Christentum II: Trinitätslehre

Darstellung der Trinität als dreigesichtige Figur.

Darstellung der Trinität als dreigesichtige Figur. (Quelle: via Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Es ist eine auffallende Charakteristik des christlichen Monotheismus, welche die Mehrheit der „Christentümer“ gemeinsam haben: die Lehre vom dreifaltigen Gott. Die Trinitätslehre ist ein theologischer Geniestreich, verlässt er doch nie die Grenzen des Monotheismus, vereint jedoch gleichzeitig die Göttlichkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist.

Das Christentum entstand zunächst als jüdische Sekte und damit auch im Kontext des strengen jüdischen Monotheismus. Mit der Erhebung von Jesus Christus in die Göttlichkeit waren aus jüdischer Sicht viele Anhänger des angeblichen Messias fast schon Gotteslästerer. Darüber hinaus ebenfalls den Heiligen Geist (auch Geist Gottes), der häufig durch eine Taube dargestellt wird, in Gottesnähe zu rücken, galt definitiv als Blasphemie. Die frühe Form der Dreifaltigkeit zeigte sich während der Aufnahme in die christliche Gemeinschaft durch die Taufe, die „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ vollzogen wurde und bis heute wird.

Auch wenn sich das Christentum vom Judentum emanzipierte, dauerte es noch bis zum 4. Jahrhundert bevor das Konzept der Dreieinigkeit dogmatisch festgeschrieben wurde. Eine Festlegung war notwendig geworden, da immer mehr christliche Häresien entstanden waren, die eine drohende Fragmentierung des christlichen Glaubens bedeuteten.

Konzil von Nicäa. Arius ist am Boden dargestellt.

Konzil von Nicäa. Arius ist am Boden dargestellt. (Quelle: Jjensen via Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0)

Die Mehrheit der Christen glaubte, dass Gott nur eine Natur hat, welche sich jedoch in drei Personen manifestiert: Vater, Sohn und Geist. Davon abweichend verneinte der Presbyter (eine Vorstufe des späteren Priesters) Arius um 320 die Göttlichkeit von Jesus Christus. Zeitweise schien es sogar, als könne sich der nach ihm benannte Arianismus als Mehrheitsüberzeugung durchsetzen. Doch auf dem Konzil von Nicäa, auf dem 325 alle Bischöfe zusammenkamen, wurde beschlossen, dass Christus die gleiche Substanz habe wie Gott. Aus Sicht des jungen christlichen Establishments war ein entschiedener Beschluss gegen die arianischen Überzeugungen notwendig, erfolgte die Erlösung doch durch Christus. Wenn Christus jedoch nicht göttlich ist, wird eine Rettung durch ihn natürlich unmöglich.

Rund 50 Jahre später bekräftigte das Konzil von Konstantinopel nicht nur die Göttlichkeit von Jesus Christus, sondern auch die des Heiligen Geistes. Die finale Absage an christliche Sonderformen wie den Arianismus, die das Konzept der Dreifaltigkeit ablehnen, erfolgte erst 1442 auf dem Konzil von Florenz. Bis heute haben sich antitrinitarische Denominationen im Christentum erhalten, doch die überwältigende Mehrheit folgt einem von zwei Dreifaltigkeitsvorstellungen.

In der westlichen bzw. lateinischen Vorstellung von der Dreieinigkeit bilden Vater, Sohn und Heiliger Geist eine Einheit. Sie gehören zusammen, sind untrennbar miteinander verbunden. Keiner ist dem anderen über- oder untergeordnet. Sie bilden einen harmonischen Kreis, oder ein Dreieck.

Darstellung des lateinischen Trinitätskonzepts.

Darstellung des lateinischen Trinitätskonzepts. (Quelle: via Wikimedia Commons, gemeinfrei)

In der östlichen bzw. griechischen Vorstellung der Trinität lässt sich eine eindeutige Hierarchie ausmachen. Man könnte sogar von einer „Monarchie des Vaters“ sprechen. Jede Handlung  beginnt beim Vater, wird durch den Sohn perfektioniert und geht auf den Heiligen Geist über, der dann als Brücke in unsere Welt fungiert.

Für die meisten christlichen Gläubigen hat das Konzept der Trinität keinen oder kaum Einfluss auf ihr religiöses Leben, egal welcher Denomination sie angehören. Wie mannigfaltig die „Christentümer“ sein können, erfahrt ihr im dritten Teil der Christentum-Serie. Bis dahin freue ich mich auf eure Rückmeldung via Kommentarfunktion, Facebook, Twitter oder Mail. Also keine Scheu!

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.