Schlagwort-Archiv: Islam

Sikhismus I: Entstehung und Geschichte

Sikh-Familie im indischen Agra.

Sikh-Familie im indischen Agra. Die älteren Männer tragen den Turban, die jüngeren den sogenannten „Patka“. (Thomas Schoch, CC-BY-SA 3.0)

Auf Indiens Straßen erkennt man einen orthodoxen Sikh recht einfach am ungeschnittenen Bart und dem farbenfrohen Turban. Doch auch in Europa ist dieser Anblick nicht mehr fremd, denn der Sikhismus hat sich schon längst über die Grenzen seines Entstehungslandes hinaus ausgebreitet. Der Sikhismus fasziniert mit der Synthese hinduistischer und islamischer Elemente, die sich in dieser recht jungen Religion zu einem ganz eigenen Mix verbunden haben.

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Schwetzingen: Eine Moschee im Schlossgarten

Moschee Schwetzingen - Westansicht. (Quelle: Andree Stephan via Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0)

Moschee Schwetzingen – Westansicht.

Gartenmoscheen waren zur Zeit der „Türkenmode” im 18. Jahrhundert bei fleißig bauenden Herrschenden der letzte Schrei. Gebetet wurde in den wenigsten dieser Moscheen. Die letzte ihrer Art kann man heute noch im malerischen Schwetzingen

 

Die Moschee in Schwetzingen ist Teil des aufwendig gestalteten Gartens, der sich hinter dem Schwetzinger Schloss erstreckt. Im 14. Jahrhundert noch eine mittelalterliche Wasserburg, wurde der Bau nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg und im Pfälzischen Erbfolgekrieg wieder aufgebaut und erhielt im 18. Jahrhundert sein heutiges Antlitz. Besonderen Verdienst hatte der Kurfürst Karl Theodor (1724-1799), der das Schloss zur Sommerresidenz ausbaute und den barocken Schlossgarten anlegte.

In der Barockanlage gibt es neben einem Badhaus und einem Naturtheater auch eine Gartenmoschee, die heute die letzte erhaltene ihrer Art in Europa ist. Errichtet wurde sie zwischen 1779 und 1795 nach dem Vorbild der Gartenmoschee von William Chambers in Kew Gardens sowie Entwürfen von Johann Fischer von Erlach. Die Architektur der Moschee verbindet bauliche Elemente des Barock mit orientalischer Architektur. Es finden sich sowohl barocke Kuppeln, spitzbogige Fenster, Rundbogenarkaden, Minarette, Pavillons und Halbmondverzierungen.

Moschee Innenansicht Kuppel. (Quelle: Berthold Werner via Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0)

Moschee Innenansicht Kuppel.

Der Innenraum der Moschee gliedert sich in einen runden Zentralraum mit jeweils einem Anbau auf jeder Seite. Der Grundriss ähnelt stark jenem der Kew-Gardens-Moschee. Die Innengestaltung ist farbenfroh und wird von der Kuppel im Zentralraum beherrscht. Inschriften sind golden ausgelegt und sowohl in arabischer als auch deutscher Sprache angebracht. Es handelt sich um Sinnsprüche, die nicht speziell islamisch sind, sondern allgemeine Tugenden wie Weisheit und Fleiß preisen.

Die Moschee wird umgeben von Wandelgängen und erinnert darin an orientalische Moscheen. Es fehlen jedoch jedwede liturgische Einrichtungen wie sie in jeder Moschee der islamischen Welt zu finden ist. Es gibt keine Möglichkeit der rituellen Reinigung vor dem Gebet, im Innenraum gibt es keine Gebetsnische, welche die Gebetsrichtung nach Mekka ausweist und auch keine Kanzel, von der freitags üblicherweise eine Rede gehalten wird.

Moschee mit Wandelgängen. (Quelle Andree Stephan via Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0)

Moschee mit Wandelgängen.

Zur Verrichtung von Gebeten durch Muslime wurde das Gebäude bisher nur zu zwei Zeitpunkten seiner Geschichte. Nach dem Deutsch-Französischen-Krieg 1870/71 und in den 1980er-Jahren.

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Rezension: „Islamische Kultur und Geschichte“ von Peter Ortag

Die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung hat die zweite Auflage ihres Islambuches „Islamische Kultur und Geschichte. Ein Überblick” herausgebracht. Bereits im Vorwort verspricht der Autor Peter Ortag Informationen „jenseits von mehr oder weniger begründeten Ängsten, aber auch von verklärender Orient- und Multikulti-Romantik” (S. 9). Die Lektüre des Buches verfehlt jedoch sein Ziel „durch Wissen mehr Gelassenheit im Umgang mit dem Islam zu erreichen” (S. 9), vielmehr gibt es vorhandenen Ängsten Nahrung und weist zudem deutliche Schwächen in Form und Inhalt auf.
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Die Sepharden – das Erbe von al-Andalus

Die Zeit der muslimischen Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel hat nicht nur im christlichen Europa tiefe Spuren hinterlassen. Auch die jüdische Kultur ist bis heute geprägt von „al-Andalus”, wie die sephardische Tradition eindrücklich zeigt.

