Schwetzingen: Eine Moschee im Schlossgarten

Moschee Schwetzingen - Westansicht. (Quelle: Andree Stephan via Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0)

Moschee Schwetzingen – Westansicht.

Gartenmoscheen waren zur Zeit der „Türkenmode” im 18. Jahrhundert bei fleißig bauenden Herrschenden der letzte Schrei. Gebetet wurde in den wenigsten dieser Moscheen. Die letzte ihrer Art kann man heute noch im malerischen Schwetzingen

 

Die Moschee in Schwetzingen ist Teil des aufwendig gestalteten Gartens, der sich hinter dem Schwetzinger Schloss erstreckt. Im 14. Jahrhundert noch eine mittelalterliche Wasserburg, wurde der Bau nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg und im Pfälzischen Erbfolgekrieg wieder aufgebaut und erhielt im 18. Jahrhundert sein heutiges Antlitz. Besonderen Verdienst hatte der Kurfürst Karl Theodor (1724-1799), der das Schloss zur Sommerresidenz ausbaute und den barocken Schlossgarten anlegte.

In der Barockanlage gibt es neben einem Badhaus und einem Naturtheater auch eine Gartenmoschee, die heute die letzte erhaltene ihrer Art in Europa ist. Errichtet wurde sie zwischen 1779 und 1795 nach dem Vorbild der Gartenmoschee von William Chambers in Kew Gardens sowie Entwürfen von Johann Fischer von Erlach. Die Architektur der Moschee verbindet bauliche Elemente des Barock mit orientalischer Architektur. Es finden sich sowohl barocke Kuppeln, spitzbogige Fenster, Rundbogenarkaden, Minarette, Pavillons und Halbmondverzierungen.

Moschee Innenansicht Kuppel. (Quelle: Berthold Werner via Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0)

Moschee Innenansicht Kuppel.

Der Innenraum der Moschee gliedert sich in einen runden Zentralraum mit jeweils einem Anbau auf jeder Seite. Der Grundriss ähnelt stark jenem der Kew-Gardens-Moschee. Die Innengestaltung ist farbenfroh und wird von der Kuppel im Zentralraum beherrscht. Inschriften sind golden ausgelegt und sowohl in arabischer als auch deutscher Sprache angebracht. Es handelt sich um Sinnsprüche, die nicht speziell islamisch sind, sondern allgemeine Tugenden wie Weisheit und Fleiß preisen.

Die Moschee wird umgeben von Wandelgängen und erinnert darin an orientalische Moscheen. Es fehlen jedoch jedwede liturgische Einrichtungen wie sie in jeder Moschee der islamischen Welt zu finden ist. Es gibt keine Möglichkeit der rituellen Reinigung vor dem Gebet, im Innenraum gibt es keine Gebetsnische, welche die Gebetsrichtung nach Mekka ausweist und auch keine Kanzel, von der freitags üblicherweise eine Rede gehalten wird.

Moschee mit Wandelgängen. (Quelle Andree Stephan via Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0)

Moschee mit Wandelgängen.

Zur Verrichtung von Gebeten durch Muslime wurde das Gebäude bisher nur zu zwei Zeitpunkten seiner Geschichte. Nach dem Deutsch-Französischen-Krieg 1870/71 und in den 1980er-Jahren.

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