Judentum III: Zionismus in Geschichte und Gegenwart

Theodor Herzl

Theodor Herzl. (Quelle: Wikimedia, gemeinfrei)

Die Idee, nach der das jüdische Volk ins Land Israel zurückkehrt, war bei den Juden in der Diaspora immer präsent. Die religiöse Vorstellung einer Rückkehr nach „Zion” wurde jedoch erst im 19. Jahrhundert vor dem Hintergrund der Herausbildung europäischer Nationalstaaten zu einer politischen Idee mit weitreichenden Konsequenzen. Der Zionismus arbeitete auf die Gründung eines eigenen jüdischen Staates hin. Mit der Staatsgründung Israels 1948 werden jedoch auch religiöse und politische Elemente auf die zionistische Idee zurückgeworfen.

Moses Hess, seines Zeichens Schriftsteller und Philosoph, war der Erste, der die religiöse Idee der Rückkehr in ein politisches Ziel umformulierte. In seinem Werk „Rom und Jerusalem” von 1862 regte er einen jüdischen Nationalstaat als Lösung für die sogenannte Judenfrage in Palästina an. Die Vorstellung eines jüdischen Nationalstaates fand aber erst durch einen anderen Schriftsteller weite Verbreitung: Der Journalist Theodor Herzl begründete mit seiner Schrift „Der Judenstaat” (Text beim Projekt Gutenberg) den Zionismus und vereinte damit alle jüdischen Gruppierungen, die von einem eigenen jüdischen Territorium träumten. Dabei musste es sich nach der Vorstellung vieler Zionisten nicht zwangsläufig um Palästina handeln.

Diese Fixierung auf „das Land der Väter” (Landtheologie) festigte sich erst nach dem 7. Zionistischen Weltkongress 1905 in Basel. In der Folge verschränkte sich die religiös motivierte Landtheologie mit der zionistischen Politik und veränderte den Zionismus, der Religion gegenüber zunächst eine neutrale oder säkulare Haltung vertreten hatte. Die Legitimation für einen eigenen Staat ließ sich somit sowohl religiös als auch säkular begründen. Während aus jüdisch-religiöser Sicht das Land Israel für das Volk Israel vom Gott Israels abgesegnet wurde, galt es aus säkular-zionistischem Blickwinkel schlicht als unveräußerliches Volkseigentum.

Immensen Einfluss auf das Selbstverständnis des jüdischen Staates, der 1948 gegründet wurde, hatte die Erfahrung der Shoah (hebr. für Katastrophe), die massenhafte Verfolgung und Tötung von Juden unter dem Nazi-Regime. Es ist nachvollziehbar, dass sich der jüdische Staat daher als Zufluchtsstätte für verfolgte Juden sah. Es erklärt zudem auch, warum für die zentrale Sicherheits- und Schutzfunktion des Staates die politisch-militärische Macht zum Mittel der Wahl wurde.

Infolge des Sechstagekrieges im Juni 1967 lässt sich beobachten, dass der Zionismus in seinen Grundzügen religiöser wurde. Die zionistische „Landideologie” verschmolz endgültig mit der traditionellen „Landtheologie”. Dies führt jedoch bis heute im israelischen Staat zu Problemen. Denn auch wenn die Unabhängigkeitserklärung (Israel hat keine Verfassung) prinzipiell Religionsfreiheit gewährt, ist die dominierende Rolle des orthodoxen Judentums unübersehbar. Die nationalen öffentlichen Feiertage sind der Shabbat (Details zu jüdischen Festen gibt es in Teil 2 der Judentum-Serie) und die jüdischen Feiertage. In staatlichen Institutionen gibt es ausschließlich koscheres Essen.

Besonders tritt das orthodoxe Monopol jedoch in der doppelten Rechtsordnung zutage, da neben dem staatlichen Recht ein Großteil des Personenstandrechtes rabbinischen Gerichten unterliegt. Damit fallen Belange wie Eheschließungen und Scheidungen in die Entscheidungshoheit orthodoxer Rabbiner – egal welcher jüdischen Strömung man angehört.

Auch in der „großen Politik” ist seit den 1970er-Jahren ein rechtszionistische Tendenz zu bemerken. Das äußerte sich besonders deutlich in der 1985 vom Parlament erlassenen Definition Israels als „Staat des jüdischen Volkes”. Die jüdische Geschichte wird immer stärker als Verfolgungs- und Katastrophengeschichte ausgelegt, die im Holocaust ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Damit werden Schritte gerechtfertigt, die einer Existenzgefährdung Israels entgegenwirken sollen.

„Die jüdische Religion erhielt dadurch offiziell den Charakter eines orthodox-nationalistischen Monopols mit der Funktion, die Politik der Regierung Israels kritiklos zu unterstützen und zu verteidigen.” (Maier: Judentum 2007, S. 182)

Diese Politik hat nicht nur intolerante Verhaltensweisen gegenüber innerjüdischer Kritik zur Folge, sondern wirkt sich direkt auf die Außenpolitik und die israelische Haltung im Konflikt mit den Palästinensern aus.

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