Integrationsdiskussionen zurechtgerückt

Wann immer in Deutschland Einwanderung thematisiert wird, fällt ein großes Wort: Integration. Leider wird dieses Wort allzu oft ohne Sinn und Verstand genutzt. Denn wer von Integration spricht, spricht noch lange nicht von Integration. Die Migrationsforschung hat verschiedene Arten der Anpassung von Migranten an ihre Aufnahmeländer ausgemacht, Integration ist nur eine von ihnen.

Wenn Kulturen aufeinander treffen, dann findet immer eine gegenseitige Beeinflussung statt. In der Migrationsforschung bezeichnet man diese Prozesse der kulturellen und psychologischen Anpassung als Akkulturation. Die Spielarten der Akkulturation lassen sich in vier Typen einteilen: Integration, Assimilation, Separation und Marginalisierung. Die Unterscheidung richtet sich danach, inwiefern Kontakt mit der Aufnahmegesellschaft gesucht und die Kultur des Herkunftslandes erhalten wird.

Akkulturationsstrategien im Überblick

Die vier Akkulturationsstrategien im Überblick
Kontakt mit Aufnahmekultur erwünscht Kein Kontakt mit Aufnahmekultur erwünscht
Herkunftskultur erhalten Integration Separation
Herkunftskultur nicht erhalten Assimilation Marginalisierung

Integration ist dem Begriff nach wohl die bekannteste Strategie. Sie bezeichnet die Fähigkeit, trotz täglicher Kontakte mit der Kultur der Aufnahmegesellschaft und dem Versuch, sich in diese einzufinden, die Kultur seines Herkunftslandes aufrechtzuerhalten. Diese Strategie stellt sowohl an die Aufnahmegesellschaft als auch an die Migranten hohe Anforderungen.
Möchte ein Migrant seine kulturelle Identität nicht in der Aufnahmegesellschaft aufrecht erhalten und sucht den täglichen Kontakt mit der Aufnahmegesellschaft,
um dann in der Folge völlig in ihr aufzugehen, spricht man von Assimilation. Diese Form der Akkulturation ist individualistisch geprägt, da sie nicht oder kaum darauf angewiesen ist, sich mit einer bestimmten kulturellen Gruppe des Herkunftslandes auseinander zu setzen.
Gegenteilig verhält es sich bei der Separation. Denn beim Auftreten dieser Akkulturationsart misst der Migrant seiner Herkunftskultur einen hohen Stellenwert bei und meidet den Kontakt mit der Aufnahmegesellschaft. Separation, ebenso wie Integration, ist nur möglich wenn eine Gruppe vorhanden ist, die den Wunsch nach Erhaltung des Gruppenerbes hat. Es sind also, im Unterschied zur individualistisch angelegten Assimilation, gemeinschaftliche Strategien.
Abschließend zu nennen ist die Marginalisierung. Diese Akkulturationart kommt zustande, wenn wenig Möglichkeiten oder kein Interesse besteht, die Herkunftskultur zu erhalten und ebenfalls Kontakte mit der Aufnahmegesellschaft vermieden werden. Marginalisierung kann eine vom Migranten gewählte Strategie sein, jedoch ebenso ein fehlgeschlagener Versuch der Assimilation einhergehend mit einem Fehlschlag bei dem Versuch, an der Aufnahmegesellschaft zu partizipieren.

Mehr Vielfalt in „Integrationsdebatten“

Wer also erwartet, dass sich ein Migrant ganz und gar der Aufnahmegesellschaft anpasst, spricht nicht von Integration, sondern meint Assimilation. Integration setzt sehr viel mehr Bemühungen und Bedingungen voraus, um eine Balance zwischen dem Vertrauten und dem Neuen schaffen zu können. Doch das bedeutet nicht, dass es nur genug Mühe bedarf, um sich zu intergrieren und marginalisierte Einwanderer zu faul wären. Oftmals fehlt es an Kontakten und Möglichkeiten, wo man mit seinen Bemühungen ansetzen kann.

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2 Antworten zu “Integrationsdiskussionen zurechtgerückt

  1. Guten Abend
    Wenn ich mich nicht vollkommen täusche, stammt dieses Modell von Esser. Ist es nicht auch auf Internetseiten üblich, zu zitieren? Ich frage nur aus Neugierde, denn wir haben in im Seminar „Religion und Migration“ Esser und weitere Theoretiker behandelt. Unser Dozent hat uns jedoch abschliessend ermuntert, auch andere Konzepte, wie dasjenige der Transnationalisierung anzuwenden und nicht nur Esser. Obwohl er sich zwar erbietet, da er am ehesten auf die Integrationsdebatte Bezug nimmt.
    Mit freundlichen Grüssen,
    Nicole Odermatt

    • Ja, das Modell ist von Esser. Ich hatte es aufgegriffen, weil ich mich schon im Zusammenhang mit meiner Magisterarbeit damit beschäftigt hatte. 🙂

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