Shintoismus I: Religion in Japan

Japaner im Gebet.

Japaner im Gebet. (Quelle: Kalandrakas, CC-BY-SA 2.0)

Wer die religiöse Landschaft Japans betrachtet, dem wird auffallen, dass sie äußerst vielfältig ist, ohne dass große Weltreligionen wie Christentum und Islam eine bedeutende Rolle spielen. Denn die Show stiehlt eindeutig die besondere, verwobene Beziehung zwischen Shintoismus und Buddhismus.

Angaben zur Religionszugehörigkeit variieren in Japan sehr stark, je nachdem woher sie stammen. Umfragen in der Bevölkerung zeigen ein geringes Interesse an Religion. Das jährlich herausgegebene „Jahrbuch der Religionen“ (shukyo benran) hingegen erfasst eine Gesamtzahl der Gläubigen, welche die Bevölkerung Japans um ein Drittel übersteigt. Diese Zahlen kommen zustande, da die Schreine und Tempel die registrierten Gläubigen melden. Darunter fallen alle Menschen, die eine religiöse Dienstleistung erbitten oder in der Nähe wohnen.

Es ist jedoch nicht ungewöhnlich mal einen shintoistischen Schrein zu besuchen und mal in einem buddhistischen Tempel zu beten. Tatsächlich hat sich eine Art Arbeitsteilung zwischen shintoistischen und buddhistischen Riten etabliert: für Anlässe wie Geburten und Hochzeiten wenden sich viele an shintoistische Priester (wobei Hochzeiten nach christlichem Ritual immer beliebter werden!), Beerdigungen werden nach buddhistischen Riten durchgeführt. Auf diese Weise ergänzen sich beide Glaubenssysteme. Eine weitere Voraussetzung für das harmonische Miteinander: Weder im Buddhismus noch im Shintoismus gibt es „eifersüchtige Götter“ (wie Ernst Lokowandt es ausdrückte). Die Gläubigen können sich mit ihren Anliegen nicht nur an einen shintoistischen Gott wenden, sondern an mehrere oder an Shinto-Götter und Bodhisattvas und Buddhas. Von keiner Seite droht dem Bittsteller dafür eine Strafe.

Auch wenn sich viele Japaner nicht als religiös bezeichnen würden, gehört zu besonderen Anlässen ein Besuch beim Schrein oder Tempel für sie doch dazu. Es ist zudem nicht ungewöhnlich, morgens auf dem Weg zur Arbeit einen kurzen Abstecher zum nächstgelegenen Schrein oder Tempel zu machen und dort ein Gebet zu sprechen. Das muss nicht bedeuten, dass dieser Besucher besonders gläubig ist. Es bedeutet auch nicht, dass das Gebet besonders tiefgründig sein muss. Ein erfolgreiches Geschäftsgespräch oder Erfolg in der Prüfung haben ebenso ihre Berechtigung wie Gesundheit für die Familie oder Weltfrieden.

Was es im Shintoismus mit Göttern, Schreinen und Ritualen genau auf sich hat, erfahrt ihr im nächsten Teil!

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