Schon gewusst…? Muslimische Seefahrer in Amerika vor Kolumbus

Christoph Kolumbus, Vasco da Gama, Ferdinand Magellan und Amerigo Vespucci – die Namen der großen Entdecker des 15. und 16. Jahrhunderts sind wohlbekannt. Doch wären ihre Entdeckungsfahrten nicht möglich gewesen ohne das Wissen muslimischer Seefahrer. Nautische Instrumente wie das Astrolabium, der Kompass und der Jakobsstab waren Muslimen schon lange bekannt und wurden genutzt um Navigationstabellen und Karten zu erstellen.

Weltkarte von Juan de la Cosa. (Quelle: via Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Weltkarte von Juan de la Cosa.

Durch die Möglichkeit, Längengrade auf See zu bestimmen, konnten muslimische Kartographen äußerst detaillierte Karten anfertigen. Besonders gut kartographiert war der Indische Ozean, der von muslimischen, chinesischen und indischen Seefahrern befahren wurde. Doch auch der Atlantik war Muslimen nicht unbekannt. Bereits der Literat al-Mas’udi (gest. 956) berichtete von Seefahrern, die sich auf das „Meer der Finsternis” wagten. Viele kehrten von diesen Reisen nie zurück, doch ist auch die Rede von erfolgreichen Rückkehrern mit reicher Beute.

Angeblich soll auch Kolumbus bereits mit einer Karte, auf der die von ihm zu entdeckenden Inseln Mesoamerikas verzeichnet waren, losgesegelt sein. Magellan besaß höchstwahrscheinlich eine auf arabischen Karten beruhende Karte, auf der die „Magellanstraße” bereits eingezeichnet war.

Quelle: Sezgin, Fuat: Geschichte des arabischen Schrifttums. Band 13, S. 21.

Quelle: Sezgin, Fuat: Geschichte des arabischen Schrifttums. Band 13, S. 21.

Leider gibt es nur noch eine einzige Karte eines muslimischen Autors jener Zeit, die bis heute erhalten ist. Diese ist jedoch äußerst bemerkenswert. 1513 zeichnete Pīrī Re’īs eine Karte vom Küstenverlauf Nord- und Südamerikas. Auf ihr sind bereits Details abgebildet, die von den Portugiesen erst Jahre später entdeckt werden, z. B. die Mündung des Flusses La Plata, auf den die Europäer 1516 stießen. Darüber hinaus ist die Karte von einer Genauigkeit, die es fast mit heutigen Karten aufnehmen kann. Legt man die Karte Pīrī Re’īs auf die heutigen Umrisse im Atlas, so wie es der Islamwissenschaftler und Arabist Fuat Sezgin getan hat, ergibt sich eine verblüffende Übereinstimmung.

Eine andere Karte, die es mit der Genauigkeit von der Pīrī Re’īs aufnehmen kann, ist die weiter oben abgebildete Karte von Juan de la Cosa. Er reiste auf der Santa Maria mit Kolumbus und fertigte nach seiner Rückkehr nach Europa jene Karte an. Nach wissenschaftlicher Einschätzung wurden beide Karten nicht voneinander kopiert, doch könnten gemeinsame Kartenquellen vorgelegen haben.

Es fehlen abschließende endgültige Beweise um mit Sicherheit sagen zu können, ob muslimische Seefahrer die Küsten Amerikas bereits vor Kolumbus erkundeten, doch legen die heute noch existierenden Karten nahe, dass muslimische Seefahrer mit ihrem Wissen und ihren Instrumenten durchaus in der Lage gewesen waren, den Atlantik zu überqueren und das entdeckte Land zu kartographieren.

Zum Weiterlesen: Sezgin, Fuat: Die Entdeckung des amerikanischen Kontinents durch muslimische Seefahrer vor Kolumbus. Geschichte des arabischen Schrifttums, Band XIII. Frankfurt/Main, 2006. Ein Exzerpt kann man hier lesen.

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