Migration sephardischer Juden ab dem 15. Jahrhundert. (Quelle: Universal Life via Wikimedia Commons unter Lizenz CC-BY-SA 3.0)

Migration sephardischer Juden ab dem 15. Jahrhundert.

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Burkini-Panik in Frankreich – Kommentar

Ob Burkinis auch mal so selbstverständlich angepriesen werden? (Quelle: Mahesh Shantaram via Wikimedia Commons unter Lizenz CC-BY-SA 2.0)

Ob Burkinis auch mal so selbstverständlich angepriesen werden?

Der Burkini sorgt an Frankreichs Stränden für Aufruhr, bereits mehrere Städte  haben das Tragen dieses speziellen Badeanzugs verboten. Geldstrafen drohen Frauen, die ‚zu viel‘ beim Schwimmen im Meer tragen.  Das erinnert stark an das Schicksal des Bikinis bevor er seinen Siegeszug in der Modewelt angetreten hat. Weiterlesen

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Schon gewusst…? Muslimische Seefahrer in Amerika vor Kolumbus

Christoph Kolumbus, Vasco da Gama, Ferdinand Magellan und Amerigo Vespucci – die Namen der großen Entdecker des 15. und 16. Jahrhunderts sind wohlbekannt. Doch wären ihre Entdeckungsfahrten nicht möglich gewesen ohne das Wissen muslimischer Seefahrer. Nautische Instrumente wie das Astrolabium, der Kompass und der Jakobsstab waren Muslimen schon lange bekannt und wurden genutzt um Navigationstabellen und Karten zu erstellen.

Weltkarte von Juan de la Cosa. (Quelle: via Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Weltkarte von Juan de la Cosa.

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Die Kultur der Ambiguität – Rezension

Mach dich bereit, die Geschichte des Islam aus einem völlig anderen Blickwinkel zu betrachten! So oder so ähnlich könnte man ohne weiteres für das Buch von Thomas Bauer werben. Bauer ist seit 2000 Professor für Islamwissenschaft und Arabistik an der Universität Münster. Im Jahr 2006 und 2007 war er Fellow am Wissenschaftskolleg in Berlin, wo er zur „Kultur der Ambiguität” forschte und aus diesem Kontext auch das Buch entstanden sein dürfte. Weiterlesen

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Al-Andalus – eine multikulturelle Illusion?

Die Iberische Halbinsel um 910. (Quelle: Alexandre Vigo via Wikimedia Commons unter Lizenz CC-BY-SA 1.0)

Die Iberische Halbinsel um 910.

Die Zeit der muslimischen Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel (8. bis 15. Jahrhundert) gilt als kulturelle und religiöse Blütezeit, in der Muslime, Christen und Juden harmonisch miteinander lebten. Im Spanischen wird diese Zeit als „la Convivencia” (die Koexistenz) bezeichnet und al-Andalus, die arabische Bezeichnung der Region, ist fest verbunden mit der Vorstellung einer toleranten Gesellschaft. Klingt zu gut um wahr zu sein? Das denken sich auch viele Forscher und wollen dem Mythos al-Andalus ein Ende bereiten. Weiterlesen

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Wochenrückblick 28:2016

Die Prophetenmoschee in Medina, Saudi-Arabien. (Quelle: via Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Die Prophetenmoschee in Medina, Saudi-Arabien.

Biblische Arche Noah in Kentucky eröffnet * AfD-Spaltung: Alternative für Baden-Württemberg * Muslimin in Kiel niedergeschlagen * Selbstmordanschläge in Saudi-Arabien und im Irak * Abiturient weigert sich Lehrerin die Hand zu geben Weiterlesen

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Muslimische Reformdenker des 19. Jahrhunderts – Reformislam II

Der wohl bekannteste Reformer, Jamal ad-Din Afghani. (Quelle: Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Der wohl bekannteste Reformer, Jamal ad-Din Afghani.

Als Gründungsväter des Reformislam gelten bis heute Jamal ad-Din al-Afghani (1838-1897), Muhammad Abduh (1849-1905) und Rashid Rida (1865-1835). Allen drei ist gemeinsam, dass sie eine innere Reform des Islam als einzig mögliche Antwort auf das Unterlegenheitsgefühl gegenüber dem Westen sahen. Als Ursache dieses Gefühls machten sie ein unflexibles Verständnis vom Islam aus, welches auf der Rückbesinnung auf den Koran in blinder Nachahmung der Vorväter beruht. Weiterlesen

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