Konfuzianismus I: Einführung

Konfuzius, Darstellung aus der Tang-Zeit.

Konfuzius, Darstellung aus der Tang-Zeit. (Quelle: via Wikimedia Commons, gemeinfrei)

In China gehört der Konfuzianismus zu den sogenannten drei Lehren (sanjiao). Dazu wird auch der Daoismus und der Buddhismus gezählt, welche die religiöse Landschaft Chinas prägen. Alle drei Lehren werden mal als Religion, mal als Philosophie oder Tradition beschrieben, denn sie entziehen sich dem westlich geprägten Vorstellungen einer Religion. Auch in China selbst gehört der Konfuzianismus nicht zu den fünf offiziell anerkannten Religionen (Buddhismus, Daoismus, Katholizismus, Protestantismus, Islam).

Im Zusammenhang mit asiatischen Religionen im Allgemeinen und dem Konfuzianismus im Besonderen ist es notwendig sich von einer monotheistisch geprägten Religionsvorstellung zu verabschieden. Europäische Religionsbegriffe sind schlicht inadäquat. Selbst der Begriff Konfuzianismus ist umstritten, beruht er doch auf den von Jesuiten lateinisierten Namen Kong Zis (Konfuzius). Die Jesuiten verstanden den Konfuzianismus als Philosophie, erlaubte ihnen diese Zuordnung doch sich näher mit konfuzianischen Gedanken auseinanderzusetzen. Die Vereinbarkeit des Christentums mit dem Konfuzianismus wurde in der Folgezeit immer wieder in Frage gestellt und es gab Auseinandersetzungen darüber, ob die konfuzianischen Lehren als Religion oder Philosophie zu behandeln seien.

Der Terminus Konfuzianismus lässt zudem vermuten, Konfuzius würde im Zentrum der Lehren stehen. Doch das wäre ebenso fehlgeleitet wie die Fremdbezeichnung Mohammedaner für Muslime. Darüber hinaus wird der Begriff Konfuzianismus in China als ru bezeichnet. Ru bezeichnete ursprünglich Experten, die in den sogenannten sechs Künsten bewandert waren. Dazu gehörten Schreiben, Rechnen, Musik, Riten, Bogenschießen und Wagenlenken. Diese Künste sorgten für einen körperlichen Ausgleich zu den geistigen Übungen buddhistischer Lehren. Heutzutage bezieht sich ru auf die von Konfuzius begründete Lehrtradition und ihre Interpreten. Es gab auch in Europa Bestrebungen von ru-Lehren zu sprechen anstatt von Konfuzianismus, doch hat sich dies leider nicht durchgesetzt.

Der Konfuzianismus erscheint uns „Westlern“ diffus, gibt es doch weder eine offizielle Organsiation oder religiöses Personal, noch Übergangsriten, welche den Übertritt zum Konfuziansimsu kennzeichnen. Selbst bestehende Tempel sind nicht als religiöse, sondern als kulturelle Einrichtungen registriert. Vielmehr wird der Konfuzianismus charakterisiert durch Praktiken und Rituale, die der individuellen und gesellschaftlichen Verwirklichung dienen. Allerdings ähnelt die konfuzianische rituelle Vorgehensweise häufig buddhistischen Praktiken.

Konfuzius war einer von vielen Denkern seiner Zeit, die sich mit der Problematik beschäftigten, wie sich Individuen in der Gesellschaft verwirklich können. Dabei besann sich Konfuzius auf Ordnungsprinzipien aus der frühen Zhou-Zeit (11. Jh. v. u. Z. bis 8. Jh. u. Z.). Er bewahrte vorkonfuzianisches Gedankengut, begründete aber keine neuartige Lehre. Konfuzius‘ Ideale von sozialer Harmonie und individueller Selbstverwirklichung prägt bis heute die chinesische Gesellschaft.

Auf individueller Eben zeigt sich wahrhafte Menschlichkeit in der „Hinwendung auf den anderen“ (Clart: 2009, S. 158), d. h. das Individuum verwirklicht sich selbst in der Pflege seiner zwischenmenschlichen Beziehungen. Daher haben Loyalität und Kindespietät einen hohen Stellenwert in der chinesischen Gesellschaft. Durch hierarchische Ordnung sozialer Beziehungen kann soziale Harmonie erreicht werden, derart werden Statuskonflikte minimiert.

Soziale Harmonie kann zudem nach konfuzianischer Vorstellung nur erlangt werden, wenn die mit der Herrschaft Betrauten ihren Untergebenen mit gutem moralischen Beispiel vorangehen.

„Chaos, Korruption und Unsicherheit bringen icht nur die politische Kompetenz einer Regierung in Misskredit, sondern stellen direkt ihre moralische Herrschaftslegitimation in Frage.“ (Clart: 2009, S. 157)

Bis heute prägt diese Einstellung das politische Denken. Die Idee einer „harmonischen Gesellschaft“ wurde von den ehemaligen Staatspräsidenten Chinas Hu Jintao und Wen Jiabao besonders betont. So werden beispielsweise Feiern zu Konfuzius‘ Geburtstag im Staatsfernsehen übertragen.

 

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