Schon gewusst…? Religious othering

Ursprünglich stammt der Begriff „othering” aus der Philosophie, findet inzwischen jedoch in vielen Gebieten Anwendung, z. B. in der Ethnologie, Pädagogik und Soziologie. Man beschreibt damit den Prozess, sich selbst von Menschen mit anderen Merkmalen abzugrenzen. Denn jeder Mensch hat das Bedürfnis seine Umgebung zu kategorisieren und „das Andere” ist notwendig um die eigene Identität abzugrenzen. Es erleichtert die Antworten auf die Fragen „Was bin ich?”, „Was bin ich nicht?”. Die Kategorien, in denen diese Abgrenzungsprozesse stattfinden, können sehr unterschiedlich sein – Rasse, Religion, Ethnie, Nationalität, Kultur, Geschlecht, sexuelle Orientierung.

Othering – auch im Deutschen wird meist das englische Wort benutzt, weil es keine adäquate Übersetzung gibt – kann in der Definition von „Anderen” jedoch auch zu Feindbildern und Fremdenfeindlichkeit führen. Othering hat in seinen extremsten Ausprägungen zu Holocaust und Apartheid geführt.

Doch auch heute sind die negativen Auswirkungen von Othering deutlich sichtbar und das in seiner spezifischen Form des „religious othering”, wenn Menschen also aufgrund ihrer Religion als „anders” klassifiziert werden. Dafür muss man nicht weiter als vor die eigene Haustür schauen. Muslime tragen zurzeit deutlich das Stigma des „Andersseins” und werden als fremd wahrgenommen. Dieses Stigma verschwindet auch dann nicht, wenn Muslime mit denen, die sie ausgrenzen, viele Merkmale – wie Rasse, Ethnie, Nationalität und Kultur – teilen.

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