Rezension „Handbuch Evangelikalismus“

Cover „Handbuch Evangelikalismus“.

Im transcript Verlag wurde dieses Jahr (2017) das „Handbuch Evangelikalismus” veröffentlicht. Die Herausgeber – Frederik Elwert, Martin Radermacher und Jens Schlamelcher – haben sich glücklicherweise dazu entschlossen, das Buch nicht allein zu schreiben sondern in Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern. Damit erweitern sich deutlich die Themenfelder, die das Handbuch Evangelikalismus bearbeiten kann.

Die Sprache des Buches ist anspruchsvoll doch verständlich, variiert in ihrer Komplexität aber natürlich von Autor zu Autor. Die Einleitung legt die Struktur des Buches dar, welche aus einzelnen Artikeln verschiedener Autoren besteht, die thematische Schwerpunkte behandeln: von Geschichte und Geografie über Glaubenspraxis und Sozialformen bis hin zur Wechselbeziehung des Evangelikalismus mit ausgesuchten Gesellschaftsbereichen. „Handbuch Evangelikalismus” ist ohne Zweifel wissenschaftliche Lektüre und so verwundert nicht, dass der Einstieg über Begriffsbestimmungen und Abgrenzungen des Forschungsgegenstandes erfolgt. (Das Inhaltsverzeichnis und die Einleitung finden sich hier.)

Auch wenn die Herausgeber gleich zu Beginn einräumen, dass Evangelikalismus mit einem Handbuch nicht erschöpfend behandelt werden kann, bietet das Buch einen Überblick über breit gefächerte Aspekte des Evangelikalismus. Es ist nicht notwendig das Handbuch am Stück zu lesen, die einzelnen Kapitel bauen nicht aufeinander auf (verweisen aber auf verwandte oder bereits behandelte Themen innerhalb des Buches) und jedes Kapitel definiert zu Beginn, was in diesem Kapitel unter Evangelikalismus verstanden wird. Damit hat man auch bei längeren Lesepausen oder beim Nachschlagen immer einen guten Einstieg ins Thema. Darüber hinaus hat jedes Kapitel separate Fußnoten und eine eigene Bibliographie sowie (genial!) Buchempfehlungen, welche eine weitere Vertiefung des Themas ohne viel Recherche möglich machen.

Nachdem das erste Kapitel die Einleitung, Begriffsbestimmung und Abgrenzung des Forschungsstandes umfasst, widmet sich der erste Teil des zweiten Kapitels einem historischen Abriss des Phänomens Evangelikalismus bis 1950. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Europa und Amerika. Im zweiten Teil des Kapitels werden mit der globalen Ausbreitung des Evangelikalismus neben dem nordamerikanischen Evangelikalismus nach 1950 auch moderne evangelikale Entwicklungen in Lateinamerika, Asien, Afrika und Europa gehandelt.

Dem historischen Überblick folgt im dritten Kapitel ein näherer Einblick in Glauben und Praktiken, die in evangelikalen Bewegungen verbreitet sind. Weiterhin beleuchtet es die Haltung und Wechselbeziehung des Evangelikalismus zu verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten; dazu gehören u. a. Politik, Erziehung, Sport, Wohlfahrt und Strafvollzug. Gerade dieses Kapitel unterstreicht die Vielfältigkeit evangelikaler Einstellungen und Meinungen und führt sehr wirkungsvoll vor Augen, dass es nicht DEN Evangelikalismus gibt. Den Abschluss des Buches bildet ein Ausblick zum Evangelikalismus in der Modern und Postmoderne.

Insgesamt ist das Handbuch Evangelikalismus eine spannende wissenschaftliche Lektüre, das durch Aufbau, Struktur und Sprache zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema einlädt und sowohl für Einsteiger als auch für „alte Hasen” geeignet ist.

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