Kirchliche Trauung für gleichgeschlechtliche Paare

Heute findet in Dänemark die erste kirchliche Hochzeit eines schwulen Paares statt

Im Vorfeld wurden heiße Diskussionen geführt und die rechte Partei Dänemarks mobilisierte alle Kräfte, um das Gesetz aufzuhalten. Und doch wurde es mit der deutlichen Mehrheit von 85 Ja zu 26 Nein Stimmen beschlossen: Schwulen und lesbischen Paaren ist es nun neben einer zivilen Eheschließung auch möglich, kirchlich zu heiraten.

Die Zeremonie wird von Pfarrern der evangelisch-lutherischen Kirche durchgeführt. Falls diese sich weigern, liegt es in der Verantwortung des zuständigen Bischofs, dem Paar eine andere Möglichkeit zu organisieren.

Dänemark ist damit das 11. Land, welches kirchliche Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare erlaubt. Bereits seit 1989 sind zivile Eheschließungen möglich – hier war Dänemark der weltweite Vorreiter.

Begünstigt wurde diese Entwicklung durch zwei Faktoren: die religiöse Situation und die dänische Gesellschaft selbst. Beide sind natürlich eng miteinander verflochten und stehen in Wechselbeziehung.

Der evangelisch-lutherischen Staatskirche, der Volkskirche (folkekirken), gehören 79,8 % (Stand Januar 2012) der Dänen an. Bis 1849 war der König das Oberhaupt der Kirche und dadurch die direkte Verbindung zwischen Staat und Religion. Auch wenn diese enge Bindung nicht mehr existiert, so gibt es doch keine institutionelle Trennung von Kirche und Staat.

Der enge Kontakt zum Staat beeinflusste auch die Anfang des 20. Jahrhunderts beginnenden Demokratisierungsprozesse innerhalb der Volkskirche. Diese mündeten in die Zulassung von Frauen ins Priesteramt (1948) und die Wahl der ersten Bischöfin 1995. Mit der Demokratisierung ging eine vorsichtige Annäherung an das Thema Homosexualität einher.

Keine dieser Entwicklungen ging ohne Diskussionen vor sich. Und so stehen sich auch in der Frage nach der Haltung gegenüber Homosexuellen Befürworter und Gegner gegenüber. Während die einen argumentieren, die sexuelle Orientierung sei eine gottgegebene Anlage, halten die anderen entgegen, dass eine homosexuelle Orientierung der göttlichen Bestimmung zuwider laufe.

Der zweite Faktor in der Debatte, die Gesellschaft, beeinflusst auch die Haltung der Kirche. Je offener sich die Sichtweise auf Homosexualität von Seiten der Gesellschaft gestaltet, desto eher wird auch eine Öffnung der Kirche für dieses Thema ‚erzwungen‘. Und in der dänischen Gesellschaft ist Homosexualität nicht  nur gesetzlich, sondern auch gesellschaftlich weitgehend akzeptiert. Und so klingeln heute die (kirchlichen) Hochzeitsglocken das erste Mal für ein schwules Paar.

 

Siehe hierzu auch der Artikel im Telegraph: http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/denmark/9317447/Gay-Danish-couples-win-right-to-marry-in-church.html

Weitere Quelle: Siker, Jeffrey (Hrsg.): Homosexuality and Religion. An Encyclopedia. 2007

 

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