Fokus: Beschneidung 1/3 – Das Urteil

Das Landgericht Köln hat mit seinem Urteil die Religionsfreiheit dem Recht auf körperliche Unversehrtheit untergeordnet. Doch was und worüber wurde da entschieden?

Eigentlich fing alles harmlos an: Eltern bringen ihr Kind zu einem Arzt, weil sie ihn gemäß ihrer Religion beschneiden lassen möchten. Die Entfernung der Vorhaut wird sachgerecht durchgeführt und verläuft ohne Komplikationen. Einige Tage später treten zwar Blutungen auf, doch können diese schnell gestillt werden. Und doch wird eben jener Arzt der Körperverletzung angeklagt.

Prinzipiell ist jeder ärztliche Eingriff, der die körperliche Unversehrtheit des Patienten beeinträchtigt, eine Körperverletzung. Eingeschränkt wird dies nur durch eine Notsituation oder die Einwilligung des Patienten. Diese Einwilligungserklärung ist es, die üblicherweise vor Eingriffen unterschrieben wird. Ist der Patient minderjährig, liegt die Entscheidung und Einwilligungsbereitschaft bei den Erziehungsberechtigten. Dabei obliegt es ihnen, zum Wohl des Kindes zu handeln.

Nun argumentierte das Landgericht Köln, dass im Falle der Beschneidung der Tatbestand einer Körperverletzung erfüllt wäre, da es kein medizinisch notwendiger Eingriff gewesen und nicht zum Wohle des Kindes geschehen sei. Der betroffene Arzt wurde allerdings freigesprochen, da er in der Überzeugung handelte, keine Straftat zu begehen, denn die Einwilligung der Eltern lag ja vor.

Letztendlich wurde auch die Berufung abgelehnt, dadurch wurde das Urteil rechtskräftig. Was seitdem in den Medien und der Öffentlichkeit diskutiert wird, ist die Haltung zur Beschneidung, die im Urteil deutlich wird. Welche Argumente dabei angeführt werden, erfahrt ihr im zweiten Teil der Serie.

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