Buddhistische Mumien – Die „lebenden Buddhas“ Japans (Teil 3)

Lage Yamagatas in Japan. (Quelle: TUBS via Wikimedia Commons unter CC-BY-SA 3.0 Lizenz)

Lage der Provinz Yamagata in Japan.

Es gibt in Japan, vorwiegend in der Provinz Yamagata auf der Hauptinsel Honshu, mindestens 24 Mumien buddhistischer Mönche, die kostbar gekleidet in Tempel verehrt werden. Alle von ihnen haben den Weg der Selbstmumifizierung gewählt, um noch auf dem Weg in den Tod Erleuchtung zu erlangen. In Japan erfreute sich die Selbstmumifizierung ab dem 11. Jahrhundert derartiger Beliebtheit, dass die japanische Regierung sie 1879 verbot.

24 Mönchen ist es gelungen, sich zu mumifizieren und damit zu „lebenden Buddhas“ (ikibotoke) zu werden. Man kann davon ausgehen, dass weit mehr – eventuelle mehrere Hundert – den Versuch der Selbstmumifizierung auf sich nahmen und scheiterten. Denn es wird nicht jeder automatisch ein lebender Buddha, der sich den jahrelangen, entbehrungsreichen Vorbereitung unterwirft. Zunächst galt es, über Jahre eine Diät aus Tannennadeln, Nüssen und giftigem Tee einzuhalten. Daneben bereiteten sich die Mönch geistig auf ihr Ziel vor, denn je näher sie bereits zu Lebzeiten dem Nirvana sind, umso eher kann der letzte Schritt zur Erleuchtung durch die Mumifizierung vollzogen werden.

In vielen buddhistischen Traditionen sind solche Formen der Selbstkasteiung bekannt. Die Selbstmumifizierung ist eine der extremsten Formen der Selbstkasteiung, die der Buddhismus kennt. Doch bereits in der Frühzeit des Buddhismus gibt es Berichte von Opferungen von Körperteilen, z. B. durch Abtrennen und/oder Anzünden von Fingern oder Armen (Opfergabe einer „menschlichen Kerze“). Ebenso gibt es Berichte über einen Mönch, der sich von einer Tigerin fressen ließ, damit diese ihre Jungen ernähren konnte.

In Japan selbst ist die Mumifizierung des eigenen Körpers seit dem 9. Jahrhundert bekannt. Vermutlich haben buddhistische Mönche diese Tradition von ihren Reisen nach China mitgebracht und verbreitete sich im 11. Jahrhundert besonders in der Shingonshū. Die Shingonshū ist eine Schule des japanischen Buddhismus, 816 gegründet vom Mönch Kūkai (posthumer Name Kōbō-Daishi), die in ihrer Ausrichtung esoterisch, tantrisch ist.

Da sich die Selbstmumifizierung steigender Beliebtheit erfreute, entwickelte sich ein fester Ablauf. Eintausend Tage folgte der Mönch einer Diät aus Nüssen, Samen und Beeren. Zudem betätigten er sich körperlich, um so viel Körperfett wie möglich abzubauen. Danach wird wiederum für tausend Tage die Nahrung auf Rinden und Wurzeln reduziert. Vor Ablauf der zweitausend Tage nimmt er einen Tee zu sich, der aus dem Saft des Urushi Baums gewonnen wird. Der Urushi Baum wird auch als Lackbaum bezeichnet, weil der Saft bei der Herstellung von Lackerzeugnissen angewendet wird. Der Tee führt zu Vergiftungserscheinungen, die mit Erbrechen und Entwässerung des Körpers einhergehen. Er tötet ebenfalls Bakterien und Maden ab und bewahrt den toten Körper vor der Verwesung.

Vor seinem Tod wird der Mönch im Lotussitz in einen engen Raum gesperrt, der gerade ausreichend Platz bot. Dabei kann es sich um einen hohlen Baumstamm handeln, der versiegelt wird, oder um einen extra angefertigten Kasten. Die einzige Verbindung zur Außenwelt ist ein Rohr zum Atmen und ein Glöckchen, welches der Mönch täglich klingeln lässt. Schweigt das Glöckchen, ist dies das Zeichen, dass der Mönch verstorben ist. Das Röhrchen wird entfernt, sodass der Raum komplett versiegelt ist. Es dauert weitere tausend Tage bis der Mumifizierungsprozess abgeschlossen ist. Erst nach dem Öffnen des Raumes wird sichtbar ob der Prozess erfolgreich war. Wenn er es war, ist der Körper in sehr gutem Zustand, sogar die Haut ist kaum vertrocknet.

Der tote Mönch wird dann präpariert und gekleidet und üblicherweise in ihrem Tempel ausgestellt. Durch seine Selbstmumifizierung ist der Mönch zum „Buddha im gegenwärtigen Körper“ (sokushinbutsu) geworden und wird als solcher verehrt. War die Mumifizierung nicht erfolgreich, wird dem Mönch diese Verehrung nicht zuteil, ihm wird jedoch Respekt gezollt für seine Entbehrungen und er wird beerdigt.

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