Chanukkah – wie Weihnachten, nur ganz anders

Es gibt zurzeit viele Gründe, Kerzen anzuzünden: Bei der Kälte draußen ist es gemütlich und heimelig, am Adventskranz dürfen die Hälfte der Kerzen brennen und am Chanukka-Leuchter sind schon fast alle Kerzen angezündet. Nicht umsonst spielen an Chanukka Lichter eine wichtige Rolle, ist es doch das jüdische Fest der Lichter und erinnert an ein – im wahrsten Sinne des Wortes – leuchtendes Wunder.

Reines Kerzenlicht

Bereits am Vorabend zu Chanukka wird das Lichterfest mit dem Anzünden von Kerzen eingeläutet, am 25. Kislew beginnen dann offiziell die acht Tage der Chanukka-Feiern. Diese Tage sind keine Hochfeiertage, d. h. man arbeitet und es wird nicht gefastet, es sollten jedoch keine Trauerreden gehalten werden. Für alle Frauen, Männer und Jungen ab neun Jahren besteht die Pflicht, Chanukka-Lichter anzuzünden. Oft steht die Chanukkia, der neunarmige Leuchter, an einem Fenster zur Straße hin, häufig links vom Eingang, gegenüber der Mesusa. Die Mesusa ist eine Kapsel mit einem Stück heiligen Text, der entweder in den Türpfosten eingelassen oder an ihm befestigt ist. Wenn die Kerzen dann zur Nacht angezündet werden, wenn draußen die Sterne sichtbar geworden sind, kann man den Lichterschein von der Straße aus sehen. Üblicherweise wird vor dem Entzünden noch das Abendgebet gesprochen. In der Synagoge hingegen werden die Lichter zwischen dem Nachmittags- und dem Abendgebet entzündet. Allgemein gilt, dass man eine halbe Stunde vorm Anzünden keinen Alkohol trinken und die Lichter mindestens eine halbe Stunde brennen sollten.

Waren Olivenöl und Baumwolldochte Teil des ursprünglichen Wunders, so sind heute andere Lichtquellen erlaubt, z. B. auch Kerzen aus Wachs und Paraffin. Dochte, Öl und Kerzenreste dürfen auch wiederverwendet werden. Bedingung ist aber, dass die Lichter reines Licht spenden und nicht flackern dürfen. Der Leuchter darf aus unterschiedlichsten Materialien sein: Metall, Glas oder auch Ton, wenn er ästhetisch aussieht. Am ersten Abend wird das erste Licht angezündet, man beginnt von rechts nach links. Am zweiten Abend wird zunächst das zweite und dann das erste Licht entzündet und so weiter. Doch das neue Licht bekommt immer Vorrang, als Ausdruck des Wunders (Wer jetzt ungeduldig auf eine Erklärung des Wunders wartet, sei noch kurz vertröstet.).

Acht Kerzen der Chanukkia müssen alle in gleicher Höhe sein, keines versetzt und nicht kreisförmig angeordnet. Zwischen den Lichtern muss genug Abstand sein, sodass sie sich durch die Hitze nicht gegenseitig schmelzen. Diese acht Lichter darf man nicht benutzen, das bedeutet, man darf in ihrem Schein nicht lesen oder arbeiten und mit ihnen keine anderen Lichter entzünden. Mit dem neunten Licht hat es jedoch besonderes auf sich: Es heißt Schamasch (‚Diener‘) und wird genutzt, um die anderen Chanukka-Lichter anzuzünden. Diesem Licht darf man sich bedienen und es soll nicht in einer Reihe mit den anderen acht Lichtern stehen. Oft hat ein Chanukka-Leuchter deshalb einen erhobenen Platz, z. B. weil darunter noch ein Davidstern ist. Dies ist der Platz für den Schamasch.

Jüdisches Weihnachten?

Für das Entzünden der Lichter versammelt sich traditionell die ganze Familie, danach können z. B. Chanukkalieder gesungen werden. Die Kinder bekommen jeden der acht Tage ein kleines Geschenk. Früher waren es Münzen, die die Kinder spenden oder ihren Lehrern geben sollten, heute sind es eher Kleinigkeiten für die Kinder selbst. Zum Einen hat dies Chanukka den Vergleich mit Weihnachten eingebracht, zum Anderen war eine Adaption notwendig, damit sich besonders jüdische Kinder nicht gegenüber den christlichen Kindern, die Weihnachten oftmals mit Geschenken überhäuft werden, benachteiligt fühlen. Wie auch das Weihnachtsfest, hat das jüdische Lichterfest mit der zunehmenden Kommerzialisierung zu kämpfen. Aus diesem Grund gibt es auch Familien, in denen nichts geschenkt wird.

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