Wochenrückblick 21/22:2016

Die Kölner Zentralmoschee konnte trotz Protesten gebaut werden. Kann das in Erfurt auch gelingen? (Quelle: Photo by CEphoto, Uwe Aranas via Wikimedia Commons unter CC-BY-SA 3.0 Lizenz)

Die Kölner Zentralmoschee konnte trotz Protesten gebaut werden. Kann das in Erfurt auch gelingen?

Flüchtlinge unter Jubel der Passanten angegriffen * AfD gegen Moschee in Erfurt * Erstes Islam-Museum der Schweiz eröffnet * Brandanschlag auf Asylbewerberheim in Zwickau * Gewalt unter Flüchtlingen: Religiöse Motive? * Iran und Saudi-Arabien streiten über Pilgerfahrt * Islamische Gesetzesvorlage in Malaysia * Hakenkreuze auf Dorffest

  • Die AfD macht bereits gegen die geplante Moschee in Erfurt mobil. Der AfD-Fraktionschef in Thüringen, Björn Höcke, bezeichnete den Bauplan als „Teil eines langfristigen Landnahmeprojektes“ (Zitiat taz), es gab bereits eine aktuelle Stunde der Partei im Landtag zum Thema Moschee und auf dem Erfurter Domplatz eine Kundgebung mit 700 AfD-Anhängern. Im Internet war bereits ein Youtube-Video in Umlauf, welches zu Brandanschlägen auf das Gelände aufruft. Die Ahmadiyya-Gemeinde möchte auf einem Gelände in einem Gewerbegebiet in Erfurt-Marbach eine Moschee mit Kuppel und Zierminarett errichten.
  • Im schweizerischen La-Chaux-de-Fonds wurde das erste Islam-Museum des Landes eröffnet. In einer alten Uhrenfabrik können Besucher durch die islamische Geschichte reisen und wissenschaftliche sowie künstlerische Errungenschaften bestaunen. Das außergewöhnliche Ausstellungskonzept besteht aus sechs Teilen: Unkenntnis, Offenbarung, Interpretation, Ausstrahlung, Todeskampf und Neuerfindung. Die vier Millionen Franken, die das  Umbau verschlang, wurden ausschließlich durch Spenden finanziert.
  • Im sächsischen Zwickau wurde auf die dortige Asylunterkunft ein Brandanschlag verübt. Noch ist unbekannt wie die Molotowcocktails, die den Brand auslösten, ins Gebäude gelangten und wer dafür verantwortlich ist. Doch wurde der Brand zeitnah von der Wachmannschaft entdeckt und konnte mit Feuerlöschern erstickt werden.
  • Laut Polizeiangaben nehmen die Gewalttaten in Flüchtlingsunterkünften zu. Betroffen sind insbesondere Auseinandersetzungen unter den Bewohnern. Auch wenn schwer auszumachen ist, welche Motive sich hinter den Taten verbergen, deutet auf religiöse Spannungen. Nach Angaben der christlichen Kirchen konvertieren viele muslimische Geflüchtete zum Christentum, welches oftmals zu Auseinandersetzungen mit Muslimen in der Unterkunft führt. Eine solche Gewalttat wird jetzt vor dem Hamburger Landgericht verhandelt: Ein muslimischer Afghane soll einen zum Christentum übergetretenen Iraner mit einem Schlagstock geschlagen haben.
  • Der Machtkampf zwischen dem Iran und Saudi-Arabien geht in die nächste Runde: Die iranische Regierungsorganisation für Ḥaǧǧ und Pilgerfahrten hat verkündet, dass iranische Muslime in diesem Jahr nicht an der Pilgerfahrt nach Mekka teilnehmen, da Saudi-Arabien nicht für ausreichende Sicherheitsvorkehrungen gesorgt habe. Damit scheiterte der zweite Versuch eine Einigung über die Ḥaǧǧ zu finden. Saudi-Arabien wiederum gibt Iran die Schuld und betont, dass die saudische Regierung niemanden am Ausüben der religiösen Wallfahrt hindere.
  • Im malaysischen Parlament wurde ein Vorschlag der islamistischen Gruppierung Parti Islam se-Malaysia (PAS) eingereicht, welcher die Einführung eines islamischen Strafgesetzbuches nach sich ziehen könnte, inklusive Steinigung und Amputation. Überraschenderweise hat der Premierminister, Najib Razak, den Vorschlag unterstützt und damit sowohl politische Gegner als auch Verbündete vor den Kopf gestoßen. Um die Wogen zu glätten, verkündete Razak es handele sich nicht um den Versuchs islamische Strafen einzuführen sondern um eine Erweiterung bestehenden Rechts, die auch nur Muslime betreffen würde. Wie sich die Gesetzesvorlage weiter entwickelt, erfährt man erst im Oktober, denn bis dahin wurde die Debatte verschoben.
  • Bei einem Festumzug im sächsischen Colmnitz sind einige Teilnehmer als Wehrmachtssoldaten verkleidet mitgelaufen. Ihre Uniformen waren mit Hakenkreuzen und anderen nationalsozialistischen Abzeichen versehen. Nach Aussage des Fotografen Marcus Fischer störte sich niemand an diesem Aufzug. War ja schließlich ein „Schul- und Heimatfest“.

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