Wochenrückblick 26:2016

Om (oder Aum) Zeichen. (Quelle: Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Om (oder Aum) Zeichen.

Antisemitismus in der AfD * Papyrusfragment über Jesus‘ Frau wohl Fälschung * Hindu-Symbol auf Schuhen: Blasphemie-Anklage für Pakistaner * Die Türkei und die „Kreuzfahrermentalität“ des Papstes * IS-Rückkehrer vor deutschem Gericht * Schuldbekenntnis von Shanghaier Bischof erzwungen?

  • Der AfD-Abgeordnete Wolfgang Gedeon wird vorerst nicht aus der Fraktion des baden-württembergischen Landtages ausgeschlossen. Er war für seine Verharmlosung des Holocaust als „gewisse Schandtaten“ ins Kreuzfeuer geraten. Darüber hinaus hatte er Holocaust-Leugner als „Dissidenten“ bezeichnet. Franktionschef Jörg Meuthen hatte seine eigene politische Zukunft mit der Entscheidung über Gedeons Ausschluss aus der Fraktion verknüpft. Er hatte die Abgeordneten aufgefordert mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit für den Ausschluss Gedeons zu stimmen. Ansonsten werden er zurücktreten. Diese Entscheidung wurde vertagt auf September. Bis dahin ruht die AfD-Mitgliedschaft von Wolfgang Gedeon.
  • Nach seiner Entdeckung galt das kleine Stück Papyrus als kleine Sensation: in 33 Wörtern ist von der Ehefrau von Jesus die Rede. Doch womöglich handelt es sich um eine Fälschung. Kritiker haben darauf hingewiesen, dass das Koptische, in welchem die 14 Zeilen verfasst sind, fehlerhaft ist, sowie starke Ähnlichkeit mit dem Evangelium von Thomas hat, einem Evangelium das nicht in die Bibel aufgenommen wurde. Der Entdeckerin des Fragments, Professor Karen L. King, wurde das Pergament von einem anonymen Sammler gezeigt und über seine weitere Geschichte sei nichts bekannt. Die Zeitung The Atlantic will den Besitzer in Florida ausfindig gemacht haben, einen Mann, der Ägyptologie studiert hat und Koptisch beherrscht. Da zu seinem Lebenslauf auch die Beteiligung an Pornofilmen gehört, neigen King und The Atlantic dazu, dass es sich bei dem Fragment um eine Fälschung handelt.
  • In Pakistan wurde ein Mann von der Polizei verhaftet, weil er Schuhe mit dem hinduistischen „Om“-Symbol verkaufte. Dies verstößt gegen das strenge Blasphemiegesetz, welches die Beleidigung einer Religion unter Strafe stellt. Dem Ladenbesitzer aus Tando Adam, der die Schuhe verkaufte, sei nach Auskunft der Polizei wohl nicht bewusst gewesen, dass es sich bei dem Symbol um ein heiliges hinduistisches Zeichen handele. Im schlimmsten Fall drohen dem Mann nun 10 Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe. Tando Adam liegt in der Provinz Sindh, in der die Mehrheit der drei Millionen Hindus Pakistans leben.
  • Papst Franziskus hat während seiner Rede vor dem armenischen Präsidenten und dessen Regierung bereits zum zweiten Mal vom Genozid der Armenier gesprochen und damit die Türkei verärgert. Nachdem der Papst die Morde an den Armeniern im vergangenen Jahr als Völkermord bezeichnet hatte, wurde der Botschafter von der Türkei einbestellt und konnte erst nach zehn Monaten seinen Dienst wieder antreten. Diesmal bezog der stellvertretende Premierminister, Nurettin Canikli, dazu Stellung und sprach von einer „Kreuzfahrermentalität“ des Papstes. Der Sprecher des Vatikans, Federico Lombardi, widersprach dem und verwies darauf, dass der Papst nicht ein Wort gegen das türkische Volk gesprochen habe.
  • Vier Jahre Hausarrest hatte der Shanghaier Bischof Thaddeus Ma Daquin für seine Weigerung mit dem Kirchendachverband CPCA (Chinese Patriotic Catholic Association) zusammenzuarbeiten. Nun hat er überraschend seine Weigerung zurückgenommen und seine Distanzierung bedauert. Der emeritierte Hongkonger Erzbischof Kardinal Joseph Zen sieht darin ein Zwangsschuldbekenntnis und fordert den Vatikan auf, für Klärung zu sorgen und sowohl den Ruf der Kirche als auch den Ruf des Bischofs Ma Daquin zu schützen. Der Vatikan reagierte darauf mit der Bitte, „den Fall nicht zu dramatisieiren und auf ‚Klärung‘ zu warten“.

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.