionen von Eremiten verbunden. Diese Eremiten lebten sehr naturnah und entwickelten Techniken um in den Himmel aufzusteigen. Dies beinhaltete sowohl Atem- als auch Sextechniken ebenso wie eine bestimmte Ernährungsweise und galt dem Ziel der Unsterblichkeit. Buddhisten haben diese Form der Askese aufgegriffen, um im Moment des Todes ins Nirvana einzugehen.

Dass die Mönche oder Eremiten ihr jeweiliges Ziel erreicht hatten, war für die Hinterbliebenen erst dann sichtbar, wenn der Körper des Verstorbenen nicht verweste. Daher wurde der Tote vorbereitet und dann in ein Tongefäß gesetzt. Nach mehreren Jahren, meist drei, wird das Gefäß wieder geöffnet. Hat sich der Körper nicht zersetzt, sondern ist erhalten, hat der Mönch oder der Eremit sein Ziel erreicht.

Im Fall von Fu Hou wartete man im Kloster ebenfalls drei Jahre bevor das Tongefäß wieder geöffnet wurde. Der Körper des Mönchs war intakt geblieben, nur die Haut war vertrocknet. Dies bedeutete, dass er ins Nirvana eingegangen sein musste. Er wurde mit Alkohol gewaschen, dann von einer Lackschicht überzogen und mit Goldplättchen ummantelt. Der mumifizierte Körper wurde in Mönchsgewänder gekleidet und wird im Chongfu Tempel in einer Glasvitirine ausgestellt. Die Mumie des Buddha, denn dazu wurde Fu Hou durch seine Erleuchtung, ist für Gläubige Gegenstand der Verehrung und für andere Mönche leuchtendes Vorbild.

Im nächsten Teil der Serie geht es um einen mumifizierten Mönch, der in einer Buddhastatue entdeckt wurde. Ihr dürft gespannt sein!

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