Wie zählt man eigentlich Salafisten?

Am vergangenen Wochenende konnte man in verschiedenen Medien von der Zunahme von Salafisten in Deutschland lesen. Die Deutsche Welle  titelte „Zahl der Salafisten steigt in Deutschland auf Rekordhoch”,  die Frankfurter Allgemeine Zeitung (faz) schrieb unter der Überschrift „In Deutschland leben so viele Salafisten wie nie zuvor”  von 10.800 gezählten Personen. Doch wie zählt man eigentlich Salafisten?

Die Zahlen der Salafisten beruhen auf Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV). Nicht nur für den Journalismus, sondern auch in der Forschung, sind die vom BfV veröffentlichten Zahlen die wichtigste Quelle, wenn man nicht den deutlich aufwendigeren Weg der eigenen Feldforschung wählen möchte.

Auszug aus dem Verfassungsschutzbericht 2016, S. 160.

Zu beachten ist bei den Zahlenangaben der Verfassungsberichte, dass es sich um Schätzungen handelt. Und wie Klaus Hummel et al. richtig feststellen „[s]olche recht konkreten Zahlenangaben suggerieren, dass Salafistinnen und Salafisten von anderen Musliminnen und Muslimen klar unterscheidbar und vor allem zählbar sind.” (Datenlage und Herausforderung empirischer Forschung. In: Salafismus und Dschihadismus in Deutschland.)
Dabei berichtet der Verfassungsschutz jedoch nicht, wie diese Schätzungen genau vorgenommen werden und welche Kriterien erfüllt sein müssen, um zum salafistischen “Personenpotenzial” gerechnet zu werden. Durch die Übernahme der Zahlen durch die Medien werden die Schätzungen des Verfassungsschutzes zu abstrakten “Personenpotenzialen” ganz schnell zu gezählten Salafisten, die für den Leser real und greifbar erscheinen.

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