Mutter Teresa – eine Heilige und ihre Kritiker

Mutter Teresa 1986. (Quelle: Túrelio via Wikimedia Commons, unter Lizenz CC-BY-SA 2.0)

Mutter Teresa 1986.

Seit dem 04. September ist Mutter Teresa als heilige Teresa von Kalkutta von Papst Franziskus in einer feierlichen Zeremonie auf dem Petersplatz im Vatikan heiliggesprochen worden. Ihr Leben hatte Mutter Teresa schon früh der Religion gewidmet, doch Kritik an ihrer Missionsarbeit ist bis heute nicht verstummt. Was ist dran am Mythos Mutter Teresa?

Es war eine der schnellsten Heiligsprechungen in der Geschichte der katholischen Kirche. Gerade mal 19 Jahre sind seit dem Tod von Mutter Teresa vergangen. Bereits für die vor der Heiligsprechung notwendige Seligsprechung wurde für Mutter Teresa beschleunigt. Üblicherweise wird das Verfahren zur Seligsprechung frühestens fünf Jahre nach dem Tod eingeleitet, im Fall von Mutter Teresa beschleunigte Papst Johannes Paul II. die Vorgehensweise und die Seligsprechung begann bereits zwei Jahre nach dem Tod der Ordensgründerin.

Die Hürden einer Heiligen

Der Prozess der Seligsprechung kann sich jahrelang, mitunter auch jahrzehntelang hinziehen. Es wird untersucht, ob das Leben des Betreffenden im „Rufe der Heiligkeit” stand. Dafür werden auch Freunde, Verwandte und Zeitzeugen befragt. Handelt es sich bei dem Betreffenden nicht um einen Märtyrer, muss zudem ein Wunder nachgewiesen werden.

Im Fall von Mutter Teresa war der Seligsprechungsprozess bereits nach vier Jahren beendet. Ein Wunder war schnell gefunden: Eine krebskranke Frau war durch das Auflegen eines Bildes von Mutter Teresa wieder gesund geworden. Dass die behandelnden Ärzte das anders sahen, schien weder die Geheilte noch den Kirchenanwalt – dem die Aufgabe zukommt nach Tatsachen zu forschen, die einer Seligsprechung entgegenstehen – sonderlich zu stören.

Eine Heiligsprechung dauert üblicherweise noch länger als eine Seligsprechung. Denn dafür muss ein zweites Wunder nachgewiesen werden (wenn es sich nicht um einen Märtyrer handelt). Ein zweites, wieder medizinisches, Wunder fand sich im Fall von Mutter Teresa bei einem von Hirntumoren geheilten Brasilianer. Eine medizinische Expertenkommission hatte die Heilung als wissenschaftlich nicht erklärbar anerkannt und eine kirchliche Expertenkommission hatte dann als Wunder eingestuft, dass die Familie des Kranken Mutter Teresa um Hilfe gebeten hatte. So konnte Mutter Teresa pünktlich zum von Papst Franziskus ausgerufenen „Jahr der Barmherzigkeit” vor Tausenden von Verehrer und Pilgern als heilige Teresa von Kalkutta verehrt werden.

Das Leben einer Heiligen

Mutter Teresa wurde als Anjezë (Agnes) Gonxha Bojaxhiu am 26. August 1910 in Üsküp (heute Skopje) im damaligen Osmanischen Reich geboren. Ihre Eltern waren wohlhabende Albaner, die ihre Kinder im katholischen Glauben erzogen. Nach dem Tod ihres Vaters 1918 wandte sich Agnes verstärkt der Religion zu und entschied sich bereits im Alter von 12 Jahren für ein Leben als Ordensfrau. Daher trat sie mit 18 Jahren als Novizin bei den Sisters of the Bloody Mary ein, einem Zweig der Loretoschwestern.

Während ihres Noviziats war Agnes ab 1929 in Darjeeling tätig und nachdem sie ihr Ordensgelübde abgelegt hatte – mit dem sie den Namen Teresa angenommen hatte – war sie 17 Jahre lang als Lehrerin an einer katholischen Schule in Kalkutta tätig. Sich den Armen und Kranken zu widmen, war eine Berufung, derer sich Teresa durch eine, wie sie selbst berichtet, mystische Erfahrung mit Jesus bewusst wurde.

Bis zu ihrem Lebensende widmete Teresa sich Obdachlosen, Kranken (besonders Leprakranken) und Sterbenden. Sie gründete mit elf Schwestern die Ordensgemeinschaft der „Missionarinnen der Nächstenliebe“, der heute über 4.500 Mitglieder angehören. Mutter Teresa hat für ihre Arbeit zahlreiche Preise erhalten, darunter der Balzan-Preis für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern und der Friedensnobelpreis.

Die Kritiker einer Heiligen

Doch auch die Heiligsprechung von Mutter Teresa kann die kritischen Stimmen zu ihrer Arbeit nicht zum Schweigen bringen. Im Zentrum der Kritik steht oftmals die finanzielle Situation des Ordens. Dank der Berühmtheit, welche die Ordensgründerin zu Lebzeiten erreichte, flossen den „Missionarinnen der Nächstenliebe” reichlich Spenden zu. Die guten Beziehungen zu Berühmtheiten wie Prinzessin Diana taten ihr übriges für den Spendenfluss. Doch waren unter den Spendern auch durchaus zwielichtige Gestalten wie der ehemalige Diktator von Haiti, „Baby Doc” Jean-Claude Duvalier, und der Finanzbetrüger Charles Keating aus den USA.

In finanzieller Hinsicht fehlt es dem Orden bis heute an Transparenz. Es wird nicht offengelegt, woher ein Großteil der Gelder stammt, noch wofür sie eingesetzt werden. Weiterhin muss man sich fragen, wo die Spenden versickern, wenn immer wieder Kritik an der prekären hygienischen Situation und medizinischen Versorgung in den Sterbehospizen des Ordens geäußert wird. Es würden abgelaufene Medikamente verabreicht oder sogar gar keine obwohl sie vorhanden sind, weil die Kranken in ihren Schmerzen das Leiden Jesu nachempfinden.

Zudem vertrat Mutter Teresa die Linie der katholischen Kirche gegen Abtreibungen und Verhütung. Bei der Übergabe des Friedensnobelpreises, den sie 1979 verliehen bekam, bezeichnete sie die Abtreibung als den größten Zerstörer des Friedens. Ihr wird oft vorgeworfen, dass sie in ihrer Bekanntheit soziale Nöte deutlicher hätte anklagen müssen.

Doch dabei wird vergessen, was diese Frau in erster Linie war: eine katholische Missionarin. Sie kümmerte sich um Kranke und Sterbende aus christlicher Nächstenliebe heraus, aber immer mit dem Anspruch, sie für den christlichen Glauben zu gewinnen. In der Diskussion um humanitäre oder medizinische Erwartungen wird der wichtige Aspekt der eigenen Motivation Mutter Teresas nur allzu oft übergangen. Die Aufnahme Mutter Teresas als heilige Teresa von Kalkutta in den Kreis der Heiligen trägt dieser religiösen Motivation ihrer Taten Rechnung.

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