Burkini-Panik in Frankreich – Kommentar

Ob Burkinis auch mal so selbstverständlich angepriesen werden? (Quelle: Mahesh Shantaram via Wikimedia Commons unter Lizenz CC-BY-SA 2.0)

Ob Burkinis auch mal so selbstverständlich angepriesen werden?

Der Burkini sorgt an Frankreichs Stränden für Aufruhr, bereits mehrere Städte  haben das Tragen dieses speziellen Badeanzugs verboten. Geldstrafen drohen Frauen, die ‚zu viel‘ beim Schwimmen im Meer tragen.  Das erinnert stark an das Schicksal des Bikinis bevor er seinen Siegeszug in der Modewelt angetreten hat.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war es der Bikini, welcher die Gemüter erhitzte. An den meisten Stränden Europas war er verboten und Frauen, die trotzdem Bikini tragend angetroffen wurden, drohte Verhaftung. Eine der Ausnahmen waren Strände im Süden Frankreichs, die das skandalöse Kleidungsstück erlaubten.

Doch das ist lange her. Von weltoffener Toleranz für neue Modeerscheinungen kann an südfranzösischen Stränden gerade nicht die Rede sein. Das skandalöse Kleidungsstück ist diesmal der Burkini, ein Badeanzug, bei dem meist nur Füße, Hände und Gesicht sichtbar sind. Die Städte Nizza, Cannes und Sico (Korsika) haben den Burkini in den letzten Tagen von ihren Stränden verbannt. Weitere Gemeinden haben bereits angekündigt, dem folgen zu wollen.

Der Stein des Anstoßes: Frau im Burkini. (Quelle: Giorgio Montersino via Wikimedia Commons unter Lizenz CC-BY-SA 2.0)

Der Stein des Anstoßes: Frau im Burkini.

Diese Panik vor einem simplen Kleidungsstück ist selbst vor dem Hintergrund der Anschläge in Frankreich schwer verständlich. Es ist erstaunlich, was im Burkini alles gesehen wird. Bernard Cazeneuve, seines Zeichens Innenminister, bezeichnete den Burkini als „Übersetzung eines politischen Vorhabens”, dahinter stehe die Auffassung Frauen seien „von Natur aus unkeusch und unrein” (tagesschau). Selbst Premierminister Manuel Valls sprach davon, dass die französischen Strände vor „religiöser Inanspruchnahme” (tagesschau) geschützt werden müssten. In der Begründung der Stadt Cannes für das Verbot der Burkinis am Strand steht, dass er „Bezug auf eine Zugehörigkeit zu terroristischen Bewegungen, die uns den Krieg erklärt haben” (Spiegel Online) nehme.

Der Burkini wird derart politisch aufgeladen, dass ihm sogar abgesprochen wird, eine Mode zu sein. Bei aller Panik ist und bleibt er aber genau das: ein Stück Mode. Und hoffentlich wird sich dieses Stück Mode ebenso seinen Platz in der Modewelt erobern wie der Bikini es vor ihm getan hat. Dann lässt sich auch der Strandtag wieder genießen – egal wie viel oder wenig frau anhat.

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