Reformislam – Der Modernisierung des Islam auf der Spur

In den letzten Jahren hat der Islam vor allem mit negativen Meldungen Schlagzeilen gemacht und so verwundert es nicht, dass die Vorbehalte in der Bevölkerung wachsen, wenn diese sich nicht eingehender mit dieser Religion auseinandersetzen. Der Islam wird als fortschrittsfeindlich und rückwärtsgerichtet wahrgenommen. Rufe nach einem islamischen Luther und einer islamischen Reformation werden laut. Dabei wird selten berücksichtigt, dass es schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Gedankenkonstrukte und Bestrebungen hin zu einer inneren Reform des Islams gibt.

Folgt man der Ideengeschichte des Islamismus und des Reformislams zu seinen Wurzeln, so findet man Denker, die bestrebt waren, einen fest gefahrenen Islam aus seiner Erstarrung zu lösen und ihn aus seinem Unterlegenheitsgefühl gegenüber dem Westen zu befreien. Diese Denker, allen voran Jamal ad-Din al-Afghani, Muhammad Abduh und Muhammad Rashid Rida, haben damit nicht nur islamistisches Denken beeinflusst, sondern auch den Grundstein für einen Reformislam gelegt. Die „Gründungsväter” des Reformislam wollten mit rationaler Überlegung einen zur Moderne passenden Islam schaffen. Die zentrale Stellung des Koran im Islam bleibt unangetastet, aber seine Auslegungen und die Hadithe werden einem neuen, kritischen Blick unterzogen. Durch deren Neubetrachtung sollte eine innere Reform der Gesellschaft angestoßen werden.

Die Gedanken des Reformislams, manchmal als progressiver Islam oder islamische Aufklärung bezeichnet, prägte das islamische Denken im 19. Jahrhundert und wirkt bis heute nach. Die Vereinbarkeit des Islams mit einer freiheitlich demokratischen Grundordnung steht heute im Fokus vieler Reformdenker. Denn auch wenn von Islamisten die Ansicht vertreten wird, dass diese Vereinbarkeit nicht zu erreichen ist, strebt doch die Mehrheit der Muslime in ihrem Leben danach.

Mehr über die Entstehung des Reformislam und seiner Denker erfahrt ihr im zweiten Teil der Reihe.

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